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Posts mit dem Label "Yasuzo Masumura" werden angezeigt.

Moju: The Blind Beast (Edogawa Rampo, 1932)

 Diese Erzählung Edogawa Rampos handelt von einem blinden Bildhauer und Masseur, dessen äußerliche Gestalt als häßlich und spinnenfingrig, gleichwohl aber als enorm faszinierend dargestellt wird, und der als Skulpturenkünstler einen abgeschiedenen, riesigen und unterirdischen Raum irgendwo in Tokyos Vororten mit einer obskuren Sammlung aus Gliedmaßen menschlicher Körper ausgestaltet hat. In allen Formen und Größen und Materialien, aber mit Liebe, ja Besessenheit zum Detail und einer großen ästhetischen Finesse. Nun gelingt es ihm, besonders schöne Frauen, die als Kundinnen während seiner legendären Massagen die Hemmungen verlieren, in ebendiesen Raum zu locken, dort gefangen zu halten bis sie gefügig werden, zu mißbrauchen und, wenn er ihnen schließlich überdrüssig wird, sie zu töten, zu zerstückeln, und anschließend zu entsorgen.  Bekannt ist diese grausame Geschichte sexueller Perversion auch durch die Verfilmung von Yasuzo Masumura geworden, der sich allerdin...

A Certain Killer / Aru Koroshiya (Kazuo Mori, Japan 1967)

Der im Zweiten Weltkrieg traumatisierte Protagonist des Films (Raizo Ishikawa) hat im Nachrkiegsjapan beinah alle Perspektive verloren. So tut er das, was er gelernt hat: Töten. Er ist ein Auftragskiller, der sich eine bürgerliche Existenz (ein Lokal) nur zum Schein aufgebaut hat. Seine Spezialität neben der Kochkunst (auch hier sieht man nur, wie er mit dem Messer umgehen kann und Fische filetiert) ist die perfekte Ausführung unauffälliger Auftragsmorde. Immer wieder allerdings kommt ihm die eigene Moral dazwischen, etwa wenn er für die Yakuza tätig sein soll. Er hat sich also ein großes Maß an Freiheit bewahrt: diejenige, "nein" zu sagen. Kazuo Moris Film ist in seiner Hardboiled - Ausrichtung dabei eher am Pulproman und dem amerikanischen Film Noir orientiert, denn ganz generell durchweht den Film eine allen Dingen inhärente Traurigkeit und melancholische Grunddisposition, als dass er sich wie die wilden Hunde der Filme Fukasakus, oder wie die grellen Overdrive-Filme S...

Fazit zur Masumura-Filmreihe

Es ist fast ein wenig schade, mit diesem etwas unpersönlichen Film von Masumura Abschied von der Filmreihe zu nehmen. Der zweite HANZO ist natürlich kein schlechter Film, aber eben sicher auch keiner, der von der Autorschaft des Regisseurs zeugt - sofern ich überhaupt in der Lage bin, das zu beurteilen. Die angedeutete Gesellschaftkritik versickert doch stark im Sumpf des Sleazes, und Hanzos Aufrichtigkeit gegenüber Ordnung und Gesetz scheint eher von vornherein der Anlage der Figur inhärent zu sein, weniger aufklärerisches Mittel des moralischen Regisseurs. Auch das immer wiederkehrende Thema der Darstellung des individuellen Leidendrucks seiner Protagonisten und Protagonistinnen unter einem wie auch immer gearteten gesellschaftlichen Repressionsmechanismus, was letztlich zu einem unauflösbaren Konflikt führt, der entweder mit einem Befreiungsschlag der Figur endet ( MANJI - ALL MIXED UP ) oder mit deren Untergang ( BLACK TEST CAR ), steht im zweiten HANZO nicht zur Debatte, wird hö...

Hanzo - Razor 2: The Snare / Goyôkiba: Kamisori Hanzô jigoku zeme (Yasuzo Masumura, Japan 1973)

Hanzos zweite Mission führt den aufrechten Gendarmen wieder tief in den Sumpf von Korruption, Gewalt, Frauenhandel und Obrigkeitsdünkel hinein. Wieder einmal schafft er es durch seine ungewöhnlichen Verhörmethoden, dessen überzeugendstes Mittel sein gew altiger Penis ist, die nötigen Informationen zu beschaffen. Wie schon im ersten Teil geht es nicht gerade moralisch zu: die gefolterten Frauen lassen die Gegenwehr spätestens dann fahren, wenn sie auf kreative Weise von Hanzo (Shintaro Katsu) vergewaltigt werden, denn ihre anfänglichen unbeschreiblichen Qualen des Mißbrauchs schlagen um in eine erregte Begeisterung ob der Techniken und Fähigkeiten des Peniskünstlers. Hanzo prophezeit das immer schon vorher, denn diese Methode hat sich bereits mehrfach in der Vergangenheit bewährt. Nur glauben wollen sie's nicht. Wenn wundert es da bei solcher Art Plotentwicklung, daß sie von diesem Mann nicht mehr lassen wollen. Und Hanzo bricht ihnen das Herz, wenn er sie später zurückweist. Pas...

