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Izakaya yurei / Die Geisterkneipe (Takayoshi Watanabe, Japan 1994)


Sotaro (Kenichi Hagiwara) besitzt ein kleines Lokal in Yokohama. Am Sterbebett seiner Frau verspricht er -die ewige Liebe- nie wieder zu heiraten. Seine Frau nimmt ihn beim Wort, und sagt voraus, als Geist wiederzukehren, sollte er sein Versprechen brechen. Als sein Bruder ihm später ein wunderhübsches Mädchen vorstellt, kann er dann doch nicht widerstehen, und heiratet dieses. Das Glück währt natürlich nur kurz, denn die betrogene Tote kehrt tatsächlich als Geist zurück.

Der Film beginnt wunderbar ernst, mit schönen Bildern und originellen Ideen. Um etwa den Schwur zu besiegeln, zwingt ihn seine kranke Frau dazu, sie in den Zeigefinger zu beißen; was er natürlich sehr gerne tut. Nach ca. 20 min Laufzeit nehmen dann die humorigen Elemente zu, und spätestens mit der Geistererscheinung mit wehenden Haaren, ganz wie in Tsui Harks A CHINESE GHOST STORY, wird der Humor in seinen Pointen auch ausgelassen und wild, manchmal auch ein wenig dämlich. Dennoch wird das immer wieder geerdet durch einen liebevollen Einblick in das Alltagsdrama der kleinen Leute. Nach meinem Dafürhalten fällt die zweite Hälfte also etwas ab, was aber niemanden davon abhalten sollte, sich diesen tatsächlich schönen Film anzusehen.

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