Direkt zum Hauptbereich

Snapshot Shorts Vol. 2

Shinobi - Heart under Blade Ten Shimoyama, Japan 2005

Romeo & Julia zur Zeit des Tokugawa-Regimes. Ieyasu Tokugawa sieht sein befriedetes Land nur noch durch zwei im Wald lebende Ninja-Clans bedroht und beschließt -gerissen wie er ist- sie sich gegenseitig eleminieren zu lassen. Die 5 besten Kämpfer beider Clans sollen gegeneinander antreten. Nun haben sich natüüürlich die beiden besten Kämpfer Gennosuke und Oboro an einem sprudelnden Bächlein tief in die Augen geguckt,... was allerdings bei den Augen von Yukie Nakama fatale Folgen haben kann, das versteht ein jederMann.
Was folgt ist ein pathetisches Martial-Arts-Fantasy-Märchen, das leider weder in der Figurenzeichnung überzeugen kann, noch in den Kampfszenen. Zwar sind diese fast alle als Duelle angelegt, bei denen die Kontrahenten ihre besonderen Fähigkeiten zur Schau stellen können (den Absurditäten sind keine Grenzen gesetzt), doch ist das alles sehr konsumierbar: kein Blut, kein Leid, und ästhetisch völlig verfremdet. Das liegt wohl auch an der Vorlage, ein Manga, das sich aber aus einem literarischen Erzählungsband speist. Aber für die Computerjugend sieht das dann doch aus wie in einem Videospiel. Sterben kann so schön sein!
Reines Unterhaltungskino, bei dem es nach dem Abspann halt zwei Stunden später geworden ist.


Sarkar Ram Gopal Varma, Indien 2005

Zunächst: dieser Bollywood-Film konnte mich gut unterhalten. Angelehnt an Coppolas Der Pate spielt Amitabh Bachchan einen Gangsterboss, der sich um die Sorgen und Nöte der armen, gebeutelten Mitmenschen kümmert. Gleichzeitig allerdings hat er es mit dunklen Machenschaften (wie wird nicht erzählt) zum mächtigsten Mann in Bombay gebracht. Nun kehrt sein Sohn aus Amerika zurück und bringt seine neue Flamme mit. Sein Bruder, Filmproduzent, verheiratet mit Kind, scharwenzelt hinter einer Actrice her und muß sich eines Konkurrenten erwehren. Der Hauptplot aber ist, daß ein geheimes Syndikat den Drogenhandel in Bombay übernehmen will, und sich bei Sarkar -ob seiner großen Macht- die Erlaubnis einholen muß. Dieser verwehrt es ihnen (Moral Moral), und muß fortan um sein Leben bangen.

Ein Bollywood-Film ganz ohne Tänze und Gesänge, dagegen ein düsterer Gangsterplot. Viel Schatten, saturierte Farben und Weichzeichnereffekte. Schöne Menschen allenthalben und gute Schauspieler. Dennoch: mit dem Paten kann dieser Film niemals mithalten. Mehrere offensichtliche Logiklöcher sabotieren zudem die Stimmigkeit der Erzählung. Auch ist der Film nach 2/3 Spielzeit ziemlich behäbig. Hier hätte man straighter auf den Schluß zumarschieren, und diesen durchaus noch mehr ausschlachten können. Der Showdown ist fast etwas beiläufig und verschenkt.


Retribution / Sakebi Kiyoshi Kurosawa, Japan 2006

Der Film handelt von einem Cop (Koji Yakusho), der erst einen, dann mehrere Morde aufklären muß. Sich wiederholende Motive deuten auf einen Serienmörder hin, wobei wir in der ersten Einstellung bereits ihn selbst als Mörder der Frau gesehen haben. Diese tote Frau kehrt dann als haunting ghost wieder und in der Folge wird alles immer komplizierter. Das Drehbuch schlägt daraufhin mehrere Haken, was zunächst interessant ist, dann aber irgendwann bei der Fülle der Themen überladen wirkt, letztlich dann leider sogar beliebig.
Die Idee der zurückkehrenden Toten als Geist, der dem Täter sogar vergibt, ist zwar (für mich) neu, aber die Verknüpfung etwa mit der Asyl-Geschichte und diese unglaublich lächerlichen Episoden mit dem Psychologen verhunzen etwas den Film. Ansonsten ist es ein typischer Kurosawa-Film: ein Genre-Mix aus Polizeithriller und Geistergeschichte. Und auch die Bilder sind vorzüglich, der Ton ebenso.


