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Crows Zero / Kurozu zero (Takashi Miike, Japan 2007)


An der Suzuran Highschool ist die Hölle los. Verschiedene Gangs versuchen unter heftigem Gebrüll und mithilfe von Faustgewalt die Herrschaft an sich zu reißen. Als ein neuer Schüler an die Schule kommt, scheint aber der Kampf um die Vorherrschaft erst so richtig zu entbrennen. Yakuza gibt es natürlich auch noch, die sich in ihrer Ehre beleidigt fühlen, ebenso wie eine kleine Liebelei, derer man aber nicht so richtig beiwohnen darf.

CROWS ZERO ist ein formidabler Actionfilm. Toll gefilmt, gut getimt und s u p e r choreographiert, weiß er vor allem gerade dann zu überzeugen, wenn es Bambule gibt. Ansonsten allerdings ist er ein ziemlicher Schnarcher. Die Handlung ist hauchdünn, das ewige Gekreisch nervt bereits nach wenigen halben Stunden - denn lang ist er auch, klar. Die japanische Jugend scheint auch recht indifferent was coole Musik angeht. Eben wird noch kräftig gepunkt, wenn die Stromgitarrenband im Club in die Saiten haut, direkt danach allerdings wird euphorischst gejohlt, wenn ein R&B-Mädchen die Bühne erklimmt. Hier ist alles egal, Hauptsache, es erweist sich als Spektakel. Man will auch nicht wieder von irgendwoher informiert werden, dass die Sängerin ein Popstar ist, oder dass der Soundtrack auf irgendwelchen Bestenlisten gelandet ist. So ein Mist nervt schon bei Shunji Iwai.
CROWS EPISODE ZERO ist -nein!- nach einem Manga gescriptet, die Gewalt aber hart, realistisch, kaum überzeichnet. Sonst hätte man wohl jede Bodenhaftung verloren. Kann man sich schon ansehen, das will ich nicht bestreiten, an einen kleinen Klassiker wie BLUE SPRING kommt er aber niemals heran. Dazu ist dieser Film in seinem nur behaupteten Assitum viel zu mainstreamig.

Kommentare

  1. Jo, so ähnlich hab ich das auch gesehen. Eine durch und durch oberflächliche und kompromissbehaftete (und das ausgerechnet von Miike!!) Zielgruppenbefriedigung, an die man sich bald kaum noch erinnert. Auch wenn Takashi Miike schon unterirdischere Filme produziert hat, war dieser bisher bei weitem der Langweiligste den ich von ihm gesehen hab.
    Für mich war der Streifen schon nach der ersten überflüssigen Musikeinlage unten durch. Sowas wirkt auf mich immer albern, wie ein unschöner Fremdkörper, zerstört den Rythmus des Filmes und wertet überhaupt fas jeden Film ab, in dem es nicht explizit um Musik geht. Und ja, inhaltlich hätte man den ganzen Stoff auch zu drei oder vier Musikvideos verarbeiten können, die hätten dann vielleicht auch Spaß gemacht.

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  2. Hey, danke für deinen Kommentar!

    Habe im Netz irgendwo gelesen, er sei einer der erfolgreichsten Kinofilme 2007 in Japan gewesen - ob das an der enorm bekannten Mangaserie liegt, sei dahingestellt. Der Fakt bedeutet aber auch, dass der Film ein Konsensfilm sein muß, denn ohne Mainstream-ism kein Box Office-Hit.

    Auch dass ein Nachfolger produziert wurde, läßt - auch für den Film Schlimmes - vermuten, dass hier ein Goldesel gefunden ward.

    Ansonsten stimme ich Dir zu, auch wenn ich CITY OF LOST SOULS und SALARYMAN KINTARO noch langweiliger fand. Aber immerhin habe ich mich nicht die ganze Zeit geärgert.

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  3. Rein kommerziell ausgerichteter Mainstream, hier gehe ich mit dir vollkommen konform.

    Stylisch abgefilmte Kloppereien treffen auf die von dir zurecht kritisierten Musikeinlagen (gruselig) und grottige Amateurdarsteller. Das Manga-Vorbild schimmert durch alle Ecken und Kanten, wen wunderts, dass die banale und gähnend langweilige Lovestory des Films zu den wenigen Dingen gehört, die der Film hinzugedichtet hat.

    Miike wurde ja schon vor längerer Zeit durch den (japanischen) Mainstream korrumpiert und produziert daher zunehmend für das eigene Portmonee, als für die Freunde des abseitigen Films.
    Sukiyaki Western Django, The Great Yokai War, The Call und ähnliche Produktionen sind hierfür deutliche Beispiele. Dieser finanzielle Erfolg sei ihm aber von Herzen gegönnt.

