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Posts mit dem Label "Takashi Miike" werden angezeigt.

Samurai *Gerupftes Huhn*: Takashi Miikes Manga-Adaption BLADE OF THE IMMORTAL (Japan, 2017)

 Der Film beginnt mit Verve und einer Eleganz wie ein Film vom Säulenheiligen Kihachi Okamato: hartkontrastige Bilder in schwarz-weiß fügen sich zu einer Oper des stählernen Totschlags. Diese Schwerter sind so scharf wie keine anderen zuvor - die Leichen drapiert wie in einer Choreographie von Akira Kurosawa. So ist der Samurai, der zum Ronin geworden ist, auch ein Bodyguard for hire ein Yojimbo . Diese Anspielung ist sicherlich bewusst gewählt. Und so klassisch dieser Film beginnt, so modern geht es weiter. Wie in einem New Wave - Film entblättert sich der Plot erst nach und nach, wenig wird erklärt. Übersicht stellt sich erst mit der Zeit ein. Dann die Farbenexplosion und die Manga-Adaption, die sich vor allem in den exotischen Waffen und der exaltierten Figurenzeichnung offenbart. Das ist ziemlich toll, wie das alles hier zusammengeführt wird.  Manji-san ist der zerzauste, unsterbliche Wurm-Samurai (Takuya Kimura), der wie ein zerrupftes Huhn durch dies...

Nippon Connection 2014: Lesson of the Evil / Aku no kyôten (Takashi Miike, Japan 2012)

Takashi Miike hat einen dunklen, sehr dunklen Film gemacht: tiefe Blautöne, die seine Bilder einhüllen, in Kälte, Einsamkeit, Verschlossenheit. Das Menschliche ist ihnen ziemlich ausgetrieben. Beinahe so stilisiert wie der umjubelte CONFESSIONS befinden wir uns auch hier an einer Schule, in der in diesem Film jedoch ein Serienmörder umgeht. Und der Zuschauer weiß schon früh Bescheid: es ist der gutaussehende, sympathische Lehrer Hasumi (Hideaki Ito), der Dank eines Kindheitstraumas nun so einige psychologische Defekte mitbringt. Auch er tötet zunächst seine Mutter (wie der Killer in Werner Herzogs My Son My Son, What Have Ye Done? - allerdings ein über weite Strecken tagheller Film), nun Hasumi aber, der Hand an seine Schüler legt. Im wörtlichen Sinne. Zuerst diejenigen, die ihm (und anderen) irgendwie quer kommen ("bullying"), dann aber auch Mädchen, mit denen er Sex hat, und so einige mehr. Eine merkwürdige, tranceartige Szene spielt den Compagnon namens Clay ein, ein...

Shangri-La / Japan goes Bankrupt! aka Village of the Financially Damned (Takashi Miike, Japan 2002)

Mittlerweile dürfte selbst den größten Miike-Verächtern aufgegangen sein, dass dieser herausragende Regisseur ein dermaßen komplexes und breitgefächertes Oeuvre vorzuweisen hat, dass eine strikte Ablehnungshaltung eher auf die eigene Beschränkheit verweist, als auf eine originelle Positionierung innerhalb des Diskurses. Wie unterschiedlich sein Werk tatsächlich ist, macht auch wieder diese kleine, völlig übersehene Perle von 2002 klar, eine liebenswerte Offbeat-Komödie, die die Magie hat, Lächeln auf Gesichter zu zaubern. Nachdem ein kleiner Drucker seine Firma schließen muss, da sein Hauptkunde, ein Konzern mit fiesem Vorsitzenden, Bankrott gegangen ist und die Rechnungen nicht bezahlt, entschließt sich eben jener kleine Geschäftsmann dazu - auch aus Schande vor seiner Familie und seinen Angestellten -, seinem Leben ein Ende zu setzen. Auf einem Deich über dem Fluß leitet er die Autoabgase ins Innere des Wagens. Doch da rennen einige Menschen auf ihn zu, die seine Hilfe benötigen: ...

