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Posts mit dem Label "Koji Wakamatsu" werden angezeigt.

Les Liaisons Érotiques / Erotic Liaisons / Erotikku na Kankei (Kôji Wakamatsu, Japan 1992)

Der Eifelturm ist in diesem Film zwar nicht das Zentrum der Lust, aber doch dreht sich hier alles um (auch frivole) Abenteuer in Paris. Mit Choderlos de Laclos Roman Gefährliche Liebschaften hat der Film aber überhaupt nichts gemein; Wakamatsu stellt sogar eine Vorrede ganz an den Anfang des Films, in der eine Sprecherin wie eine TV-Ansagerin den Film audrücklich und humorvoll von jedem klassischen Stoff distanziert und zudem betont, dass hier einen Film vorliege, der, ein ironischer Seitenhieb, überhaupt nichts für Intellektuelle oder gar Filmfestivals sei, schon gar nicht für Cannes. Ein ungleiches japanisches Pärchen im Exil (Rie Miyazawa und Yuya Uchida, der auch die Hauptrolle in A POOL WITHOUT WATER spielte ) betreibt in Paris eine Detektei, in der sie sich jedoch mangels Aufträge recht ordentlich langweilen. Sie verdingt sich pflichtbewußt häufig als Fremdenführerin, damit überhaupt etws Geld in die Kasse kommt, er legt bevorzugt die Beine auf den Schreibtisch. Doch p...

A Pool without Water / Mizu no nai puuru (Kôji Wakamatsu, 1982)

Überdeutlich ein Film der 80er Jahre: körnige Farbflächen, Neonlicht, Großstadt. Melancholische Synthieflächen zu den Gesichtern von Menschen, die sich in sich selbst zurückgezogen haben. Da ist ein Familienvater, der den Alltag nicht mehr erträgt: er arbeitet bei den Verkehrsbetrieben, steht den ganzen Tag am Eingang zur U-Bahn und muss Fahrscheine entwerten. Auf dem Screenshot oben sieht man seine Hand mit dem Locher, den er in rasender Geschwindigkeit und in panischen Rhythmen zusammenklackert, ein Stakkato zur elegischen Hintergrundmusik. Ein sprechendes Bild ist das: äußerlich scheint er völlig ruhig zu sein und abgetaucht in die Monotonie seiner endlos öden Arbeit - dieses Detail aber offenbart, wie sehr er innerlich aufgeladen ist. Diese Spannung überträgt sich bald auf die Handlung und findet ein Ventil - mehrfach wird er Zeuge, wie verschiedene Menschen, meist Frauen, Opfer von Rücksichtslosigkeiten, rüpelhaftem Benehmen oder gar körperlicher Gewalt werden. Da ist er d...

Ecstasy of the Angels / Tenshi no Kôkotsu (Kôji Wakamatsu, Japan 1972)

All the protesters were trying to do was protect their own tiny little groups,  and I thought, "It's done. It's the end of the era for the movement." (Kôji Wakamatsu über Sex Jack im Interview mit Chris D.) Kôji Wakamatsu: Mainstream Sayonara. Geradlinige Erzählweise, moralische Handlung, klare Figurenkonstellationen, einprägsame Charaktere, Sonne am Himmel. So etwas gibt's hier nicht. Sondern ein wilde Mixtur aus Sex, Gewalt und Politik. Politics and Pinku - so hat Wakamatsu das Pink-Filmgenre immer als Gegenbewegung zum Mainstream und zur Gesellschaft verstanden, als offensive Filme, die die Leute vor den Kopf stoßen. Als kritische Bewegung von außen, die auf die Mitte schaut. Kein Wunder also ist ECSTASY OF THE ANGELS einer der bekanntesten weil exemplarischsten Filme von Wakamatsu, in der diese beiden Themenkomplexe Politik und Sex in exzessiv-paranoider Form auf spektakuläre Weise implodieren, gezeigt anhand einer Gruppe junger Leute, deren Te...