    PS
    Ein wirklich toller Blog, Michael. Jetzt fehlt aber noch eine ausführliche Literaturkritik zu Kawabatas SCHNEELAND. Besonders gefallen hat mir von ihm auch TAUSEND KRANICHE, neben SCHNEELAND mein Lieblings-Kawabata.

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  4. Vielen Dank für die Blumen!
    Da stimme ich Dir zu, vor dem Text zu Kawabatas "Schneeland" habe ich mich bislang gedrückt. Wie ich überhaupt zuwenig Literatur hier im Blog rezensiere. Das wird mit Sicherheit irgendwann nachgeholt - versprochen! :-)
    "Tausend Kraniche" liegt hier auf dem Stapel, direkt neben "Barfuß durch Hiroshima". Gelesen habe ich es noch nicht. Es freut mich aber, dass sich Dein Japaninteresse nicht nur auf Filme beschränkt, sondern auch vor Klassikern nicht zurückschreckt und die ganze japanische Kultur zu umfassen scheint. Es ist ja auch so toll, wenn sich fruchtbare Überschneidungen aufzeigen! Im Moment bin ich allerdings sehr von den Erzählungen Ryunosuke Akutagawas eingenommen, und lese parallel Masuji Ibuses "Black Rain" (-> Imamura), was ich auch sehr empfehlen kann.

    @Miike: Mir hatte sein Ausflug Richtung BIG BANG LOVE, JUVENILE A sehr gut gefallen und habe mir demnach mehr Film in diese Richtung erhofft. Und DEMON POND habe ich z.B. gar nicht gesehen. Die von Dir genannten "Kommerz"-Filme habe ich mir gar nicht angesehen, wobei Leute, auf deren Meinung ich wert lege, den YOKAI WAR empfohlen haben. So gehypte Sachen wie SUKIYAKI DJANGO schaue ich mir, i.d.R. wenn überhaupt, Jahre später erst an.
    Ansonsten freue ich mich, dass ich mich mit meiner Einschätzung von CROWS mit Dir und Groschi in guter Gesellschaft befinde und nicht völlig isoliert dastehe.
    Meine liebsten Miikes sind btw BIRD PEOPLE IN CHINA, AUDITION, DEAD AND ALIVE - FINAL und AGITATOR. Aber das wundert Dich jetzt wahrscheinlich auch nicht.

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  5. Deine Lieblings-Miike verwundern mich wirklich nicht.

    BIRD PEOPLE IN CHINA und AUDITION sind, neben z.B. GRAVEYARD OF HONOR, auch meine Lieblingsfilme von Miike.

    THE GREAT YOKAI WAR, gehört für mich aber deffinitiv nicht zu den besten Miike-Filmen. Ein durch seine miesen Tricks glänzende Kinderfilm, der mich nach zum Teil euphorischen Kritiken nur mit einem Achselzucken zurücklässt. Wie ich finde ein auf den kommerziellen Erfolg gebürstete Nichtigkeit, dessen kindlich alberner Humor mich absolut kalt ließ. Vielleicht bin ich aber auch nur einfach das falsche Zielpuplikum.

    Auf bizarre Art "interessant" fand ich außerdem VISITOR Q, FUDOH und seine Splatterkomödie ICHI, THE KILLER.

    Von der Bildästhetik her faszinierte mich zuletzt noch der leider durch eine miese Dramaturgie gehandicapte LIKE A DRAGON (das hätte bei besserem Drehbuch ein Meisterwerk werden können). Eine besonders herbe Enttäuschung bereitete der von vielen hochgelobte IZO, was für ein unausgegorener Quark der sein zweifellos großes Potential sinnlos vergeudet.

    Was die Literatur betrifft verehre ich ganz besonders Yukio Mishima (UNTER DEM STURMGOTT, DER SEEMANN - DER DIE SEE VERRIET, DER TEMPELBRAND, NACH DEM BANKETT, LIEBESDURST, usw.), aber auch Inoue und Oe, dessen DER STUMME SCHREI zu meinen absoluten japanischen Lieblingsbüchern gehört.

    Ryunosuke Akutagawas Werke kenne ich bisher nur zu einem kleinen Teil (Der faszinierende Erzählband RASHOMON), aber das könnte sich noch ändern.

    Ach ja, und natürlich Murakami, zumindest seine älteren Werke.

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  6. Mishima habe ich nur auszugsweise gelesen, punktuell, erratisch. Und hat mich auf den ersten Blick nicht so sehr angesprochen, was aber nichts bedeutet. Wenn die Zeit kommt, dann isser dran. Danke schonmal für die Tipps.

    Inoue mag ich SEHR. Besonders seine SCHWARZE FLUT hat es mir angetan.
    Edogawa Rampo muß hier auch noch genannt werden, sonst wären wir ungerecht.

    Oes "Reiß die Knospen ab.." ist ein beeindruckendes Werk, das auf meiner imaginären Bestenliste weit vorne platziert ist.

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