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Es werden Posts vom Februar, 2010 angezeigt.

Brutal River / Khoht phetchakhaat (Anat Youngngoun, Thailand 2005)

Der Fluß ist das Leben, die Fruchtblase, die ewige Wiedergeburt. Positive Konnotationen en masse und doch zugleich die Urgewalt, die alles, nämlich das Leben, zu nehmen vermag. Zumindest wenn darinnen ein Alligator haust. Da wird ganz schnell aus jeder allegorisch-psychologisch verklärten Mythologie der nackte Überlebenskampf.


So auch in diesem südostasiatischen Krokohorror. Zumindest dann irgendwann nach der Hälfte, wenn man schon fast keine Lust mehr auf den Film hat; denn vorher werden wir erstmal auf die Folterbank gespannt mit einem thematisch deplazierten und völlig befremdlichen Liebesmelodram zwischen einer Krankenschwester und einem Polizisten, das auch genausogut in, sagen wir mal, Bangkok Zentrum spielen könnte. Man wird den Eindruck nicht los, der Film weiß nicht was er will, mußte gedehnt und gestreckt werden um Spielfilmlänge zu erreichen. Das soll übrigens nicht heißen, daß er dann besser würde, wenn er sich endlich gefunden hat.
Geht es schließlich rund, wird die Dorf…

Snapshot Shorts Vol. 7

What Time is it There? (Tsai Ming-Liang, Taiwan 2001) -- fantstisch stiller Arthausfilm, der beinah alles Preziose umschifft. Beinah - doch etwas Pathos darf gerne sein, um der Fernenliebe Gestalt zu verleihen. Schön gefilmt und der Film mit dem Aquarium.

Bright Future / Akarui Mirai (Kiyoshi Kurosawa, Japan 2003) -- Aquarium, diesmal samt Qualle. Metaphorik à la Kurosawa. Allegorien im Sekundentakt und aufeiandrprallende Bildwelten. Darunter kriecht der creepige Horror. Auch hier: wunderschöne Bilder in einem kaum verständlichen Film. Da sind wohl mehrere Sichtungen nötig.

Violence at High Noon / Daylight Phantom Killer / Hakuchu no torima (Nagisa Oshima, Japan 1966) -- Oshima macht das wieder sehr geschickt: in der Tarnung eines Serienkiller-Thriller-Plots verbirgt sich eine Studie über zwischenmenschliche Abgründe, eine Analyse von Macht- und Abhängigkeitsverhältnissen in "Liebes-"Beziehungen, und ganz politisch: die Erzählung über das Scheitern einer linken, autark lebend…

She, a Chinese (Xiaolu Guo , UK/Fr/D 2009)

Die junge Mei ist gelangweilt von ihrem Alltag in einem Dorf auf dem Lande. Denn dort gibt es nichts zu tun, als abends zum Billardspielen in die Kneipe zu gehen oder -wenn's mal spannend werden soll- mit dem Macho und Dorfproll auf der Vespa den Hügel hinauf am Industriegebiet die Umgebung angucken. Bißchen rauchen, knutschen, das Ziehen der Sehnsucht spüren, denn das alles hier ist kaum zum Aushalten.
Mei geht ihre eigenen Wege. Spätestens nach der Vergewaltigung, die die Kamera auf Bodenhöhe mit einiger Distanz verfolgt, ist ganz klar, daß an diesem Flecken Erde kein Glück auf sie wartet: Eine Arbeit, die sie nicht will, eine Ehe mit einem Typen, der sich gerade anbietet.
Sie nimmt reißaus in die große Stadt, findet Unterschlupf in einem „Massagesalon“ und schmust mit dem vernarbten Nachbarn herum, der, um ein paar Kröten zu verdienen, sich als Schläger verdingt hat. Hier gelingen dem Film sehr schöne Bilder zwischen Winkelexistenz und Großstadtneon bei Nacht. Meis blauen Perücke…

Same Same But Different (Detlev Buck, D 2010)

Der junge deutsche Backpacker Ben lernt auf seiner Asienreise in einer Disko in Phnom Penh die hübsche Kambodschanerin Sreykeo kennen und verkuckt sich in sie. Dass sie als Prostituierte arbeitet - sie selbst bezeichnet sich als Unternehmerin - und, wie sich später herausstellt, HIV-positiv ist, stellt den jungen Mann vor ungeahnte emotionale Probleme als er bemerkt, dass er sich in sie verliebt hat.

