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Posts mit dem Label "Ryuichi Hiroki" werden angezeigt.

Am Dasein verzweifeln: Ryuichi Hirokis Pinkfilm-Hommage KABUKICHO LOVE HOTEL (Japan, 2014)

 Ryuichi Hiroki lässt in einem Stundenhotel in Tokyo eine ganze Menge junger Leute aufeinander treffen, die alle mit ihren beschädigten Biographien zurecht kommen müssen. Ein Pärchen (oben auf dem Poster), er der Manager des Etablissements, sie eine aufstrebende Sängerin (Atsuko Maeda von AKB48) verkrachen sich dann ziemlich, als sie mit einem Produzenten ins Bett steigt um einen Plattenvertrag zu bekommen. Während zeitgleich herauskommt, dass er sie seit Jahren angelogen hat, was seine eigene Arbeitsstelle in diesem Stundenhotel anbelangt. Beide stammen ursprünglich aus Sendai und sind Flüchtlinge der Tsunami- und Atomkatastrophe von Fukushima. In Tokyo versuchen sie neu anzufangen. Und stehen doch mit einem Bein am Abgrund.  Hiroki, der übrigens selbst aus Sendai stammt, hatte schon immer einen Hang zu Außenseitern, Ausgestoßenen und stillen Eigenbrötlern. Zumindest, wenn es sich nicht um seine ultrakommerziellen Filme handelt. Dieser hier, der auch eine ernüchternde...

Kimi's Friend aka Your Friends / Kimi no tomodachi (Ryuichi Hiroki, Japan 2008)

Ryuichi Hiroki dreht dieses Alltagsdrama in ganz nüchternen Bildern, wie geradezu absichtlich ohne künstlerischen Anspruch. Da werden keine besonders schönen Darstellungen gesucht, oder gar bedeutungsvolle. Es ist subtiler: etwa wenn sich der Protagonist Nakahara (Seiji Fukushi) zum ersten Mal mit Emi (Anna Ishibashi) unterhält, die draußen vor der Schule die Fußbälle der Kinder einsammelt, dann ist das eine ganz zurückhaltende, tastende Annäherung. Die Kamera ist ein ganzes Stück weit weg, und nähert sich ganz langsam - man bemerkt es erst gar nicht -, den Figuren an. Aber nicht in einer geraden Linie, in direkter Weise auf die Szene zu, sondern seitwärts ausholend, ebenso zurückhaltend und vorsichtig tastend, wie sich die beiden Figuren kennenlernen. Man erkennt die Mienen der Gesichter nicht, man hört nur ihre Stimmen. Spätes Nachmittagslicht, das über den Sportplatz scheint, und im Hintergrund Berge und ein leuchtender Himmel. Aber Emi weiß nicht, was Nakahara von ihr will - u...

River (Ryuichi Hiroki, Japan 2011)

In seinem Film River von 2011 begibt sich der Regisseur quasi-dokumentarisch auf die Fährte seiner Protagonistin Hikari (Misako Renbutsu, auch in Yoshihiro Nakamuras Snow White Murder Case (2014)) durch das tokioter Stadtviertel Akihabara, filmt sie beim Umherwandern zwischen den Elektronikstores und beim Flanieren in den Seitengassen, wo es schnell mal etwas seedier zugeht, wo Kleinmädchenschlepperinnen junge Herren in Bars hineinlocken um ihnen dort zu Diensten zu sein. Die Heldin des Films ist eine Anti-Heldin, sie trauert um ihren ermordeten Freund Kenji, auf dessen Spuren sie sich begeben hat. Sie möchte seine Umgebung, dort wo er, ein Elektronik-Nerd, sich bevorzugt aufgehalten hat, mit eigenen Augen sehen, sehen, was er gesehen hat. Der Junge ist schon seit drei Jahren tot. Und dies ein authentischer Fall, als ein 25-Jähriger 2008 mit einem Lastwagen in Akihabara in eine Gruppe Menschen hineingefahren war und anschließend mit einem Messer etwa nochmals zehn Personen erst...