13 Assassins / Jusan-nin no shikaku (Takashi Miike, Japan 2010)

Japan im Jahre 1844: Fürst Naritsugu (Goro Inagaki), der jüngere Halb-Bruder des Shoguns, blamiert diesen zusehends mit seinen sadistischen Eskapaden. Nicht nur führt er ein Leben der ungehemmt sexuellen Freizügigkeiten, das ihn auch nicht vor Vergewaltigungen zurückschrecken lässt, nein, aus einer Laune heraus ermordet er die Bedienstetenfamilie eines Gastgebers mit Pfeil und Bogen. Als er eines Nachts in einem Gasthaus die Gattin eines jungen Mannes vergewaltigt (und sie sich anschließend das Leben nimmt), dann den Ehemann abschlachtet, kann man nicht länger tatenlos zusehen - der Mann war der Sohn eines angesehenen Samurai. Ein verdeckter Auftrag des Shoguns geht nun an den Samurai Shinzaemon Shimada (Koji Yakusho), der eine Assassinentruppe zusammenstellen soll, um den unmöglich gewordenen Naritsugu zu töten. 13 ASSASSINS ist ein beeindruckender Samurai-Film geworden. Nicht zuletzt die 45minütige Battle-Szene am Ende (die also eigentlich die komplette zweite Filmhälfte einnimmt...

The Third Yakuza / Shin daisan no gokudo I + II (Takashi Miike, Japan 1996)

Da der Clan des Yakuza Reijiro Masaki (Kiyoshi Nakajo) aufgelöst wird, findet er beim bislang verfeindeten Todo-Clan Unterschlupf. Da er früher einmal das Leben des Bosses Retsu Hattori verschont hatte, wird er als dessen rechte Hand, die Nummer 2 des Clans also, an die Spitze der Führung gesetzt. Das führt bei den Mitgliedern natürlich zu massivem Unmut, da sich einige übergangen fühlen. Und schon bald beginnt der Terror und der Kampf um die Nachfolge. Dieser frühe Film von Miike, gedreht für den Videomarkt, kann es weder mit seinen großen, bekannteren Filmen, noch mit den stilprägenden ruppigen Genreerneuern wie den Filmen von Fukasaku oder Suzuki aufnehmen. Dennoch finden sich immer wieder Ansätze, etwa im Bereich der schrägen Komik oder der ruppig-gewalttätigen Verstörung, die von einem Stilwillen des Regisseurs zeugen, der hier leider kaum zur Entfaltung kommt. Allzu behäbig schiebt sich die Handlung voran, werden Klischees und Genrestandards abgehakt (Intrigen, Mord, Rache), a...

Big Bang Love, Juvenile A / 46 okunen no koi (Takashi Miike, Japan 2005)

[Japanese Film Blogathon 2010] In einem ungenannten Gefängnis irgendwo auf dem Planeten Erde, zu einer unbekannten Zeit: zwei junge Männer (Ryuhei Matsuda und Masanobu Ando) werden inhaftiert, die beide einen Mord begangen haben. Sie freunden sich an, Homoerotik liegt in der Luft. Da wird der stark tätowierte Shiro, der gewalttätige der beiden, tot aufgefunden. Zwei Ermittler versuchen den Mörder zu finden... So könnte man in groben Zügen eine der Lesarten der Handlung dieses Films zusammenfassen - und hat ihn doch, reduziert auf Inhaltliches, zugleich überhaupt nicht erfasst. Denn dieser Film verweigert sich nicht nur einer herkömmlichen Narration, die sich an einer Chronologie der Ereignisse entlangzuhangeln gewohnt ist, er verweigert sich über traumhafte, subjektive, und surreale Szenen per se einer Kohärenz und einem normalen Logikverständnis auf fast allen Ebenen. Inhaltlich, wie formal. Man scheint hier hinter den Gefängnismauern eine eigene Welt zu betreten. Hatte Takashi ...