Blind Beast / Môjû (Yasuzo Masumura, Japan 1969)

Ein blinder Bildhauer (Eiji Funakoshi) ertastet in den Räumen einer Photographieausstellung die Skulptur einer ‚perfekten Frau’, die er im Folgenden selbst als Kunstwerk gestalten möchte. In seinem Nebenberuf als Masseur ertastet er die Gesuchte (Mako Midori) mit seinen feinfühligen Händen, als sie nach einem Photoshooting Entspannung sucht. Er entführt sie mit Hilfe seiner Mutter (Noriko Sengoku) in sein Atlier, ein Fabrikgebäude am Rande der Stadt, wobei er die ehemalige Lagerhalle in ein riesiges Kunstwerk verwandelt hat: in der Mitte liegen zwei riesige Menschenkörper, Mann und Frau, in die Wänden sind Nachbildungen von weiblichen Gliedmaßen, Augen, Ohren und Brüsten eingearbeitet- eine Mischung aus Raumkunstwerk und Geisterbahn. Dort hält er die Schöne gefangen, bis sie einwilligt, Modell zu stehen. Die Gefangene versucht zu entkommen, und als dies mißlingt, beginnt sie zunächst als Täuschungsmanöver eine erotische Beziehung zum Künstler, um so einen Keil zwischen ihn und die ...

Red Angel / Akai Tenshi (Yasuzo Masumura, Japan 1966)

Im Jahre 1939 kommt die Krankenschwester Sakura Nishi (Ayako Wakao) in ein Lazarett an der Front in der Mandschurei. Dort wird sie eines Nachts bei einem Kontrollgang durch die Schlafsäle von mehreren Soldaten vergewaltigt. Als sie die Assistentin des renommierten Arztes Dr. Okabe wird, erlebt sie die Hölle auf Erden. In 48-Stunden-Schichten werden Verwundete behandelt, Schußwunden operiert, Halbtote aufgegeben, und Gliedmaßen amputiert. Das Lazarett mutet an wie ein wogendes Meer aus schreienden, verwundeten Männern, die übereinanderliegend, die Schmerzen nicht mehr aushalten können. Die Darstellung der Operationen ist mehr als deutlich. Der Arzt und die Assistenten sehen aus wie aus einem Schlachthaus über und über mit Blut verschmiert. Die Kugeln, die aus den Körpern geholt werden, häufen sich in Metallschalen, die amputierten Arme und Beine werden in Bottiche und Fässer geworfen. Immer wieder muß der Boden geschrubbt werden, das Blut fließt hinaus und fließt in die Erde. Die Leic...

Irezumi – Spider Tattoo (Yasuzo Masumura, Japan 1966)

Otsuya (Ayako Wakao), die Tochter eines zu Wohlstand gekommenen Kaufmannes, brennt mit dem kleinen Gehilfen Shinsuke (Akio Hasegawa) durch - es ist die große dramatische Liebe. Shinsuke jedoch hat ein äußerst schlechtes Gewissen seinem Herrn gegenüber, denn dieser hatte ihn wie einen eigenen Sohn aufgenommen. Unterschlupf finden sie bei dem zwielichtigen Gonji, der versucht, die Liebenden zu trennen, Shinsuke ermorden zu lassen und anschließend Otsuya an den Bordellbesitzer Tokubei verkauft. Der läßt ihr eine riesige Spinne mit Dämonenkopf auf den Rücken tätowieren, die männerfressende Spinne - denn Otsuya ist eine äußerst attraktive Frau, die Männer scheinen in ihrer Nähe den Verstand zu verlieren. Die literarische Vorlage zum Film stammt von Junichiro Tanizaki, das Skript von Kaneto Shindo (ONIBABA, KURONEKO). Was kann man da anderes erwarten, als herausragendes Kino! Masumura gelingt hier ein atmosphärisch dichter, äußerst kompakt wirkender Film, der Figuren zeigt, die ständig am ...

