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The Dancing Girl of Izu (Heinosuke Gosho, Japan 1933)

Is that what you mean by happiness?
 Soweit ich weiß, ist Heinosuke Goshos Adaption von 1933 die erste der vielen filmischen Annäherungen an Yasunari Kawabatas berühmte Novelle. Hier als Stummfilm realisiert, mit sehr vielen Texttafeln im zweiten Teil, entschied er sich dazu, die eigentliche Handlung, die bei Kawabata doch recht konzise ausfällt, deutlich auszuweiten - durch etliche zusätzliche Figuren und auch durch mehrere neue Erzählstränge.

 Ein riskantes Unterfangen, waren doch die literarischen Adaptionen, genannt bungei eiga, gerade deswegen bei den Filmstudios so beliebt, da die Romane bereits die Zensurstelle durchlaufen hatten und man als Filmgesellschaft sich dadurch ausreichend abgesichert fühlte. Man konnte immer auf den Ursprungstext verweisen - und für dessen Inhalt könne ein Film natürlich nicht verantwortlich sein:
Literary works soon followed, and these literary films were particularly popular during the 1930s since, as adaptations of established, well-known works, th…

The Blocked Vagina / Closed Vagina / 鎖陰 (Masao Adachi, Japan 1963)

Überbelichtete Bilder einer Frauenbiographie reihen sich hier aneinander, die in der Abstraktion und Deutungsoffenheit den Schritt zum Kunst- oder Experimentalfilm wagen. Spätere Eindrücke einer Beerdigung aus dem Krematorium, in dem die Knochen der Verstorbenen mit Stäbchen paarweise in die Urne gehoben werden. Eine letzte sanfte Geste zur Verabschiedung der Toten aus der Welt der Lebenden.
 Anschließend wieder die jungen Wilden zwischen  Sexabenteuer und Revolutionsdrang, wilden Haaren, herumrennend in Unterwäsche und close-ups auf ekstatische Gesichter; dann aber abgleitend in Bilder aus einem Krankenhaus, zu toten Körpern (ANPO-Aufstände in Tokyo?) und klinischen Treppenhausfluchten. Man dreht sich wie in einer endlosen Spirale um sich selbst (die politische Vergeblichkeit der gescheiterten Linken?), unnachgiebig die wie immer stärkere Gesellschaft.
 Das letzte, wunderschöne Bild: das Auge einer Frau, halbgeöffnet, in der Überbelichtung. Man weiß nicht, ob es nach einem Akt des …

Buch-Podcast: Die Deutschen schreien (von Florian Coulmas, 2001)

Der Japanologe und Teilzeit-Tokio-Expat Jan Lukas Kuhn hat mich dazu eingeladen, mit ihm über Florian Coulmas Kulturschock - Buch Die Deutschen schreien zu sprechen. Das Besondere ist, dass es sich hierbei um einen reverse culture-shock handelt. Coulmas lebte 20 Jahre lang als Dozent in Tokio und tritt nun eine Stelle an einer deutschen Universität an - und muss mit der gesamten Familie umziehen. Zurück in die Heimat!, die unbekannt gewordene Heimat. Immer wieder legt er den Finger auf die Wunde, wenn es um deutsche Gepflogenheiten geht, die Ruppigkeit, die Einsilbigkeit, das Pochen auf festen Regeln, die keine Flexibilität erlauben.
Mit Jan Lukas zu sprechen hat großen Spaß gemacht und in den zwei Stunden, in denen wir das Buch leider nur anreißen konnten, kommt viel zur Sprache. Auch das eigene Verhältnis, eigene Erfahrungen zu Japan und Deutschland drängen sich immer wieder auf und ins Gespräch hinein. Viel Spaß damit. Hier geht es zum Podcast mit dem passenden reverse-Titel Die J…

Der 'Sieben Minuten Singapur' - Podcast

Momentan bin ich für vier Wochen in Thailand auf Reisen, bzw. eigentlich bin ich mit der Reise beinahe schon durch. Vor allem der Norden hatte mich gereizt, und so bin ich von Bangkok via Ayutthaya, Lopburi, Phitsanulok und Lampang bis nach Chiang Mai mit Bus und Bahn gefahren. Und habe dort vor allem neben verrückt tollen Tempeln eine aufgeweckte Kaffeehaus-Szene entdecken können und mich hingebungsvoll durch die äußerst köstliche nordthailändische Küche gefressen. Es war herrlich. Freilich gibt es auch hier immer mehr hippe vegane Restaurants, die sich auf die Essgewohnheiten der heutigen "Flashpacker" einstellen.
 Aus der Übersättigung heraus kam dann die Idee, sich endlich einmal Singapur anzuschauen - was ich nun auch kurzentschlossen gemacht habe. Und auch dieses Stadt, die mich übrigens in verschiedenen Punkten sehr an meine Lieblingsstadt Hongkong erinnert, hat durch die Aufteilung in ganz unterschiedliche Stadtviertel viel zu bieten. Man kann aber auch an Tokyo de…

Spectrum of Nostalgia (Chen Yi-chu, Taiwan 2017)

 Spectrum of Nostalgia is an experimental and autobiographical short-film of Taiwanese female director Chen Yi-chu (or -zu) with a running time of 24 minutes. Chen's approach is - by using old VHS-Tapes of her childhood - artistical: shecuts the tapes into small fragments of her past that seem to narrate a story which describe a problematic time in her youth. Rearranged, and softened by her own voice as a narrator, she comments on the developments from being the center of attention of the family to a horrible scenario in which her father loses his job and falls into depression. 
She never accuses anyone or anything, but describes - formally aswell by arranging the cinematic snippets - the destructive energy that disrupts her family ties. She, too, poses the question what 'reality' is, and how it may be unconsciously translated into something different by our own memories. Chen Yi-chun basically asks, what is true and what is false, even if it is something that we, ourselves…

However (Hirokazu Koreeda, Japan 1991)

Wonderful early TV documentary by Japanese director Hirokazu Koreeda following two people's path of live to an early death by suicide - one is Mr. Yamanouchi, who works for the Japanese welfare ministry, after giving up his literary ambitions; the other one is Nobuko Harashima, who, as a single child, survived the fire-bombing of Tokyo in WW II but never got her feet on the ground after falling seriously ill. She works on and off as a bar hostess, but gets seriously harrassed by government employees as she applies for social welfare security.
 Two tragic lifes lived "on opposite sides" of the societal system, two people doing their best endlessly struggling - but both ultimately driven to suicide by the Japanese bureaucracy.
 The film title refers to a poem Yamanouchi wrote as a student called "Shikashi ... " / 然し / しかし (meaning However), which is the one his widowed wife reads to the audience during the film. An early Koreeda, definitely worth watching thoug…

Shady Grove (Shinji Aoyama, Japan 1999)

You never think of anyone but yourself!
 Although quite far from Aoyama's meditations on guns & violence in his earlier work, SHADY GROVE as a romantic drama still feels weird and alien from minute one. It's one of those awkward films in colour and tone which make you really uncomfortable and clearly state that human interaction is deficient, because people from "the big city" are made from cement. Especially when they are company people working for big firms. They do have a life and loved ones at home, but that's just meaningless words in an environment of cold-hearted company politics and career decisions.
 But Aoyama's film is not really focussing on the salaryman's side, but has its female protagonist in the center of attention. It's an anti-romantic drama filled with troubles, silence, and angst. Which makes it even more devastating.
 Basically SHADY GROVE is about two love-stories that never come to realization because of the poor decisions …