Bucks Film ist ein zweischneidiges Schwert. Zunächst zum Negativen: er steckt voller Klischees. Das fängt bei der Eröffnungsszene an mit dem Stromkabelgewirr am Telegrafenmasten, dem Elefanten, dem Trubel der Stadt, dem Chillen und Partymachen der Touristen, dem Lendenrock des Alten. Der Film ist außerdem völlig konventionell erzählt inklusive einer Rückblicksschleife am emotionalen Höhepunkt des Skype-Gesprächs und einer wenig begeisternden Kameraarbeit: an einer Stelle hat man sogar die Stirn, einen Christopher Doyle-Schuß imitieren zu wollen. Aua.

Das Tolle am Film ist aber, dass er eine…

Halal (Liew Seng Tat, Malaysia 2009)

Mit diesem Kurzfilm wird uns auf extrem alberne und gutgelaunte Weise vorgeführt, wie man nach islamisch korrekter Art (Halal) Tiere schlachtet. In diesem Film am Beispiel eines Huhns. Leider ist der Film allzuschnell vorbei, um auf weitere kulturelle Unterschiede hinzuweisen. Aber das Filmteam ist auch schon angetrunken und mit Partymachen beschäftigt.

Gate of Hell / Jigokumon (Teinosuke Kinugasa, Japan 1953)

Japan währen der Heian-Periode im 12. Jahrhundert: zwei verfeindete Clans bekämpfen sich in Kyoto. Nachdem der loyale Samurai Moritoh ruhmreich gekämpft hatte, erhält er vom Fürsten das Privileg, jeden Wunsch erfüllt zu bekommen. Moritoh bittet um die Heirat mit der schönen Kesa, die jedoch, was Moritoh nicht wußte, bereits mit Wataru verheiratet ist. In Moritoh erwacht ungekannte Wollust und Habgier zugleich, und ihm ist jedes Mittel recht, um die ersehnte Vereinigung herbeizuführen.


Mit einem klassischen Samuraifilm haben wir es hier nicht zu tun, eher mit einem Historienfilm. Das Swordplay hält sich sehr in Grenzen, und wenn Kinugasas Drehbuch ein ordentliches Gemetzel hergäbe, dann springt er einfach zu dessen Ende. Stattdessen: Bilder, Farben, Kostüme. Drama. Wunderbares, saturiertes Technicolor. Die Kimonos sind herausragend. Reduzierte Musik, tolles Framing.


Der Cannes-Gewinner ist also keineswegs ein Action-Flick! Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich diesen visuelle…

Angel in the Toilet (Imaizumi Koichi, Japan 1999)

Ein halbnackter junger Mann mit aufgeschnallten Engelsflügeln befindet sich in einer öffentlichen Toilette, in der er mit den hereinkommenden Männern Verkehr hat. In schnellen, verpixelten Flashbacks erinnert er sich an Szenen seiner Jugend, die von kleinen Berührungen losgetriggert wurden.


Koichi ist mit diesem Experimentalfilm ein sehr schöner 33 minütiger Kurzfilm gelungen: denn Nachzieheffekte, Farbfilter, ein hypnotischer Ambientscore, der sich durch elektronischen Minimalismus auszeichnet, und selbstironisches Kinderspielzeug saugen den Zuschauer an.


Mit der am Ende angebotenen Auflösung des Filmes als Traumsequenz macht sich der Film zunächst selbst kaputt, bevor er sich in einem weiteren Umschwung wieder fangen kann. Der Blick in die Wolken war tatsächlich nur ein Blick in die Wolken. 2002 drehte der Regisseur dann den recht erfolgreichen Film NAUGHTY BOYS. Schönes Gay-Cinema.