Manji - Die Liebenden (Yasuzo Masumura, Japan 1964)

Die gelangweilte Hausfrau Sonoko (Ayako Wakao) lernt in der Zeichenklasse einer Kunstschule die schöne Mitsuko (Kyoko Kishida) kennen. Bald darauf lädt sie diese zu sich nach Hause ein und überredet sie dazu, Modell zu stehen. Als sie nur wenige Zentimeter unbedeckter Haut von Mitsuko sieht, ist sie so sehr von ihrer Schönheit fasziniert, daß sie ihr in einem ausufernden Duell zunächst der Worte, dann in einem Ringkampf ihr den letzten Fetzen vom Leib reißt. Geblendet von ihrer Schönheit bringt Mitsuko wiederum Sonoko dazu, sich ebenfalls zu entkleiden, und sie versinken in einer tiefen Umarmung. Aus der Anbetung der Anderen erwächst Liebe, und je mehr die beiden Frauen sich aufeinander einlassen, desto weniger sind sie gewillt, den Konventionen der Gesellschaft, dem engen Korsett der Ehe bzw. des Verlobtseins zu folgen. In einer sich anheizenden Liebeseuphorie steigern sie sich hinein bis in den Todesgedanken. Doch dann kommen die Ehemänner… Masumura hat viel gewagt, mit diesem leic...

Black Test Car / Kuro no tesuto kaa (Yasuzo Masumura, Japan 1962)

Das junge aufstrebende Automobilunternehmen “Tiger” steht kurz davor, den neuen, schnellen und schnittigen Sportwagen „Pioneer“ auf dem japanischen Markt zu platzieren. Die Testphase geht in die letzte Runde. Doch bei einer Hochgeschwindigkeitsfahrt fliegt die mit einem schwarzen Tuch verhüllte Kiste aus der Kurve, zerschellt, explodiert und geht anschließend in Flammen auf. Eine Katastrophe, sollte das bekannt werden. Doch die Spione der Konkurrenz sind nicht tatenlos: mit Mikrophon und Fotoapparat versteckt man sich in den Büschen und Bäumen, um einen Blick auf das neue Modell zu erhaschen. Denn „Yamato“, die bereits etablierte Konkurrenz, will mit ihrem „Mypet“ Sportwagen ein ähnliches Modell auf den Markt lancieren, und sich nicht von ebendiesem verdrängen lassen. Ein erbitterter Wettkampf beginnt… Im vier Jahre zuvor gedrehten GIANTS & TOYS hatte Masumura schon einmal eine Wirtschaftssatire auf die japanische Nachkriegsgesellschaft gedreht; da allerdings in poppigen Farben,...

A Lustful Man / Koshoku ichidai otoko (Yasuzo Masumura, Japan 1961)

Japan im 17. Jahrhundert: Ein Mann, der die Frauen liebt - aber auf besondere Art: er möchte sie glücklich machen. Das bedeutet nicht, daß er sie nicht bei jeder Gelegenheit auf die Tatami werfen möchte! Doch scheut er auch finanziell keine Ausgaben, die Angebetete zu beglücken. Ein Lächeln auf ihrem Gesicht... und er hat seine Mission erfüllt. So bekommt der Casanova relativ schnell Probleme mit dem strengen und enorm geizigen Vater, dessen Geld er nur allzu willig zum Fenster hinauswirft. Ein Reise nach Edo soll den Kopf des Heißsporns kühlen und eine Stelle als einfacher Angestellter in einer Filliale des väterlichen Geschäfts Vernunft in ihn hineinzwingen. Dieser weiß natürlich, was da gespielt wird, und entfleucht auf eine mehrjährige Reise durch die Städte und Provinzen des Landes - ein Taugenichts mit edlem Ansinnen. Denn abgesehen von sexuellen Vergnügungen versteht sich Yonosuke (glänzend burlesk gespielt von Raizo Ichikawa) tatsächlich als Glücksbringer der unglücklichen, ...