Lange Phasen kompletter Stille bauen enorm Spannung auf. Letzlich scheint mir der Film also durchaus sehenswert, wobei er sicherlich kein großer Wurf im an Höhepunkten nicht armen Werke Kiyoshi Kurosawas ist.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Mad World - Hong Kong's entry for the foreign language Oscar (Wong Chun, 2016)

Wong Chun's debut feature film is not really part of the Hong Kong International Film Festival, but one I did see during my stay here at Mongkok's Broadway Circuit outlet as a regular screening on a sunday morning.

It's a quiet and atmospheric film that is quite beautifully shot and extremely well acted by Eric Tsang (kudos!) and Shawn Yue, his son suffering from bipolar disease. It's a film about fatherhood and responsibilities, about getting old in financially difficult times. They both live in a shared flat with three other parties. No one seems to be able to pay rent anymore in Hong Kong. It's really depressing.

Mad World is definitely worth watching, as it has been screened in Busan and in Toronto. It got mixed reviews overall, but I really don't understand why. There are no loose ends, the plot is fragmented with flashbacks to family history, but that always makes sense and adds to the depth of the characters. I really liked it and recommend…

A Pool without Water / Mizu no nai puuru (Kôji Wakamatsu, 1982)

Überdeutlich ein Film der 80er Jahre: körnige Farbflächen, Neonlicht, Großstadt. Melancholische Synthieflächen zu den Gesichtern von Menschen, die sich in sich selbst zurückgezogen haben. Da ist ein Familienvater, der den Alltag nicht mehr erträgt: er arbeitet bei den Verkehrsbetrieben, steht den ganzen Tag am Eingang zur U-Bahn und muss Fahrscheine entwerten. Auf dem Screenshot oben sieht man seine Hand mit dem Locher, den er in rasender Geschwindigkeit und in panischen Rhythmen zusammenklackert, ein Stakkato zur elegischen Hintergrundmusik. Ein sprechendes Bild ist das: äußerlich scheint er völlig ruhig zu sein und abgetaucht in die Monotonie seiner endlos öden Arbeit - dieses Detail aber offenbart, wie sehr er innerlich aufgeladen ist.
Diese Spannung überträgt sich bald auf die Handlung und findet ein Ventil - mehrfach wird er Zeuge, wie verschiedene Menschen, meist Frauen, Opfer von Rücksichtslosigkeiten, rüpelhaftem Benehmen oder gar körperlicher Gewalt werden. Da ist er dann de…

Nippon Connection 2017: Kohei Taniguchis Independent-Wrestling-Komödie DYNAMITE WOLF (Japan, 2017)

Der kleine Hiroto, oben links außen auf dem Bild, steckt in der Krise: er ist zwar erst in der Grundschule, doch kann er sich partout nicht dafür entscheiden, welchen Freizeit-Kurs er an der Schule belegen soll. Es versucht es mit Fußball, das endet aber dramatisch als Desaster. Da gerät er zufällig in ein Wrestling-Match mit dem berühmten Dynamite Wolf und ist wie elektrisiert: das Spektakel, die Inszenierung, das Toben der Leute vor Begeisterung - ja, da schlägt sein Herz höher und zum ersten Mal lächelt er dann im Film. Seinen Eltern und den Mitschülern erzählt er erstmal nichts von seiner neuen Leidenschaft, ist doch seine einzige Möglichkeit zu trainieren die Bekanntschaft mit einem merkwürdig abgerissenen Gesellen am Flußufer (oben rennend), der mit einer umgebauten Dummy-Sexpuppe als Sparringspartner trainiert. Ob das der richtige Umgang für einen Jungen ist, das darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.
 Aber natürlich, so will es das Gesetz des Films: es hätte ihm nichts Be…