L'Amant (Ryuichi Hiroki, Japan 2004)

Das stark eingefärbte, koreanische Plakat täuscht etwas darüber hinweg, wie sehr dieser Film entfärbt ist. Ja, geradezu trist anmutet in seinen Grau-Brauntönen, gleich so, als wäre hier immer Herbst und Winter ohne Sonne, Schnee, Eis und alle helleren Flächen, die einem in die Augen blitzen könnten. Die Geschichte, die hier erzäht wird, mag auf den ersten Blick ebenso trist erscheinen. Ist sie aber nicht. Es ist ein Film von Ryuichi Hiroki. Und Hiroki mag seine Frauen, auch wenn sie häufig in sich selbst zurückgezogene Zweiflerinnen sind, und bisweilen einen Hang zur Selbstzerstörung haben. Was auf den ersten Blick wie eine erotische Amour-Fou-Erzählung anmuten mag, die man etwa im Pink-Film, aber auch bei den eher strukturfokussierten Schachbrettfilmen der Franzosen der Nouvelle Vague wie Marguerite Duras oder Alain Robbe-Grillet finden könnte, ist bei Hiroki ein Thema, das in eine ganz eigene Richtung geht. Der eigentliche Erotik-Content, der auf den Bildschirm fließt, ist da...

New Type: Tada ai no tame ni (Ryuichi Hiroki, Japan 2008)

Eine junge Frau mit Augenklappe, die einen eintönigen Alltag in einem kleinen Nest an der Küste Japans herumzubringen hat, wird eines Abends von einem fremden Mann mit schwarzem Mantel und Hut im eigenen Haus überfallen. Doch der Mann sucht lediglich Schutz, ist am Bein verwundet. Sie kümmert sich dann um den Verletzten, und bald stellt sich heraus, dass der Mann ein recht attraktiver Zeitgenosse ist und dazu noch über eine Superkraft verfügt: er kann Energie abschießen und Dinge zum Explodieren bringen. Da zeigt sich, dass die Protagonistin ebenfalls über eine solche geheime Kraft verfügt: sie kann die Zeit zurückdrehen und den Ereignissen eine andere Richtung geben. Dies hat sie bereits einmal getan um den geliebten Freund nach einem tödlichen Unfall zu retten. Nun aber hat sie ihn getroffen, der zu ihrer Augenbinde komplementär eine ebensolche an seinem Bein trägt. Doch dieser unbekannte Mann wird von merkwürdigen Gangstern verfolgt... Was sich irre anhört, entfaltet sich ...

Last Words / Koi suru nichiyobi watashi. Koishita (Ryuichi Hiroki, Japan 2007)

Ein Film voller wunderbarer Szenen. Kurz vor der Hälfte hatte ich die erste Sichtung (vor Überwältigung) abbrechen müssen, um ihn mir ein paar Tage später nochmals von vorne anzusehen. Dazwischen hatte er mich die ganze Zeit begleitet. Dabei ist der Plot eher melodramatisch, eher ein wenig zuviel, als dem Film gut tut. Ein junge Frau aus Tokyo (Mari Horikita) kehrt in ihren Heimatort am Meer zurück, da sie sich von ihm verabschieden möchte. Sie hat eine Krebsdiagnose bekommen, ihr bleiben noch drei Monate zu leben. Zuhause angekommen, trifft sie auf einen Jugendfreund (Shunsuke Kubozuka), der sie für ein paar Tage gerne bei sich aufnimmt. Dass die beiden noch unausgesprochene Baustellen aus der Vergangenheit haben, ist offensichtlich - doch der Umgang miteinander ist sehr freundlich und zurückhaltend (zunächst). Da begleitet Nagisa einmal Satoshi auf seiner Rundtour mit dem Altmüllwagen (er schlägt sich als Trödler durch), auf der sie entdeckt, dass er ein Verhältnis mit einer ver...

M (Ryuichi Hiroki, Japan 2006)

Verschüchteter Blümchensex ist nicht gerade etwas, was Ryuichi Hiroki zu interessieren scheint. Vielmehr sind es die psychischen Abgründe der Menschen, die sich in in seinen Filmen Bahn brechen - und diese vorwiegend als sexuelle Obsession. Auch in "M" ist das wieder so. Die zurückhaltende Protagonistin fristet ihr Dasein als Hausfrau in rechtwinklig aseptischem Ambiente. Der Gatte rennt jeden Tag ins Büro und kehrt spätabends erschöpft nach Hause zurück. Ein Bier bitte und das Essen darf sie ihm bringen, das war es dann. Der Sohn geht nun auch schon zur Schule, da weiß sie oft nichts mit sich anzufangen. Über das Internet und das Mobiltelephon versüßt sie sich allerdings den Alltag - über eine Datingseite hat sie Kontakt zu fremden Männern und bekommt dort die Bestätigung, die ihr sonst fehlt. Wie sich dann herausstellt, trifft sie sich mit diesen Männern, und für 50.000 Yen schlüpft sie für wenige Stunden in die Rolle einer Prostituierten. Ein wenig Abenteuer, ein wen...

