Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Shohei Imamura" werden angezeigt.

Nishi-Ginza Station (Shohei Imamura, Japan 1958)

NISHI-GINZA EKI-MAE hat es sehr schwer in der internationalen Filmkritik. Vorausgesetzt, er wird überhaupt besprochen. Dieser generell als Nebenwerk abgetane frühe Film sei eine Auftragsproduktion, was natürlich für den (westlichen?) Kritiker schonmal der Grund allen Übels darstellt. Immer dem Geniegedanken anhängend, mindestens aber dem Auteurbegriff folgend (den ich ebenfalls zumeist vertrete), könne der Film ja nichts sein, er sei ein ferngelenktes Industrieprodukt und nicht der Genialität des libre penseurs entsprungen, des Freidenkers . Dabei wird zum einen übersehen, dass beinahe die komplette japanische Filmgeschichte eine Studiofilmgeschichte ist; eine, in der der überwiegende Großteil der Filme in Abhängigkeitsverhältnissen entsteht, da alle Beteiligten am Film Angestellte eben jener Studios sind (wodurch sich auch der enorme Output der japanischen Regisseure erklärt); zum anderen wird ausgeblendet, dass die Vorgaben, die Imamura einzuhalten hatte, lediglich die Einbindung...

Intentions of Murder / Akai satsui (Shohei Imamura, Japan 1964)

Es ist die beinah 2,5 Stunden andauernde, gewaltsame Unterdrückung der Frau, die in diesem Film so gnadenlos zusetzt. Daraus resultiert ein Gefühl der umfassenden Hoffnungslosigkeit, im Ambiente und den Settings eine trübe Atmosphäre der tristen Vergeblichkeit. Was immer diese Frau tut, wird ihr von den Männern aufgezwungen. Da ist es eine befreiende Wohltat, wenn sie ganz am Ende, in den letzten Minuten, wenigstens etwas die Kontrolle zurückgewinnt. Was mich verwundert hat, denn ich hätte nicht mit ihrem Überleben gerechnet. Der Plot ist nichts für weiche Gemüter: eine etwas fülligere, vielleicht auch tumbe Hausfrau (Sadako, gespielt von Masumi Harukawa) lebt mit ihrem Gatten Koichi (Ko Nishimura) ein mühseliges Leben nahe der Bahnschienen in einem einfachen Haus. Dort wird sie eines Nachts, als ihr Mann geschäftlich in Tokyo weilt, von einem Unbekannten zunächst überfallen und ausgeraubt, anschließend vergewaltigt. Katastrophalerweise verliebt sich der Vergewaltiger in sie, sodas...

*** Gast - Review ***

[ Bereits seit einiger Zeit spukt mir immer wieder im Kopf herum, auch andere Leute auf dem Blog zu Wort kommen zu lassen. Umso mehr freut es mich, daß der von mir besonders geschätzte Forenkollege PASHEKO, filmforen-Urgestein und grandhomme der Trashologie, hier den Anfang macht. Über diesen Link gelangt ihr zu seinem Filmtagebuch, das wirklich unzählige Kostbarkeiten enthält. Viel Spaß! ] KANZO SENSEI /Dr. Akagi (Shohei Imamura, Japan/Frankreich 1998) 1945: Der Landarzt Akagi rennt von einem Patienten zum nächsten, nur um doch jedesmal Hepatitis zu diagnostizieren. Das trägt ihm den Spitznamen "Dr. Leber" ein und obwohl die Krankheit zu diesem Zeitpunkt wirklich stark verbreitet ist, scheint der Mediziner auch ziemlich besessen von ihr zu sein. Als er einen geflüchteten holländischen Kriegsgefangenen bei sich versteckt, um dessen Folterwunden zu heilen, bekommt er bald Ärger mit dem Militär... Ein Jahr nach dem fabelhaften Unagi ist Imamura wieder eine wundervolle...

THE BALLAD OF NARAYAMA (Shohei Imamura, Japan 1983)

In einem kleinen Bergdorf gilt die grausame Tradition, daß jeder, der das 70. Lebensjahr erreicht, sich zum Sterben auf den Berg Nara zurückziehen muß. Das sichert unter Anderem das Überleben der Familie, da diese Menschen in erbärmlichster Armut ihr Dasein fristen und sich autark von selbstgeführter Landwirtschaft ernähren müssen. Das bißchen Grünzeug wird der rauhen Natur abgetrotzt, denn es ist kalt dort oben, der erste Schnee fällt früh. Orin (Sumiko Sakamoto) hat ihr siebzigstes Lebensjahr erreicht, nun ist sie an der Reihe. Ihre Familie sperrt sich gegen die Tradition da sie noch bei bester Gesundheit ist, insbesondere der älteste Sohn Tatsuhei (Ken Ogata) kommt mit dem Abschied nicht zurecht. In einer schrecklichen Szene schlägt sie sich selbst die Vorderzähne an einem Mühlstein aus, um zunehmende Gebrechen vorzutäuschen. Denn sie weiß, das beste was sie für ihre Kinder tun kann, ist sterben. Ein spröder Film von Imamura, einmal mehr. Schöne Landschaftsaufnahmen bar jeder Rom...

Schwarzer Regen / Kuroi Ame (Shohei Imamura, Japan 1988)

In der etwa 15minütigen Exposition geschieht alles Dramatische, das die Handlung in Gang bringt: während die Familie einer Teezeremonie beiwohnt, entfaltet sich in der Ferne deutlich sichtbar durch die aufgeschobenen Türen der Pilz der Atombombe über Hiroshima. Yasuko wohnt bei ihren Pflegeeltern, ihrem Onkel und ihrer Tante. Das herannahende Feuer zwingt sie, das Haus zu verlassen und sich durch die Stadt durchzuschlagen. Dabei sehen sie (und auch wir) das „wahre“ Ausmaß des Schreckens: alles ist zerstört, überall liegen verkrümmte verkohlte Leichen herum, ein Mann stürzt sich aus dem Fenster und erschlägt beinah die Familie. Auf dem Boot werden sie vom schwarzen Regen erwischt, der in großen, tintenähnlichen Tropfen herabkommt. Dann: fünf Jahre später. Man lebt auf dem Land, und versucht den Schrecken zu vergessen, einen Alltag zu leben, den es nicht mehr geben kann. Denn die Eltern haben „die Strahlenkrankheit“, und wann sie letztendlich ausbricht, ist nur eine Frage der Zeit. Di...