Afraid to Die / Karakkaze yarô (Yasuzo Masumura, Japan 1960)

Auch dieser Film beginnt - wie schon bereits KISSES - mit einer Ankunft am Gefängnis; der Wagen fährt langsam die graue Wand entlang, bis er das Tor erreicht. Der Besucher ist diesmal aber nicht der Sohn, sondern ein angeheuerter Killer, der im Auftrag einer Yakuza-Bande Takeo (Yukio Mishima) umlegen soll. Dieser ist aber gerade bei einem Ballspiel und schickt einen befreundeten Insassen an seiner statt. Und kommt so nochmal davon. Später allerdings, als er wieder draußen ist, wird er der Gejagte sein. Das Gejagt-sein ist auch das zentrale Motiv des Filmes - denn Yukio findet keine Ruhe. Dies liegt aber nicht nur an den äußeren Umständen, etwa daß ihm der Gangsterboss Sagara (Jun Negami) einen weiteren Killer auf den Hals hetzt. Es liegt auch an Takeos sprunghaftem Charakter, an seiner Art, sich nicht für etwas entscheiden zu können. Als ihm sein Onkel und Boss Gohei Hirayama (Takashi Shimura (!) mit fantastischem Ganzkörpertattoo) die Pistole auf die Brust setzt, warum er seine Ge...

Giants & Toys / Kyojin to gangu (Yasuzo Masumura, Japan 1958)

Als die Umsätze des Süßigkeitenherstellers “World Caramel” einbrechen und die alljährige Werbeoffensive ansteht, geht es um nichts weniger, als die Konkurrenten „Giant“ und „Apollo“ zu verdrängen. Die Marketingabteilung ist da gefragt, und es wird nach dem ultimativen Konzept gesucht. Ein neues Gesicht muß her, und wenig später auch in der einfachen, aber charmanten Automechanikerin Kyoko (Hitomi Nozoe) gefunden. Ihre Besonderheit: sie hat abstehende, kariöse Zähne. Doch Goda und sein Partner Nishi (Hiroshi Kawagushi) glauben an das ungewöhnliche Konzept, und tatsächlich: eine lancierte Fotostrecke mit Kyoko wird zum Erfolg. Masumuras Film ist eine äußerst mutige und gesellschaftskritische Wirtschaftssatire, und das zu einem Zeitpunkt, als Japans Wirtschaft nach dem Weltkrieg ‚endlich wieder’ florierte. Auch Akira Kurosawa nahm sich des Themas an, allerdings in Form eines Wirtschafts-Thrillers: THE BAD SLEEP WELL, in dem es um korrupte Machenschaften in einer Konzernführungsschicht ...

Kuchizuke / Kisses (Yasuzo Masumura, Japan 1957)

Masumuras Debut markiert ein Wende im japanischen Kino: das Portrait eines jungen Paares, das zunächst noch zusammenfinden muß, zeichnet sich durch einen engagierten s/w-Stil aus, der lange Einstellungen mit harten Schnitten paart, häufig unter Verwendung einer Handkamera und dadurch sehr dicht dran ist am hungrigen Leben zweier junger Menschen, die gegen die repressive Gesellschaft, die soziale Ordnung rebellieren –er, weil er wild ist, und sie, weil sie versucht, selbstbewußt zu sein: sie ist romantisch und arbeitet zugleich als Acktmodell für Kunststudenten und Maler. Nagisa Oshima ließ sich zu der bekannt gewordenen Aussage hinreißen: „[a] powerful, irresistible force has arrived in Japanese cinema.“ Ein Junge und ein Mädchen lernen sich kennen und verbringen einen Tag miteinander: Es geht um den jungen Kinichi (Hiroshi Kawaguchi), der seinen Vater im Gefängnis besucht. Dieser ist ein Politiker und sitzt wegen Wahlbetrugs ein. Der Vater wird nun nicht gerade als emotionales Zent...

FILME VON YASUZO MASUMURA : RETROSPEKTIVE

Das japanische Kino erlebte in den Fünfzigern und Sechzigern seine Blütezeit – mit den weltweit bekannten Regisseuren Akira Kurosawa, Kenji Mizoguchi, Yasujiro Ozu, Kon Ichikawa, Mikio Naruse oder auch Kaneto Shindô, die in diesen 20 Jahren einige ihrer wichtigsten Filme drehten. Die nachfolgende Generation, die häufig bei diesen Herren als Regieassistenten tätig war, sollte den Weg frei machen zu einer neuen Form des Kinos: radikaler in Inhalt und Form, gesellschaftliche Standards hinterfragend und kritisierend, und die sozialen Konventionen torpedierend: die japanische New Wave (Nuberu bagu). Masumura ist nun solch ein Mann der Schnittstelle, hat er doch den Weg bereitet für Leute wie Nagisa Oshima, Hiroshi Teshigahara, Masahiro Shinoda und Shohei Imamura, und später in den Siebzigern eindrücklich zum Exploitation-Kino beigetragen. Masumura jedoch läßt sich schwer klassifizieren, denn sein Oeuvre umfaßt beinah 60 Filme -jährlich drehte er drei bis vier (!)- und er war in vielen Genr...