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Equinox Flower / Higanbana (Yasujiro Ozu, Japan 1958)


Der erste Farbfilm Ozus führt in den aus seiner Werksgeschichte bereits bekannten, und mehrfach unter verschiedenen Aspekten ausgeleuchteten Themenkosmos der Traditionsproblematik im Generationenkonflikt: Probleme, die sich in diesem Film anläßlich einer Eheschließung als handfeste Konflikte manifestieren. In EQUINOX FLOWER geschieht einem vermögenden Geschäftsmann ein Unding: gerade der sonst als besonders umsichtig bekannten Ratgeber in Ehedingen Wataru Hirayama (Shin Saburi), der fortschrittlich gelassene Positionen vertritt, etwa die Töchter nicht zu einer arrangierten Heirat zu drängen, sieht sich vor dasselbe Problem gestellt: die eigene Tochter Setsuko (Ineko Arima) wünscht eine Liebesheirat mit ihrem Freund; jedoch hatte ihr stets der Mut gefehlt, diesen dem nichtsdestotrotz traditionsbewußten Vater vorzustellen. Das Vorhaben trifft Wataru nun verständlicherweise völlig unvorbereitet, und er missbiligt die Heirat, lehnt sogar ab, auf der Feier zu erscheinen. Erst die Vermittlungsversuche anderer Ratgeber bewirken am Ende, dass die Diskrepanzen beigelegt werden, und man in eine gemeinsame Zukunft als Familie gehen kann.

Ozu nimmt sich des Problems durchaus mit Humor an, mit einem leisen versteht sich. Nicht zuletzt der Vater, für den bei der eigenen Tochter andere Maßstäbe gelten, als für alle anderen Heiratswilligen, entlarvt sich selbst (eingefädelt durch einen „turiku“, einen „Trick“ einer Freundin der Braut, die seinen Ratschlag in einem Falle sucht, der große Ähnlichkeiten mit seinem eigenen hat). Dass es dabei nicht um einen kleinen, persönlichen Konflikt geht, sondern um größere, gesellschaftskritische Horizonte, kann man an vielen Details festmachen. Erwähnt sei etwa die väterliche Autorität, sprich: das Patriarchat. Es manifestiert sich hier im Film vor allem auch in den kleinen Handlungen, die wie selbstverständlich ausgeführt und von allen akzeptiert werden, und die uns heutzutage merkwürdig erscheinen (freilich haben sich heutige Erscheinungsformen des Phänomens nur andere deckmäntelnde Materialisierungformen übergelegt). Etwa wenn das Familienobehaupt nach Hause kommt, seine Frau bei der Begrüßung kaum anschaut (die aber herangeeilt ist), die Bürotasche im Flur stehen lässt (welche sie ihm nachträgt), er das Sakko zerknüllt auf den Boden fallen lässt (während sie ihm den Hauskimono bringt) und das sie anschließend wieder aufhängen darf – was aber alles mit völliger Selbstverständlichkeit geschieht, ganz ohne Aggression oder dahinterstehendem Machtimpuls. Die Dinge sind eben so. Die schlauen Augen der Gattin, ihr verschmitztes Lächeln aber bricht diese Strukturen durchaus auf – sie scheint sich dieser Funktionsverhältnisse durchaus bewusst zu sein, nach der eine Ehe reibungslos ablaufen kann, und zugleich einen Gedanken auszuhecken, wie sie, ohne es offen anzusprechen, dennoch das bekommt, was sie möchte. Für ihren Plan ist es wichtig, dass der Hausherr sein Gesicht wahren kann; während er ihr also gestattet, was sowieso schon abgemachte Sache ist.

Ozu Sache sind aber keine Einseitigkeiten. Es ist nun nicht so, dass Wataru seiner Tochter einen Gatten vorgeschrieben hätte – er habe lediglich in die Entscheidungsfindung einbezogen werden wollen. Hierin sieht er mangelnden Respekt vor der Elterngeneration und generell vor ihm als Familienoberhaupt. Setsuko ist jedoch zu keinem Dialog bereit, ein Problem, das nur durch andere Mittler bereinigt werden kann. Es kann also Ozu nicht um ein einfaches Ausspielen der Moderne vs der Tradition gehen, vielmehr zeigt er die zu Bruch gegangenen Kommunikationstrukturen zwischen den Generationen, den Bruch, der sich bereits zwischen ihnen aufgetan hat. Es wird demnach genauso das mangelnde Verständnis der Kinder gegenüber ihren Eltern angeprangert. Es ist dann auch der Vater, der bereit dazu ist, seine Bedenken abzulegen, und die von seiner Tochter ausgestreckte Hand zu ergreifen – auch wenn es ihn Überwindung kostet.

EQUINOX FLOWER erinnert bisweilen an LATE SPRING / BANSHUN, den Ozu 1949 gedreht hatte – ein deutlich ernsterer und zu Tränen rührender Film. In diesem Farbfilm geht alles etwas leichtfüßiger zu. Komödiantische Aspekte tragen zum größeren „Unterhaltungswert“ bei, es gibt auch einige humorvolle Subplots, und all dies erleichtert den Zugang. Am Ende, und das weiß man bei Ozu, wird das Gleichgewicht wieder hergestellt sein. Es ist auch das Bekenntnis zum maßvollen Umgang, das seine Filme so edel und reif erscheinen läßt.

Kommentare

  1. Es wird noch dazu kommen: Eines Tages schaue ich mir einen Ozu an. Wenn dann mal die etwa 400 DVDs abgearbeitet sind, die in den nächsten "Tagen" gesichtet werden wollen. Aber der Mann wird von allen dermassen über den grünen Klee (falls es den in Japan überhaupt gibt) gelobt, dass man wohl nicht um ihn herumkommt.

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  2. Es ist wirklich schön, wie du immer wieder versuchst, etwas Nettes zu sagen, nur um es dann direkt im nächsten Halbsatz wieder zu demontieren. Aber ich nehm's mal so: du bekommst jetzt jeden Geburtstag und jedes Weihnachten anstatt eines Bandes aus Brehms Tierleben eben einen Ozu. Basta!

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