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Chinesische Dystopie: PEKING FALTEN von Hao Jingfang (2018)


Lao Dao, ein Leben als Rundungsfehler.

In der nahen Zukunft: Die Metropole Peking ist in drei Sektoren aufgeteilt, um den knapp bemessenen Raum möglichst effizient zu nutzen und um der Überbevölkerung Herr zu werden. Der Protagonist Lao Dao, ein älterer Herr, lebt im Dritten Sektor, dort wo das einfache Volk ohne Bildung, die Tagelöhner hausen. Er ist Mülltrenner und verwertet die Abfälle aus Sektor zwei und drei, um sie einem Recycling-System zuzuführen. Außerdem kümmert er sich um seine Tochter; ein Findelkind, das er einmal aus dem Abfall gezogen hat. Da er ihr eine bessere Zukunft sichern will, verdingt er sich als Bote zwischen den Sektoren - jeder Kontakt zwischen ihnen ist strengstens untersagt - um eine Nachricht an eine Frau in Sektor Eins zu übermitteln.

Freilich, ein Job voller Gefahren. Da sich in einem gewissen Zeitabstand die Stadt Peking stetig neu "umfaltet", um einen anderen Stadtsektor an die Erdoberfläche gelangen zu lassen, muss er sich auf einer komplizierten Schleuserroute durch die Sektoren bis hin zur Ebene der privilegierten Oberschicht und des Wohlstands durchschlagen, um ans Ziel zu gelangen. Dabei riskiert er alles.

Peking falten ist eine dystopische Langerzählung der neu aufstrebenden Schriftstellerin und Wissenschaftlerin Hao Jingfang aus China (geb. 1984), die im Sog der Popularität Liu Cixins nun im Westen etwas mehr Bekanntheit erfährt. Die einfache aber elegante und punktgenaue Prosa liest sich extrem flüssig, das Zukunftsszenario ist originell bis spektakulär - dabei wird aber keine Aufschneiderei betrieben, sondern der Blick aus der Perspektive des einfachen Mülltrenners Lao Dao aus dem dritten, dem niedrigsten Sektor erdet die Erzählung jederzeit. Und auf diese Art gelingt es der Autorin auch, Kritik am politischen System zu üben, das die Bevölkerung in verschiedene Klassen der Wertigkeit einteilt, ihnen den Lebensraum zuweist und entsprechende Privilegien zubilligt. Kein schönes Szenario einer überbevölkerten Megalopolis und eines autoritären Staates, der ein recht pragmatisches Verhältnis zu seinen Bürgern und ihren Bedürfnissen pflegt. 

Peking falten ist ein überwältigend intelligentes Lesevergnügen auf knapp 70 Seiten und eine dicke Empfehlung. Mit einem Vorwort von Kai Strittmatter.

Michael Schleeh

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