Serial Rapist / Jûsan-nin renzoku bôkôma (Kôji Wakamatsu, Japan 1978)

Ich habe ja nun mittlerweile schon einige Filme von Wakamatsu gesehen, 15 um genau zu sein, aber SERIAL RAPIST nimmt eine Sonderstellung ein. Dieser auf körnigem 16mm und in Farbe gedrehte Nihilismus (als ob er sich lustig machen wollte über den "Unterhaltungswert" des Mediums) ist ein äußerst unlustiger Ausbund an grimmiger Tristesse. SERIAL RAPIST macht überhaupt keinen Spaß, unterhält nicht, und es stellt sich wirklich einmal die Frage, warum man sich diesen Film anschauen sollte. Nun, ganz einfach: weil er zum einen interessant gemacht, und zum anderen so ungewöhnlich ist, dass nicht wenige in ihm ein Meisterwerk sehen. Ein dicklicher Latzhosenmann überfällt und vergewaltigt aus reinem Impuls heraus wahllos Frauen, die ihm als Streuner und Tagedieb auf seinen Wegen durch die Vororte Tokyos begegnen. Er haust in einem heruntergekommenen Schuppen in der Nähe des Flugplatzes und hat Ausblick auf den im trüben Dunst hervorlukenden Containerhafen und auf die öden Brachlan...

Violated Angels / Okasareta hakui (Kôji Wakamatsu, Japan 1967)

Einer der Gründe, warum Wakamatsus Filme so großartig und zugleich so großartig verstörend sind, ist der, dass er nicht psychologisiert. Dinge geschehen, Menschen handeln, warum, das sagt er nicht. Oder deutet es höchstens an. Da wir Psychologisierungen im Film aber gewohnt sind, oder diese zur sinnhaften Weltauslegung benötigen um einen rationalen Zusammenhang herstellen zu können, ist man bei ihm als Zuschauer oft verloren - und gerade deswegen herausgefordert, genauer hinzusehen, oder sich im Strudel der Ereignisse treiben, von den Bildern einfangen zu lassen. Von der Hauptfigur, einem jungen Mann mit einem unbewegten Gesicht (gespielt von einer der zentralen Figuren (neben Shûji Terayama) des experimentellen Theaters in Japan dieser Zeit, Jûrô Kara), weiß man beinahe nichts. Lediglich die schnell montierten Stills und Schnappschüsse im authentisch wirkenden Dok-Stil am Anfang des Films deuten an, dass dieser Mann sozial einiges nachzuholen hat und gerne Pornographisches konsum...

The Woman who wanted to Die / Segura magura: shinitai onna (Kôji Wakamatsu, Japan 1970)

Ein wahnsinnig schöner Film von Wakamatsu mit einem etwas verwickelten Plot: in einem tief verschneiten Provinznest verbringt ein beinah schon vermähltes Liebespaar ein paar gemeinsame Tage, doch reist ihnen der ehemalige Geliebte der Frau, ein heißblütiger Student, hinterher. Der befreundet sich, dort angekommen - überraschend und auch sexuell - mit einer älteren, reifen Frau, der Wirtin seines Gasthofes. Diese aber ist die ehemalige Geliebte seines Rivalen, des Mannes seiner Freundin. Damals liebten sich die beiden innig, aber ihre Liebe hatte keine Zukunft. Sie hatten sich dazu entschieden, den Doppelselbstmord aus Liebe   durchzuführen, was aber an der Willensstärke des Mannes gescheitert war, der sich, nachdem er die Frau mit einem Schwerthieb niedergestreckt hatte, nicht selbst töten konnte. Fortan quälte ihn die Gewissheit, seine große Liebe emordet zu haben, aber selbst zu feige gewesen zu sein. Die Frau jedoch überlebte schwerverletzt, zu einem Leben im Leid fern des Ge...

Shinjuku Mad (Kôji Wakamatsu, Japan 1970)

Der Film beginnt wie ein jazziges Requiem: zu sowohl swingender wie melancholischer Musik läuft die Kamera (wie der Protagonist) durch die Straßen Shinjukus und überall liegen Leichen oder schwerverletzte Jugendliche herum. Ein Gefühl von Vergeblichkeit und Hoffnungslosigkeitg, von Entsetzen macht sich breit. In einem amerikanischen Film wäre das nun die Ausgangslage, und in einem Rückblick würde man sehen, wie es zu diesem Desaster gekommen ist. Nicht so bei Wakamatsu, der von seinen Zuschauern zu wissen erwarten kann, dass man es hier mit den Aufständen der Studenten zu tun hat, die Mitte und Ende der 60er gegen den Staat und das Militär die Stimme und auch ihre Fäuste erhoben, eine Gemeinschaft der Revolte, mit Splittergruppen der Japanischen Roten Armee, oder sonst einer radikalisierten linken Zelle. Vielleicht waren es aber auch nur Künstler oder Hippies, die hier ihr Leben lassen mussten. Vor diesem politischen Hintergrund spielt sich das persönliche Drama eines Vaters ab,...

