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Snapshot Shorts Vol. 1

Da ich momentan ziemlich beschäftigt bin und nicht so richtig zum Schreiben komme, trage ich hier jetzt unter dieser neuen Rubrik Filme nach, für die mir die Zeit gefehlt hat, die ich aber nicht unerwähnt lassen wollte. Als da wären:

Death Note 2: The last name (Shusuke Kaneko, Japan 2006) -- ist die Fortsetzung des Fantasy-Selbstjustiz-Popcornfilmchens DEATH NOTE, das in seiner schieren Länge von beinah 2 ½ Stunden wenn nicht ermüdend, so doch sehr gedehnt wirkt und mit deutlich zuviel Plotschleifen auffährt. Schon die Entscheidung, das simple Konzept das Death Note-Notizbuch um etliche Regeln zu erweitern, nur um aus dem zweiten Teil ein Katz-und Maus-Spiel machen zu können, scheint mir mißlungen und bläst den Film unnötig auf. Das lenkt alles ab von der zwar skurrilen aber reizvollen Grundidee. Aber damit nicht genug – auch das Potenzial der Einführung eines zweiten Todesgottes wird verschenkt, einmal sogar unfreiwillig komisch. Schade.

Ansonsten bleibt positiv festzuhalten, daß wieder einmal einige Realien aus dem japanischen Alltag in ihrer Absurdität konterkariert werden, ohne den moralischen Prügel rauszuholen (abgesehen vom Selbstjustiz-Thema, natürlich): so etwa die ganzen Handlungsstränge um die Fernsehgesellschaft und den Wota-Fanatismus, das Fanboytum. Auch positiv ist die Fokussierung auf „L“s Charakter, der dem Film doch einiges an Spannung zutragen kann. Auch was die schauspielerische Leistung angeht ist Kenichi Masuyama (L) seinem Konterpart Light Yagami (Tatsuya Fujiawara, den man z.B. aus BATTLE ROYALE kennt) haushoch überlegen. Fast ein wenig ärgerlich ist es, daß Fujiawara seiner Figur so wenig Profil zu geben vermag. Schön also, daß sich der Fokus im dritten Teil (Hideo Nakatas Beitrag) ganz auf L richtet: L- CHANGE THE WORLD. Darüber später mehr.

The Host / Gwoemul (Bong Joon-ho, Südkorea 2006) -- Wie ein kleiner Diamant hat sich in diesem Monsterfilm das Melodrama versteckt, genauer: ein Familienmelodram. Denn die Tochter gilt es zu retten, die vom Formaldehyd-Monster des Han-Flusses verschleppt wurde. Die im Oberstübchen nicht ganz helle Familie kompensiert ihre Unfähigkeit mit Liebe und erreicht so doch viel mehr, als man zunächst vermuten würde. Auch eine Hirnoperation kann da kaum mehr was kaputtmachen. Manchmal vergißt man fast bei all der Rasanz, mit was für großartigen Schauspielern man es hier zu tun hat: Song Kang-ho kann wieder auf vollster Linie überzeugen, und wenn die Angehörigen wegen des Verlustes der Tochter verzweifelt anfangen zu weinen, dann sind das wunderbar großartige Kinomomente. Klar, paar Sekunden später kippt das ins selbstironische Overacting - anders wäre das aber auch nicht zu ertragen. Komischerweise gelingt es Bong (MEMORIES OF MURDER-Genius) diese Elemente harmonisch zu verbinden, massenkompatibel zu gestalten und doch gleichzeitig einen erschütternden und dabei unterhaltenden Film zu machen. Toll.

Gate of Flesh / Nakito - Profis der Liebe (Seijun Suzuki, Japan 1964) -- Im ausgebrannten Tokyo der Nachkriegszeit schließen sich fünf Prostituierte zu einer Bande zusammen, beziehen Domizil in einem ausgebombten Haus und machen ihren Strich klar. Es herrscht ein hartes Regime - aber man ist selbstbewußt, weiß sich durchzusetzen. Als ein Gauner (Jo Shishido) bei ihnen untertaucht, übernimmt er die Rolle des Zuhälters. Alle Mädchen verlieben sich in ihn, doch diejenigen, die etwas mit ihm anfangen, verstoßen gegen den Codex der Gruppe: kein Sex ohne Geld, kein Sex mit Gefühl. Zwei der Mädels werden aber erwischt, gebunden und gefoltert, ausgepeitscht von ihren Freundinnen.
Suzuki ist ein Meister der Farben - dabei pfeift er auf Realismus und setzt bewußt auf Künstlichkeit, was sich auch in der Montage bemerkbar macht. Hilarious das alles, durchgeknallt, quicklebendig und pulsierend. Aber auch weit weg, abstrakt, Kunstkino mit Exploitation und Sleaze. Spannend und respektlos, einzigartig und ungemütlich.

Hana Yori mo naho (Hirokazu Kore-eda, Japan 2006) -- In einem Slumviertel Edos leben die Nachbarn trotz des Elends gar nicht mal so schlecht zusammen in ihren Hütten, denn sie unterstützen sich, lieben sich, hassen sich, aber vor allem: unterstützen einander. Auch ehemalige Samurai hat es dorthin verschlagen, Männer, die nicht mal mehr Ronin sind. Oder doch? Sie planen, ihren Herren, der zum Harakiri gezwungen wude zu rächen. Alle, bis auf einen.
Kore-eda beleuchtet den 47 Ronin-Mythos mal von einer anderen Seite - denn Soza (Junichi Okada) hat recht bald gemerkt, daß in Friedenszeiten mit dem Schwert kein Überleben möglich ist. Er ist Lehrer geworden, und unterrichtet die Nachbarskinder im Lesen und Schreiben. Außerdem interessiert er sich, heimlich natürlich, denn er ist schüchtern, für die nette Witwe von nebenan (Rie Miyazawa). Mit ihrem Sohn aus erster Ehe kommt Soza außerdem sehr gut zurecht.
Kore-eda dreht eine Komödie, einen wunderbaren leisen und leichten Film, der ernstere Untertöne nicht scheut. Auch Parallelen zu aktuellen politischen Geschehen können durchaus entdeckt werden, wie ein kritischer Umgang mit der japanischen Gesellschaft. Wer einen Vergleich für die Stimmung des Films haben möchte, der denke etwa an KIKUJIROS SOMMER. Ausgezeichneter Film.

Aoi Haru / Blue Spring (Toshiaki Toyoda, Japan 2001) -- Die Lümmel von der ersten Bank auf japanisch, sozusagen. Schön brutal, traurig, manchmal leicht over the top, und guter Japanpunkrock-Soundtrack. Immer wieder auch schöne Bilder, stilisiert, ein sehr reduzierter Plot - ein Film der trotz seiner vielfältigen Themen eine erstaunliche Geschlossenheit erreicht. So wird aus dem Coming-of-Age-Film handfeste Gesellschaftskritik eines Landes, das den Kontakt zu seinen Kindern verloren hat. Der Blick vom Dach des Schulgebäudes in die Ferne, die Stadt und das Umland faßt nichts, zeigt kein Ziel. Nur Weite. Kann man sich wahrlich öfter anschauen.

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