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Kismet (Gyan Mukherjee, Indien 1943)

Ashok Kumar spielt den fröhlichen Taschendieb Shekhar, dem nichts so schnell den Tag verhageln kann. Er verliebt sich in die gehbehinderte Sängerin Rani (Mumtaz Shanti), die von ihrem Vater als Kind exzessiv auf der Bühne zum Tanzen gezwungen wurde, da sie die Attraktion des Theaters war. Bis sie dann kraftlos zusammenbrach und diese merkwürdige Behinderung, deren Natur nicht genauer erläutert wird, davontrug. Mit ihr verlor auch das Theater seine Protagonistin, es musste verkauft werden an den skurpellosen Geschäftemacher Indrajit, von dem die Familie nun abhängig ist. Aus diesen Gründen steck die Familie in schweren Geldnöten, droht sogar zu verarmen. Um das nötige Kleingeld für die Operation zusammenzubekommen, will also Shekhar den Safe des Bösewichts Indrajit ausrauben - was er als Liebesdienst begreift und was natürlich schief geht. Bald ist erneut die Polizei hinter ihm her, die diese Tat verständlicherweise nicht als Kavaliersdelikt durchgehen lassen will (auch wenn ansonsten die Einhaltung des Gesetzes stets verhandelbar erscheint im Film).  Da gibt es dann eine schöne Verfolgungsjagd über Dächer und schräge Architekturen hinweg. Zufällig landet Shekhar dann wieder bei Rani am Krankenbett, die nicht wußte, wer ihr die Operation bezahlt hatte. Am Ende löst sich nach mehreren Volten freilich alles zum Guten auf, einige unerwartete Kapriolen werden geschlagen.

Ein schöner Film, man kann es nicht anders sagen. Tolle Kamera, schöne Menschen, superbe Songs. Besonders interessant ist in dieser Komödie, diesem Liebesmelodram, dass durchaus ernstere Themen verhandelt werden, wenn auch nur in den Subplots. So ist die Schwester Ranis ungewollt schwanger geworden von ihrem Freund - und das, obwohl die beiden nicht verheiratet sind. Oder ganz einfach die Tatsache, dass hier ein Gesetzesbrecher als Protagonist und sympathischer Held installiert wird. Ashok Banker schreibt, der Film wäre deshalb so erfolgreich gewesen, weil "Ashok Kumar [was] simply showing how much fun it was to be a bad guy." Ashok Kumar avancierte mit diesem Film zum ersten richtigen Bollywood-Star und KISMET wird der erfolgreichste Hindi-Film bis ihn 1949 Raj Kapoors BARSAAT ablösen wird. 

Gewisse patriotische Tendenzen kann man auch ausmachen, etwa in einem der Songs (Aaj himalay ki chot se phir humne lalkara hai), wenn das schöne Hindustan besungen wird, das sich nicht vor den Deutschen und den Engländern verbeugen soll. Die britischen Zensoren haben das wohl nicht mitbekommen, was im Nachhinein zu recht viel Ärger geführt haben soll - der Songschreiber etwa musste untertauchen um nicht verhaftet zu werden (Musik: Anil Biswas, Texte: Pradeep). KISMET avancierte zum Superhit des Filmstudios Bombay Talkies, was jedoch nicht die Streitigkeiten der Produzenten mit der Firmenleiterin Devika Rani lösen konnte. Mukherjee und sein Produzent verließen darauf die Bombay Talkies und gründeten die Filmgesellschaft Filmistan, die es auch heute noch gibt. Das Studiogelände wird aber lediglich noch vermietet und Filme werden nicht mehr selbst produziert. Wie später SHOLAY, lief KISMET in einem Kino in Kalkutta überaus erfolgreich mehr als drei Jahre lang ohne Unterbrechung.

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