Running in Madness, Dying in Love / Kyoso Joshi-ko (Kôji Wakamatsu, Japan 1969)

Noch ein Film von '69, laut IMDb der elfte in diesem Jahr - da kann man nur Beifall klatschen, wie aktiv Wakamatsu in diesem Jahr, überhaupt in diesen Jahren war. Meine Sichtung des Filmes fiel traurigerweise auf seinen Todestag. Mittags las ich zum ersten Mal die Nachricht, dass der in Tokyo von einem Taxi angefahrene Regisseur im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen sei. Kurze Zeit später bestätigten das auf Facebook verschiedene verläßliche Stellen. Abends gab es bereits die ersten Nachrufe. Auch in RUNNING IN MADNESS, DYING IN LOVE stirbt einer: nämlich ein Polizist. Der Film eröffnet mit dokumentarischen Szenen der Jugendrevolte, den Unruhen in Tokyo während der Anpo Proteste. Schwarz-weiße Dokumentarbilder jagen sich, blitzlichtartig werden Zeitungsmeldungen dazwischen geschnitten, atemlose Montage. Dann: plötzlich Farbe. Ein junger Mann rennt völlig erschöpft eine Straße entlang, es ist Nacht, er ist verletzt, Blut läuft über das Gesicht. In einer langen Ei...

The Notorious Concubines / Kinpeibai / Chinesischer Liebesreigen / Die sechs Frauen des Ching (Kôji Wakamatsu, Japan 1969)

Wakamatsus erotisches Historienepos THE NOTORIOUS CONCUBINES basiert lose auf einem chinesischen Sittenroman mit pornographischem Inhalt namens Jin Ping Mei (aka The Golden Lotus (US-Titel)) aus der Spätzeit der Ming-Dynastie des 16. Jahrhunderts. Um der Zensur zu entgehen wurde die erzählte Zeit ins 11. Jahrhundert in die Provinz Shandong verlegt, in der ein reicher Apotheker (im Film ein unersättlicher Aristokrat) etliche außerhäusliche Affären pflegt, obwohl auf ihn zuhause bereits sechs Ehefrauen warten. Im Roman werden angeblich über 100 explizite Sexszenen ausgeführt, im Film sind es ein paar weniger, die allerdings einige exploitative Genüsse versprechen. Jedoch, es kommt alles anders. Irgendwie als Kostümfilm angelegt, vermag hier nichts so recht zu überzeugen. Bis auf ein paar Oberweiten ist nichts zu sehen, etwas Blut hin und wieder und unscharfe Orgienszenen. Der moralische Verfall ist also das, was eigentlich schockiert. Oder auch nicht. Fraglich ist, ob die ungeschnit...

Violent Virgin aka Gewalt! Gewalt: shojo geba-geba (Kôji Wakamatsu, Japan 1969)

 Ein verstörender Film: die beiden Protagonisten, ein Mann namens Hoshi (gespielt von Toshiyuki Tanigawa) und eine Frau (Hanako, gespielt von Eri Ashikawa - doch die Namen spielen wieder mal eigentlich keine Rolle) mit Sack über dem Kopf, werden offensichtlich von einer Gruppe sadistischer Yakuza und ihren kreischenden Gespielinnen entführt. Man gelangt über holprige Wege in eine Einöde, wo die Frau nach einigen Misshandlungen an ein großes Holzkreuz gefesselt wird. Blut läuft ihr über die Brust, sie ist beinahe nackt. Der Mann wird auf verschiedene Arten misshandelt, bevor er von den Peinigern zum Verkehr mit den prolligen Weibern gezwungen wird. In seiner Wut und Hilflosigkeit geht er jedoch äußerst ruppig mit ihnen zur Sache. Er beginnt sich aufzulehnen und erwürgt eines der Mädchen. Später kommt dann heraus, dass die Gräueltaten von einer Anhöhe aus vom Yakuza-Boss beobachtet werden, der seine sadistische Freude daran hat, das Liebespaar zu quälen. Denn Hoshi ist sein un...