Direkt zum Hauptbereich

Der 'Sieben Minuten Singapur' - Podcast


 Momentan bin ich für vier Wochen in Thailand auf Reisen, bzw. eigentlich bin ich mit der Reise beinahe schon durch. Vor allem der Norden hatte mich gereizt, und so bin ich von Bangkok via Ayutthaya, Lopburi, Phitsanulok und Lampang bis nach Chiang Mai mit Bus und Bahn gefahren. Und habe dort vor allem neben verrückt tollen Tempeln eine aufgeweckte Kaffeehaus-Szene entdecken können und mich hingebungsvoll durch die äußerst köstliche nordthailändische Küche gefressen. Es war herrlich. Freilich gibt es auch hier immer mehr hippe vegane Restaurants, die sich auf die Essgewohnheiten der heutigen "Flashpacker" einstellen.

 Aus der Übersättigung heraus kam dann die Idee, sich endlich einmal Singapur anzuschauen - was ich nun auch kurzentschlossen gemacht habe. Und auch dieses Stadt, die mich übrigens in verschiedenen Punkten sehr an meine Lieblingsstadt Hongkong erinnert, hat durch die Aufteilung in ganz unterschiedliche Stadtviertel viel zu bieten. Man kann aber auch an Tokyo denken: jeden Tag fährt man mit der U-Bahn in ein anderes Viertel und schaut sich dieses dann eben an. Alles ist verschieden, überall gibt es etwas Besonderes: in Singapur sticht vor allem Little India rund um das Tekka-Center heraus, das noch ziemlich eigenständig ist, oder auch Chinatown, das am alten Kolonialviertel dranklebt. Leider ist es dort ziemlich touristisch, auf eine ungute Art und Weise. 

 Authentisch ist dafür aber noch der alte und großartige Hawker-Foodcourt direkt über der Chinatown - MRT-Station. Dort fühlt man sich wie auf dem Nachtmarkt in Chengdu. Natürlich ist der auch viel  wilder als das bekannte, aber auch gemäßigte und sehr saubere Maxwell Center, das nur wenige Minuten weg ist. Dort kann man das von Anthony Bourdain empfohlene Hainanese Chicken-Rice - Gericht essen, für ca. 3,50 Euro. Von Hawker Chan, wo man für dasselbe Geld dasselbe Gericht mit einem Michelin-Stern verziert bekommen kann, würde ich hingegen fast abraten. Das ist doch schon alles sehr durchkommerzialisiert. Schlecht schmecken tut es freilich aber auch nicht gerade.

 Aber langer Rede kurzer Sinn, beim Marina Bay Sands Hotel bin ich heute auch noch vorbeigekommen, weil ich mir die künstlichen Gärten mit den Stahlbäumen an der Wasserfront ansehen wollte. Die sind in einem Park angelegt, der sich zwischen MBS und dem Meer befindet. Das ist alles irre beeindruckend gemacht, mit einer verrückten, ausgeklügelten Architektur. Beinahe fühlt man sich wie in einem viel zu groß gewordenen Vergnügungspark. Oder ist die ganze Stadt vielleicht ein einziger Vergnügungspark? Spontan musste ich mir Luft machen, und habe sieben Minuten lang in ein Mikrofon geredet. Schade nur, dass ich nichts von den Schönheiten, zum Beispiel von eben jenem Little India erzähle, das ich oben bereits erwähnt habe. Das hätte mir jetzt im Nachhinein besser gefallen. Aber so ist das nunmal ~


***

Michael Schleeh

Beliebte Posts aus diesem Blog

Masahista / The Masseur (Brillante Mendoza, Philippinen 2005)

Brillante Mendozas erste Spielfilmregie verortet ihn sogleich im Independentkosmos des modernen philippinischen, cineastischen Undergrounds. Geringe Budgets und die Digitalkamera eröffnen jungen Filmemachern die Möglichkeit, nicht nur jenseits einer etablierten Filmindustrie, sondern so gut wie jenseits jeder filmischen Szene aktiv zu werden. Ein Status, der sich auch in der Verfügbarkeit der Filme zeigt. So sind die Filme von Brillante Mendoza, Lav Diaz, Raya Martin, KHAVN de la Cruz u. a. nur in Ausnahmefällen auf DVD greifbar (wenn, dann sowieso nur weltweit), oder sie sind mit etwas Glück auf engagierten Retrospektiven und Filmfestivals zu sehen. Im Falle KHAVNs übrigens durchaus auch auf youtube, selbst eingestellt vom Regisseur. Die Filme eint neben den o. g. Kriterien ein Hang zum ästhetischen Radikalismus in Kombination mit einem Blick auf gesellschaftliche Mißstände, welcher gerne mal als "neorealistischer" italienischer Prägung oder als einer im Geiste des "Cin...

Accident / Yi ngoi (Soi Cheang, HK 2009)

Pou-Soi Cheangs erster Film unter Johnnie Tos Produktionshoheit (Milkyway) ist ein hervorragend schneller, straffer und kluger Genreknaller geworden. Ho Kwok-Fai (Louis Koo) hat ein Killerteam um sich geschart (Stanley Fung, Lam Suet, Michelle Ye), das sich auf die Inszenierung von Auftragsmorden spezialisiert hat. Diese laufen stets nach einem Dominosystem ab und erscheinen - da sie so komplex konstruiert wurden - wie tatsächlich Unfälle. Doch plötzlich wird einer des Teams während einer Aktion durch eine Verkettung tragischer Zufälle getötet. Ho entkommt nur knapp. An diesen Zufall will er nicht glauben und wähnt sich selbst das Ziel eines Killerteams. ACCIDENT beginnt enorm stark - und es ist eine Lust, den kreativen Inszenierungen zuschauen zu können. Cheangs in DOG BITE DOG zelebrierter harter Realismus und die ungestüme Wildheit SHAMOs geht ACCIDENT ab, da wurde er wohl von To gebremst. Doch nicht zum Schlechten: der Film ist sehr flüssig und elegant inszeniert, spart aber nicht ...

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...