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Guilty of Romance / Koi no tsumi (Sion Sono, Japan 2011)


 In den dunklen, nur vom Neon der Reklametafeln des tokioter Vergnügingsviertels erhellten Nachtbildern kann man sich als Zuschauer verlieren. So wie sich die Figuren dieses Films verloren haben und auf de Suche nach Erlösung aus ihrer desolaten Situation sind. Sion Sono hat mit GUILTY OF ROMANCE einen äußerst hypnotischen Film geschaffen, in dem die Geschichten dreier Frauen zusammenfinden. Drei Frauen, die auf unterschiedliche Weise zu sich selbst kommen wollen, und deren Schicksal irgendwie mit dem brutalen Mord an einer Unbekannten zusammenhängt, deren Leiche am Anfang des Films von der Polizistin gefunden wird. Abgetrennte Gliedmaßen, abgetrennter Kopf. Nur der Rumpf bleibt übrig, an den die mechanischen Teile aus dem Ersatzteillager einer Schaufensterpuppe gefügt sind. Später dann werden ihre Überreste gefunden, in einer Sporttasche, aber da is der Film bald zwei Stunden alt.


In diesem Film, der in wie hyperrealistischen Bildern des Exzesses sowohl innerhalb des Genrefilms auch als auch in der Radikalität seiner Handlungsentwicklung an die Diskurse eines gesellschaftskritischen Feminismus anschließt, geht es vor allem -runtergebrochen- um einen Befreiungsschlag der Frau aus der Unterdrückungsituation durch die hierarchisch organisierte patriarchale Gewaltherrschaft. Dass dieser Weg von der Protagonistin Izumi, die mit einem Bestsellerautoren verheiratet ist und in der Monotonie einer völlig auf die Bedürfnisse des Gatten ausgerichteten Ehe ein völlig unbefriedigendes Leben, das eines Dienstmädchens, zu führen hat, gerade durch eine sexuelle Befreiung geschieht, eine maßlose dazu, die sie über Nacktbilder zur Pornographie und schließlich in die Prostitution führt, ist der pikante Kniff in Sion Sonos Film - und sicherlich eine Reminiszenz an seine Herkunft aus dem an Kontroversen nicht armen Pink-Film-Milieu. Denn auch diese Bereiche, die im alltäglichen Verständnis als Paradebeispiel für die Ausbeutung der Frau stehen, werden alsbald von der Protagonistin dominant regiert, die vom Drehbuch zudem eine manchmal beinah wie wahnsinnige Partnerin zur Seite gestellt bekommt: im obigen Bild zu sehen, Bier kaufend mit dem Geldschein eines Freiers im Mund. Die bei Tag eine Professorin für Literatur ist - und in der Nacht zu einer selbstbewußten Nymphomanin wird, die sich ihre Freier aussucht und sich für ihren Spaß gut bezahlen lässt. Dass der Film hier die Grätsche zur Sexploitation macht, ist nicht verwunderlich.


Neben den skandalös guten Bildern weiß der Film noch durch seinen enorm suggestiven wie romantisierenden Soundtrack zu begeistern. Die Qualität der beiden Faktoren ist nicht zu unterschätzen, vor allem da ein Film mit solcher Handlung in den Händen eines weniger souveränen Filmemachers leicht zum Debakel hätte werden können. KOI NO TSUMI wurde als dritter und abschließender Teil von Sonos Hass-Trilogie annonciert, der von LOVE EXPOSURE eröffnet und mit COLD FISH fortgeführt wurde (über den ich hier etwas vorsichtig schon schrieb, und den ich nochmals sehen will um meine Eindrücke zu überprüfen). Wie vom Hass sind diese Filme aber auch von der Passion und der Obsession durchdrungen und können sicherlich als moderner erotischer Entwicklungsroman einer weiblichen Sexualität der Transgression gelesen werden, die die männlich-patriarchale Unterdrückung überwindet.


Dass die internationale Fassung um gut 20 Minuten gekürzt wurde, und wie man liest, vor allem um Ermittlungsstellen der Polizistin, läßt diese Figur in der von mir gesehenen Fassung etwas in den Hintergrund treten (gleichwohl wurde diese Fassung von Sono authorisiert). Die im November bei REM erscheinende DVD jedenfalls soll die japanische Langfassung beinhalten, die dann etwa 140 Minuten gehen soll. Ich freu mich auf ein Wiedersehen dieses Films, den ich im ersten Überschwang ein Meisterwerk genannt habe.

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