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Simpan / Judgement (Park Chan-wook, Südkorea 1999)

Vor seinem ersten großen Erfolgsfilm JOINT SECURITY AREA (2000) drehte Park diesen etwa 25minütigen Kurzfilm, in dem eine Frauenleiche in einem Leichenschauhaus von verschiedenen Personen als die eigene Tochter identifiziert wird. Was zunächst wie eine Version des koreanischen Kaukasischen Kreidekreises anmutet, wird recht schnell absurd, skurril und traurig. Denn vor dem Hintergrund von sich häufenden (eingespielten) Naturkatastrophen hat die Regierung beschlossen, Angehörige der Opfer zu entschädigen. Der schnöde Mammon also ist's, hinter dem die ach so trauernde Gemeinde her ist.

Die schwarz/weißen-Bilder schaffen eine beklemmende Atmosphäre dieses Kammerspiels, das durchaus auch (neben des Grotesken) mit leisem Witz aufwartet und vor allem durch immer neue Handlungspunkte überraschende Wendungen einläutet und ordentlich unterhält. So weiß man bis zum Ende nicht genau, woran man ist; und als das Finale über die Trauernden hereinbricht, hat der Film immer nochmal einen Twist in der Tasche. SIMPAN ist ein ziemlich souverän inszenierter Kurzfilm, der dem Zuschauer nicht alles erklärt - das Ausfüllen der Leerstellen ist Teil der Spannung und ein Qualitätsmerkmal. Da aber eine Sympathiefigur fehlt (außer vielleicht der Leiche selbst) bleibt man doch recht distanziert zum Geschehen.

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