Hesus rebolusyonaryo / Hesus the Revolutionary (Lav Diaz, Philippinen 2001)

Manila in einer dystopischen Zukunft: ein Terrorregime unter einem Diktator hat die Macht an sich gerissen und nur noch einige wenige terroristische Widerstandszellen kämpfen für die Freiheit. Als heraus kommt, daß sich unter den Reihen der Revoluzzer ein Maulwurf befindt, wird Hesus befohlen, aus Sicherheitsgründen alle Mitglieder seiner Zelle zu exekutieren.
Fortan befindet er sich auf der Flucht auf der Suche nach seiner Geliebten, um aus der Hölle zu entkommen - und mehr als einmal muß er sich den Weg frei schießen.



Der für Diazsche Verhältnisse kurz geratene Film von 140 Minuten ist in körniger Digitalkameraoptik geschossen und die nicht immer gerade ausgefallene Bildgestaltung läßt einen des öfteren an TV-Film denken. Das außerdem ziemlich dialoglastige Actiondrama kann in ebendiesen Dialogen nicht überzeugen. Allzu deutlich werden hier Positionen ausgeführt, wird Meinung gemacht und Didaktik transportiert. Jedoch: nie von Hesus selbst, auf diesen wird immer nur eingeredet.



Der Pr…

Fine, Totally Fine / Zenzen Daijobu (Yosuke Fujita, Japan 2008)

Yosuke Fujitas Erstlingswerk ist ein klein wenig ein besonderer Film: anstatt auf Klamotte zu machen und auf die schnellen Kicks für die Mitzwanziger-Generation zu setzen, kreiert er einen langsamen, beinah meditativen Film über Berufsjugendliche an der Schwelle zum sogenannten "Erwachsenwerden" Anfang 30. Der Regisseur, von Haus aus Theaterregisseur, setzt dabei auf kontemplative Ruhe, lange Einstellungen und unterschwelligen Humor, der durch die statischen Kamerapositionen eine gewisse Sprengkraft Richtung Losprusten entfaltet.


Doch worum geht's: drei Freunde finden eher schlecht als recht den Einstieg ins Berufsleben; Hisanobu arbeitet als stellvertretender Stationsleiter (oder sowas ähnliches) in einem Krankenhaus, der andere dreht einen Horrorfilm mit seinen beiden Freunden als Darsteller, die ihre echten Streitereien in den Film hineintragen; der Hauptdarsteller des Films, Teruo, Yoshiyoshi Arakawa, wohnt noch zuhause über dem Second Hand-Buchladen seiner Eltern …

The Killer / Dip huet seung hung (John Woo, HK 1989)

Der Killer als Melancholiker im Neonlicht. Michael Mann hat sich für seinen MIAMI VICE ordentlich bei diesem Film bedient - und das nicht nur beim Schnellbootrasen. Meisterwerksnachlese hier.





Shin zatô Ichi: Yabure! Tôjin-ken (Kimiyoshi Yasuda, Japan 1971)

Der blinde Masseur mit dem schnellen Samuraischwert ist eine japanische Institution. In diesem Teil der Reihe trifft Shintaro Katsu auf den chinesischen Superstar Wang Yu, der hier den ONE ARMED SWORDSMAN gibt und aufgrund von Mißverständnissen und offensichtlicher Sprachbarriere zum Feind mutiert. Im Todeskampf gleichwohl, wer hätte es gedacht,... erfolgt die Einsicht, doch nun ist es: wie immer zu spät.



Dass der Film überhaupt zu einem Ende findet ist so mancher Unlogik geschuldet, jedoch es soll mir reichlich egal sein. Immer wieder liest man Kommentare derart, es gäbe keinen einzigen schlechten Zatoichi-Film. Nun, das mag sein. Doch dieser hier ist äußerst mittelmäßig und nur mit goodwill zu ertragen. Ich kann mich dem Hype jedenfalls nicht anschließen.



