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The Third Yakuza / Shin daisan no gokudo I + II (Takashi Miike, Japan 1996)


Da der Clan des Yakuza Reijiro Masaki (Kiyoshi Nakajo) aufgelöst wird, findet er beim bislang verfeindeten Todo-Clan Unterschlupf. Da er früher einmal das Leben des Bosses Retsu Hattori verschont hatte, wird er als dessen rechte Hand, die Nummer 2 des Clans also, an die Spitze der Führung gesetzt. Das führt bei den Mitgliedern natürlich zu massivem Unmut, da sich einige übergangen fühlen. Und schon bald beginnt der Terror und der Kampf um die Nachfolge.

Dieser frühe Film von Miike, gedreht für den Videomarkt, kann es weder mit seinen großen, bekannteren Filmen, noch mit den stilprägenden ruppigen Genreerneuern wie den Filmen von Fukasaku oder Suzuki aufnehmen. Dennoch finden sich immer wieder Ansätze, etwa im Bereich der schrägen Komik oder der ruppig-gewalttätigen Verstörung, die von einem Stilwillen des Regisseurs zeugen, der hier leider kaum zur Entfaltung kommt. Allzu behäbig schiebt sich die Handlung voran, werden Klischees und Genrestandards abgehakt (Intrigen, Mord, Rache), als dass man tatsächlich aufgerüttelt würde, oder zumindest angesaugt im Film versinken könnte. Eine mit der Spielzeit stetig wachsende Katatonie beim Zuschauer allerdings führt dazu, dass man die beiden recht knappen Teil ohne größere Schäden durchsteht. Wenn man von Miike schon alles kennt, dann kommt einem das Routinewerk THE THIRD YAKUZA gerade recht. Ansonsten ist hier eher abzuraten - auch das Bild der Veröffentlichung von Pierrot Le Fou ist eine wirkliche Totalkatastrophe. Es ist ganz klar, um was es hier (dem Regisseur und dem Label) ging: um den Broterwerb. THE THIRD YAKUZA kann man getrost vernachlässigen.

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Ali's Wedding (Jeffrey Walker, Australien 2017)

Nachdem der talentierte aber leider erfolglose Ali die Aufnahmeprüfung zum Medizinstudium an der Universität von Melbourne verpatzt hat, bringt er es nicht übers Herz, seinem Vater den Misserfolg einzugestehen. Der Sohn war die große  Hoffnung des muslimischen Klerikers, der das Zentrum der arabischen Community darstellt, und höchstes Ansehen genießt. Dass dessen Rivale nur auf einen Misserfolg Alis hofft, um selbst den Platz des Vaters einnehmen zu können, ist ein Seitenerzählstrang, der einen hochinteressanten Handlungsverlauf innerhalb der Moschee voranschiebt.
 Das sind humoristische und tolle Einblicke hinter die Kulissen, die man nicht jeden Tag bekommt. Jedoch: Ali lügt. Er habe hervorragend abgeschlossen - und wird nun als Wunderkind gehandelt und sieht sich alsbald gezwungen, ein Leben an der Uni vorzutäuschen. Dort läuft er aber nicht nur permanent dem Sohn des Konkurrenten seines Vaters über den Weg, sondern auch der schönen Libanesin Dianne, in die er sich Hals über Kopf…

HERRMANN (Reda, Deutschland 2012)

Ein nicht mehr ganz junger Familienvater, der aus der linksalternativen Szene zu stammen scheint und der  mittlerweile wohl ziemlich in der Bürgerlichkeit angekommen ist, verabschiedet sich eines Abends von seiner Frau/Freundin und seinem bereits schlafenden Kind, da er noch auf einen Geburtstag will. Sein halb schelmisch-unterwürfig ausgedrückter Wunsch, anschließend noch kurz aufs Konzert zu gehen (dem ein echtes Begehren zugrunde zu liegen scheint, da seine Stimme schon zu zittern beginnt), wird von der verantwortungsbewußteren, vernünftigen Herzdame mit Stirnrunzeln weggeknutscht. Vermutlich kennt auch sie das Lied von der Punkband Oma Hans, wo die Mädchen auf dem Konzert einfach besser küssen als sonstwo. Da muss sie gar nicht mehr viel zu sagen, es liegt alles in ihrem Blick: er soll halt endlich mal erwachsen werden, dieser Berufsjugendliche. Schließlich gibt es jetzt Familie. Und eigentlich hatte er ja auch schon kapituliert, bevor er überhaupt den Mund aufgemacht hat. Da kan…

A Pool without Water / Mizu no nai puuru (Kôji Wakamatsu, 1982)

Überdeutlich ein Film der 80er Jahre: körnige Farbflächen, Neonlicht, Großstadt. Melancholische Synthieflächen zu den Gesichtern von Menschen, die sich in sich selbst zurückgezogen haben. Da ist ein Familienvater, der den Alltag nicht mehr erträgt: er arbeitet bei den Verkehrsbetrieben, steht den ganzen Tag am Eingang zur U-Bahn und muss Fahrscheine entwerten. Auf dem Screenshot oben sieht man seine Hand mit dem Locher, den er in rasender Geschwindigkeit und in panischen Rhythmen zusammenklackert, ein Stakkato zur elegischen Hintergrundmusik. Ein sprechendes Bild ist das: äußerlich scheint er völlig ruhig zu sein und abgetaucht in die Monotonie seiner endlos öden Arbeit - dieses Detail aber offenbart, wie sehr er innerlich aufgeladen ist.
Diese Spannung überträgt sich bald auf die Handlung und findet ein Ventil - mehrfach wird er Zeuge, wie verschiedene Menschen, meist Frauen, Opfer von Rücksichtslosigkeiten, rüpelhaftem Benehmen oder gar körperlicher Gewalt werden. Da ist er dann de…