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Shall we Dance? / Dansu o shimashô ka? (Masayuki Suo, Japan 1996)


Shohei Sugiyama (Koji Yakusho) hat zunächst einmal alles erreicht in seinem Leben: Frau, Kind, Haus. Dennoch wird er zunehmend melancholischer und unzufriedener: eine unbekannte Sehnsucht treibt ihn um, er fühlt sich nicht erfüllt, Ansätze einer Depression machen sich bemerkbar. Da sieht er bei der allabendlichen Fahrt nach Hause durch das Fenster des commuter trains plötzlich das hellerleuchtete Fenster einer Tanzschule, und darin eine wunderschöne Frau. Die Sehnsucht bekommt einen Gegenstand...

Schöne und eher ruhig-gemächliche (Erwachsenen-)Komödie, die sich das Thema Alltagsverkrustung und emotionaler Stillstand versus Mut zum Aufbruch stellt. Toll sind die ersten Tanzschritte mit anzusehen, und dann die halbe Drehung! Ja, so würde es auch mir ergehen, nähme ich jetzt an einem Tanzkurs teil. Daß der Film auch zurückhaltend von einer Liebesgeschichte erzählt und dadurch eine erotische Komponente erhält, macht ihn durchaus reizvoller. Allerdings konzentriert sich der Film fast ausschließlich auf seine Hauptfiguren; die Familie, die zuhaus auf ihn wartet (hier die tragische Komponente, denn dort ist eigentlich "alles in Ordnung", sprich: er wird nicht wegen Streitigkeiten o. ä. weggetrieben), erhält etwas wenig Raum.

Insgesamt gewinnt der Film an Bedeutung durch die Kombination von Komödie und Gesellschaftskritik, die lakonisch mittransportiert wird. Daß sich die Erfüllung der erotischen Phantasie in einem gemeinsamen Schlußtanz äußert, und eben da nicht mehr passiert, macht ihn umso gesellschaftskritischer und glaubhafter; die Reglementierung durch Normen sitzt tief, Anfang 40.

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Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Shinjuku Mad (Kôji Wakamatsu, Japan 1970)

Der Film beginnt wie ein jazziges Requiem: zu sowohl swingender wie melancholischer Musik läuft die Kamera (wie der Protagonist) durch die Straßen Shinjukus und überall liegen Leichen oder schwerverletzte Jugendliche herum. Ein Gefühl von Vergeblichkeit und Hoffnungslosigkeitg, von Entsetzen macht sich breit. In einem amerikanischen Film wäre das nun die Ausgangslage, und in einem Rückblick würde man sehen, wie es zu diesem Desaster gekommen ist. Nicht so bei Wakamatsu, der von seinen Zuschauern zu wissen erwarten kann, dass man es hier mit den Aufständen der Studenten zu tun hat, die Mitte und Ende der 60er gegen den Staat und das Militär die Stimme und auch ihre Fäuste erhoben, eine Gemeinschaft der Revolte, mit Splittergruppen der Japanischen Roten Armee, oder sonst einer radikalisierten linken Zelle. Vielleicht waren es aber auch nur Künstler oder Hippies, die hier ihr Leben lassen mussten. Vor diesem politischen Hintergrund spielt sich das persönliche Drama eines Vaters ab,...

Eighteen Years, to the Sea / 十八歳、海へ (Toshiya Fujita, Japan 1979)

 Toshiya Fujita (Regisseur von z.B. den LADY SNOWBLOOD-Filmen oder STRAY CAT ROCK: WILD JUMBO ) liefert hier einen typischen japanischen End-70er-Jahre Genrebeitrag ab, in dem sich "Junge Wilde" in ihrem ganzen übersatten Ennui dermaßen anöden, dass sie auch mal dieses Ding mit dem Doppel-Liebestod ausprobieren wollen. Existenziellere Nöte gibt es kaum, sie sind sogar in ihrer Abschlußklasse ganz vorne auf der Liste. Die Eltern haben alle Geld, aber man kann es sich leisten, es nicht annehmen zu wollen.  Also geht man in Kamakura ins Meer, legt sich mit einer Bikergang an, nimmt Schlaftabletten (aber immer nur eine) und erhängt sich zum Spaß mit einem Seil, das schon ganz verrottet ist und auf jeden Fall reißt.  Ansonsten gibt es viel unbeholfenen Sex, der schnell in Gewalt ausartet, einmal auch in eine (fürs Genre obligatorische) Vergewaltigung, an deren Ende das Opfer den Täter sogar noch bittet, sich zukünftig um die Schwester zu kümmern.  Es ist alles wunderbar a...