Crows Zero / Kurozu zero (Takashi Miike, Japan 2007)

An der Suzuran Highschool ist die Hölle los. Verschiedene Gangs versuchen unter heftigem Gebrüll und mithilfe von Faustgewalt die Herrschaft an sich zu reißen. Als ein neuer Schüler an die Schule kommt, scheint aber der Kampf um die Vorherrschaft erst so richtig zu entbrennen. Yakuza gibt es natürlich auch noch, die sich in ihrer Ehre beleidigt fühlen, ebenso wie eine kleine Liebelei, derer man aber nicht so richtig beiwohnen darf. CROWS ZERO ist ein formidabler Actionfilm. Toll gefilmt, gut getimt und s u p e r choreographiert, weiß er vor allem gerade dann zu überzeugen, wenn es Bambule gibt. Ansonsten allerdings ist er ein ziemlicher Schnarcher. Die Handlung ist hauchdünn, das ewige Gekreisch nervt bereits nach wenigen halben Stunden - denn lang ist er auch, klar. Die japanische Jugend scheint auch recht indifferent was coole Musik angeht. Eben wird noch kräftig gepunkt, wenn die Stromgitarrenband im Club in die Saiten haut, direkt danach allerdings wird euphorischst gejohlt, wen...

The Guys from Paradise / Tengoku kara kita otoko-tachi (Takashi Miike, Japan / Philippinen 2000)

Der japanische Geschäftsmann Kohei Hayasaka scheint zunächst unschuldig in einer Haftanstalt in Manila einsitzen zu müssen: ihm wird vorgeworfen, Drogen geschmuggelt zu haben. Als Japaner genießt er eine bevorzugte Behandlung und wird z. B. in einen extra für Ausländer abgesonderten, komfortablen Zellentrakt verlegt. Dort lernt er den Gangster Yoshida kennen, der innerhalb des Gefängnisses einen gut durchorganisierten Verbrecherring aufgebaut hat, und der Kohei in sein Team integrieren möchte. Yoshida ist erstmal überfordert von der korrupten Parallelgesellschaft, auf die er sich eingelassen hat, doch lernt er bald die Vorzüge kennen: gegen Geld kann man hier alles bekommen, und Yoshida darf sogar für "Geschäftstermine" das Gefängnis verlassen. Doch dann holt die Vergangenheit nicht nur Kohei, sondern auch Yoshida ein, und der einzige Ausweg scheint die Flucht... GUYS ist ein ziemlich gelungener Film von Miike - schon allein deshalb, da er 1. gut gespielt und 2. sehr orde...

Snapshot Shorts Vol. 6

AGITATOR (Takashi Miike, Japan 2001) ...ist ein zunächst recht unübersichtliches Yakuza-Drama, das aber dann glücklicherweise in der zweiten Hälfte seiner langen Laufzeit ordentlich aufdreht und sehr zu unterhalten weiß. Die vielerorts negativen Kritiken kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Hat mir - möglicherweise im Kontrast zum direkt zuvor gesehenen CLOSED NOTE - sehr gut gefallen. RED CLIFF 1 / Chi bi (John Woo, HK 2008) Fulminantes Historienepos, das sehr gut ausbalanciert ist zwischen schneller und deftiger Action sowie penibler Figurenzeichnung. Die durchaus kitschige Inszenierung passt gut zum Genre, lediglich der enorm opulente Soundtrack regte meinen Unwillen. Aber so ist das wohl bei Bombastkino. BLIND MOUNTAIN / Mang shan (Yang Li, China 2007) Äußerst bedrückender Arthouse-Film über die gewaltsame Entführung zweier junger Frauen in Chinas Norden, wo sie dann an Bauernfamilien verkauft und zur Heirat gezwungen werden. Gerade in der Darstellung der ausw...