Kihachi Okamotos ZATOICHI VS YOJIMBO, in dem Katsu auf den großen Toshiro Mifune trifft, ist nicht nur eleganter inszeniert, von feinerem Humor, sondern unterläuft auch die Zuschauererwartungen mehrfach, was diesen zum deutlich b…

Mother Joan of the Angels / Matka Joanna od Aniolow (Jerzy Kawalerowicz, Polen 1961)

Eine Abtei im Nirgendwo, an einem ortlosen Ort. Über die Felder ein alter Vierkanthof. Dorthin reist der Jesuitenpater Jozef Suryn, um die vom Teufel besessenen Nonnen des Klosters zu exozieren. Diese verhalten sich auf gänzlich ungebührliche Weise: sie tanzen, lachen, essen Fleisch und scheinen auch erotischen körperlichen Gelüsten nachuzugeben. Suryn kommt an die Grenzen seiner Belastbarkeit und an die seiner Existenz. Um die Dämonen von Johanna abzuziehen verfällt er auf den Gedanken, selbst zum Hort des Bösen zu werden. Als er das Böse an sich zu binden sucht, muss er eine Übeltat begehen und erinnert sich des Beiles im Stall des Gasthofs...



Kawalerowicz' Film ist ein Meisterwerk. Nicht nur ist es visuell atemberaubend und formal beeindruckend, sondern auch äußerst furchteinflößend. Und das mit ganz geringen Mitteln. Ohne großes Budget und gänzlich ohne Special Effects wird hier eine dermaßen klaustrophobische und bedrohliche Atmosphäre aufgebaut, die ihresgleichen sucht.



Die R…

The Old Crocodile / Toshi wo totta wani (Koji Yamamura, Japan 2005)

Der 1964 in Nagoya geborene, unabhängig produzierende Animationsregisseur Yamamura überzeugt hier mit einer Geschichte über ein uraltes, träges Krokodil, dass von seiner Sippe verstoßen wird, weil er seine Schwiegertochter aufgefressen hat.



Als er ein Octopusfräulein kennenlernt, die sich in ihn verliebt, hat er jedoch plötzlich jemanden, der sich um ihn kümmert. Sie füttert ihn nicht nur mit Fischen, sondern führt ihn auch noch aus Ägypten hinaus ins Rote Meer, wo sich sein Rheumathismus schlagartig bessert.

Jedoch: das Krokodil kann sich nicht zurückhalten, und verspeist jede Nacht ein weiteres Tentakel seiner Freundin, da diese so wohlschmeckend sind - glücklicherweise kann sie nicht gut zählen, und bemekrt den Verlust nicht. Doch eines Tages ist nur noch ein einziges Tentakel übrig und das Krokodil schon ganz verbrannt vor lauter Sonne und rotem Meer...



Interessanterweise steuert die Geschichte auf ein moralisches Ende zu, wie sich unschwer erkennen läßt, doch liegt die Überrasch…

Rescue Dawn (Werner Herzog, USA 2006)

Little Dieter wants to fly... sooo badly, dass er sogar dazu bereit ist, ein paar Napalmbomben für seinen Traum abzuwerfen: irgendwo fern der Heimat, in einen Dschungel hinein, auf einen "anonymen" Versorgungsweg irgendwelcher Vietcong.
Jedoch, die Mission geht schief, er wird beim ersten Einsatz abgeschossen und crasht fulminant in eine Reisfeldidylle hinein. Sattes Grün, Wälder, Schluchten: AGUIRRE-Flash. Die Vietnamesen - oder besser Laoten (wir sind in Laos) - sind darob nicht amüsiert, und als er sich weigert ein Papier zu unterzeichnen, dass dieses Land, das ihm diesen Traumflug ermöglicht hat, diskeditieren würde, kommt er irgendwo in einen Dschungel hinein, in ein kleines Camp voll halbirr gewordener Kriegsgefangener und durchdrehender Wärter mit Spitznamen wie "Little Hitler". Der Rest des Filmes ist Flucht.

Man muss schon sagen, dass Christian Bale den Dieter Dengler in seiner emotional ehrlichen Naivität äußerst überzeugend gibt, doch wenn er noch ein einz…