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Ghost Story of the Snow Witch / Kaidan Yuki Jorou (Tokuzo Tanaka, Japan 1968)


Der 2007 verstorbene Tanaka ist wohl am ehesten für seine ZATOICHI-Beiträge und seine grimmigen Samurai-Filme SLEEPY EYES OF DEATH, sowie THE BETRAYAL (über den ich hier schon etwas geschrieben habe) bekannt. Wie schon in BETRAYAL überzeugt auch diese Geistergeschichte durch ihre unglaublich dichte Atmosphäre und die enorm gelungenen Bilder. Die musikalische Untermalung durch Akira Ifukube trägt da enorm viel bei - es ist schlicht ein Geniestreich, wie hier zusammengewirkt wird.


Die Liebe zwischen einem Skulpurenbildhauer und einer unbekannten Frau, die urplötzlich in seinem Dorf auftaucht, nimmt familiäre Formen an, als sie sich ihre Liebe gestehen. Dabei hätte Yosaku sich nicht von der Schönheit Yukis blenden lassen sollen - die Ähnlichkeit zur Snow Woman, zur Schneehexe, die in den Wäldern ihr Unwesen treibt, ist offensichtlich. Bei ihrem fesselnden Anblick, so die Legende, erstarren die Menschen zu Eis. Doch davon will Yosaku nichts wissen. Auch der korrupte Stadtvorsteher, der jedem Rock im Bezirk hinterhersteigt, ist an Yuki interessiert, und bürdet der jungen Familie eine kaum zu lösende Aufgabe auf, bei deren negativen Ausgang ihm Yuki zur Verfügung stehen müsse....


Die Schamanin des Dorfes erkennt den Geist in Menschengestalt und setzt sich zur Wehr. Dass sie dabei eine Familie zerstört und den Zuschauern die Tränen in die Augen treibt, ist ihr egal.


Habe ich tatsächlich den besten Film 2010 schon jetzt am Beginn des Jahres gesehen? Unbedingte Empfehlung!

Kommentare

  1. Dem kann ich nur beipflichten, ein wirklich toller Film. Wobei ich die Schamanin für einen Schamanen gehalten habe...
    Chapeau auch zum gesamten Marathon, hat Spaß gemacht, zu lesen.

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  2. Liest sich, als ob Tanaka sich an Nobuo Nakagawas Werk und Kobayashis Kwaidan orientiert hätte. Die Bilder sehen auch etwas danach aus.
    Wo bekommt man den Film denn her?

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. @Alex:
    Merci. :-)
    Zur Schamanin: für mich war das klar ein Kampf von Frau gegen Frau; aber das war möglicherweise auch ein Trugschluß.

    @tschill: die Schneehexe ist wohl tatsächlich eine Neuauflage von KWAIDAN, bzw. der literarischen Vorlage, nur hab ich den Kobayashi noch nicht gesehen. Was ich eigentlich verheimlichen wollte. *Räusper*
    An JIGOKU habe ich auch gedacht, die stilisierten Studiosets und die Beleuchtung gehen in diese Richtung, drehen aber nicht so ab wie dieser. Das mag auch am Budget gelegen haben.

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  5. Weniger an Jigoku als vielmehr an Nakagawas klassische Geistergeschichten wie Mansion of the Ghost Cat (bei dem seltsamerweise auf der Berlinale viel gelacht wurde, nur weil die alte Hexe zum Beispiel aus dem Stand rückwärts ins Haus springen kann), The Ghosts of Kasane Swamp oder den exzellenten Ghost Story of Yotsuya.

    Kwaidan lohnt sich aber auch nachzuholen. Nur die letzte Episode sagte mir nicht so zu. Ganz groß finde ich die dritte Episode mit einer offensichtlichen Verschränkung zwischen Film und Theater, etwas was mir auch ganz besonders bei Suzuki Seijun immer wieder positiv auffällt.

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  6. Plausibel, so :prost: Wenn ich mir "Kasane" und "Yotsuya" in Erinnerung rufe, dann sehe dunkle nebelumwallte Landschaften und Teufelsmoore, fratzenhaft aufleuchtende Gesichter. Aber es ist leider schon sehr lange her... "Jigoku" ist da natürlich viel artifizieller.
    "Kwaidan" steht im Regal und kommt dran bei psychischem Optimalzustand.
    Aber Suzuki und Theater finde ich jetzt aufs erste Nachdenken nicht so plausibel... wegen der flächig-farbigen Hintergründe, die wie Bühnensets anmuten? Dem Ensemblecharakter von Filmen wie "Gate of Flesh"?

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 (original Poster)

Michael Schleeh
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