I Am an S&M Writer / Futei no Kisetsu (Ryuichi Hiroki, Japan 2000)

Ren Osugi spielt hier einen Schriftsteller in der Krise: der Schmuddelautor Kurosaki leidet unter permanenter Einfallslosigkeit. Um Abhilfe zu schaffen, lässt er seinen Gehilfen Kawada (Jun Murakami) mit verschiedenen jungen Mädchen die Szenen nachstellen, die er sich für seinen nächsten Roman ausgedacht hat. In der allgemeinen Aufregung fangen nicht nur die Körpersäfte an zu fließen, nein, auch der Füller flegt wieder wie von selbst über das Papier. Und Kurosaki muss einfach nur das Gestöhne mitschreiben, das seine Vorstellungskraft in Schwung bringt. Denn Anschauungsmaterial hat er ja genug, wie er da etwa auf dem Rücken liegend über die nackte Frau schreibt, die Dank der Bondage-Technik gut verschnürt an der Decke der Schreibstube hängt. Natürlich fällt da auch für ihn mal ein kleiner Leckerbissen ab - was die Nerven beruhigt, scheint er doch nicht nur kreativerseits, sondern auch körperlich nachzulassen und gen Impotenz zu driften. Überhaupt nicht begeistert von diesem ganzen ...

Tokyo Trash Baby / Tokyo gomi onna (Ryuichi Hiroki, Japan 2000)

Dear Yoshinori,  I saw a flyer advertising your gig on the 15th. I belive it was fate. Every night, these past few weeks, you've appeared in my dreams. In every dream you play your guitar. I believe that we never should have broken up. I need to see you. I will be waiting for you before your show at the entrance of the club. I believe you'll be there.  Love, Sayaka Und dann zerreißt Miyuki (Mami Nakamura) den Brief. Yoshinori (Kazuma Suzuki), der über ihr wohnt, spielt in einer wenig erfolgreichen Rockband und schleppt ein Mädchen nach dem anderen ab. Miyuki, die sich nach ihm verzehrt, aber zugleich nicht getraut ihn anzusprechen, durchwühlt jede Nacht seine Mülltüten  und bewahrt alles auf, was ihn ihr näher bringt. Alte Klamotten, Zeitungsausrisse, gerauchte Zigarettenkippen kommen in ein Einmachglas. Oder eben Briefe, wie den obigen. Aus dem Abfall forscht sie dem Leben des Geliebten nach, konstruiert sich eine quasireale Persona, träumt sich in ein Zusammen...

Vibrator / Vaibureta (Ryuichi Hiroki, Japan 2003)

Die hübsche Rei versorgt sich eines Nachts mit Alkohol in einem Supermarkt - dort sieht sie Okabe, den jungen Mann mit Gummistiefeln und den blondierten Haaren. Sie kann den Blick nicht mehr von ihm lassen, und folgt ihm, einem plötzlichen Instinkt folgend, auf den Parkplatz hinaus, bis zu seinen Lastwagen und dann weit weg auf einem mehrtägigen Trip von Tokyo nach Niigata an der westlichen Nordseite Honshus. Pinku-Eiga - Experte Hiroki legt hier zwei Filme nach dem bahnbrechenden TOKYO TRASH BABY (2000) ein gesellschaftskritisches Drama zur Lage der japanischen Jugend vor. Nachdem die vaterlose Generation durch die schwerstarbeitenden Familienoberhäupter in ein sinnentleerte Existenz gestoßen wurden, schlagen sie sich orientierungslos durch das Leben: als Freelance-Journalistin und als anstellungsloser Lastwagenfahrer. Zwei freeita-Jobber ohne gesicherte Existenz, stellvertretend für Japans lost generation . Daß Hiroki die Suchenden auf ein Roadmovie schickt - in den Zustand des...