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Simpan / Judgement (Park Chan-wook, Südkorea 1999)

Vor seinem ersten großen Erfolgsfilm JOINT SECURITY AREA (2000) drehte Park diesen etwa 25minütigen Kurzfilm, in dem eine Frauenleiche in einem Leichenschauhaus von verschiedenen Personen als die eigene Tochter identifiziert wird. Was zunächst wie eine Version des koreanischen Kaukasischen Kreidekreises anmutet, wird recht schnell absurd, skurril und traurig. Denn vor dem Hintergrund von sich häufenden (eingespielten) Naturkatastrophen hat die Regierung beschlossen, Angehörige der Opfer zu entschädigen. Der schnöde Mammon also ist's, hinter dem die ach so trauernde Gemeinde her ist.

Die schwarz/weißen-Bilder schaffen eine beklemmende Atmosphäre dieses Kammerspiels, das durchaus auch (neben des Grotesken) mit leisem Witz aufwartet und vor allem durch immer neue Handlungspunkte überraschende Wendungen einläutet und ordentlich unterhält. So weiß man bis zum Ende nicht genau, woran man ist; und als das Finale über die Trauernden hereinbricht, hat der Film immer nochmal einen Twist in der Tasche. SIMPAN ist ein ziemlich souverän inszenierter Kurzfilm, der dem Zuschauer nicht alles erklärt - das Ausfüllen der Leerstellen ist Teil der Spannung und ein Qualitätsmerkmal. Da aber eine Sympathiefigur fehlt (außer vielleicht der Leiche selbst) bleibt man doch recht distanziert zum Geschehen.

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Mad World - Hong Kong's entry for the foreign language Oscar (Wong Chun, 2016)

Wong Chun's debut feature film is not really part of the Hong Kong International Film Festival, but one I did see during my stay here at Mongkok's Broadway Circuit outlet as a regular screening on a sunday morning.

It's a quiet and atmospheric film that is quite beautifully shot and extremely well acted by Eric Tsang (kudos!) and Shawn Yue, his son suffering from bipolar disease. It's a film about fatherhood and responsibilities, about getting old in financially difficult times. They both live in a shared flat with three other parties. No one seems to be able to pay rent anymore in Hong Kong. It's really depressing.

Mad World is definitely worth watching, as it has been screened in Busan and in Toronto. It got mixed reviews overall, but I really don't understand why. There are no loose ends, the plot is fragmented with flashbacks to family history, but that always makes sense and adds to the depth of the characters. I really liked it and recommend…

A Pool without Water / Mizu no nai puuru (Kôji Wakamatsu, 1982)

Überdeutlich ein Film der 80er Jahre: körnige Farbflächen, Neonlicht, Großstadt. Melancholische Synthieflächen zu den Gesichtern von Menschen, die sich in sich selbst zurückgezogen haben. Da ist ein Familienvater, der den Alltag nicht mehr erträgt: er arbeitet bei den Verkehrsbetrieben, steht den ganzen Tag am Eingang zur U-Bahn und muss Fahrscheine entwerten. Auf dem Screenshot oben sieht man seine Hand mit dem Locher, den er in rasender Geschwindigkeit und in panischen Rhythmen zusammenklackert, ein Stakkato zur elegischen Hintergrundmusik. Ein sprechendes Bild ist das: äußerlich scheint er völlig ruhig zu sein und abgetaucht in die Monotonie seiner endlos öden Arbeit - dieses Detail aber offenbart, wie sehr er innerlich aufgeladen ist.
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Nippon Connection 2017: Kohei Taniguchis Independent-Wrestling-Komödie DYNAMITE WOLF (Japan, 2017)

Der kleine Hiroto, oben links außen auf dem Bild, steckt in der Krise: er ist zwar erst in der Grundschule, doch kann er sich partout nicht dafür entscheiden, welchen Freizeit-Kurs er an der Schule belegen soll. Es versucht es mit Fußball, das endet aber dramatisch als Desaster. Da gerät er zufällig in ein Wrestling-Match mit dem berühmten Dynamite Wolf und ist wie elektrisiert: das Spektakel, die Inszenierung, das Toben der Leute vor Begeisterung - ja, da schlägt sein Herz höher und zum ersten Mal lächelt er dann im Film. Seinen Eltern und den Mitschülern erzählt er erstmal nichts von seiner neuen Leidenschaft, ist doch seine einzige Möglichkeit zu trainieren die Bekanntschaft mit einem merkwürdig abgerissenen Gesellen am Flußufer (oben rennend), der mit einer umgebauten Dummy-Sexpuppe als Sparringspartner trainiert. Ob das der richtige Umgang für einen Jungen ist, das darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.
 Aber natürlich, so will es das Gesetz des Films: es hätte ihm nichts Be…