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House Owner (2019) ‘ஹவுஸ் ஓனர்’ (directed by Lakshmi Ramakrishnan)


 Während der Regenzeit in Chennai geht ein zurückgezogen lebendes, älteres Ehepaar durch turbulente Zeiten. Anstatt sich den Lebensabend zu versüßen, sind sie in einer endlosen Spirale der Beziehungshölle gefangen - und zwar deswegen, weil der Ehemann an Alzheimer erkrankt ist. In dieser schwierigen Situation managt die Ehefrau den gesamten Haushalt - aber nicht nur das. Sie kümmert sich freilich um alles und erträgt auch die ruppige Art des ehemaligen Armeegenerals, der sich seiner eigenen Krankheit nicht bewußt ist. Die Schärfe in der Stimme, den ehemaligen Kasernenhof-Ton, hat er leider aber nicht vergessen. 

 Sriranjini ist dann auch die heimliche Protagonistin und generell die Hauptfigur in diesem aufs Nötigste reduzierten Drama, die alles überstrahlt - und sie meistert die Rolle großartig. Immer wieder bricht der Film aus der aktuellen Zeitschiene aus und springt hinüber auf eine andere, vergangene. Sie zeigt, wie es früher war. Wie sich die beiden kennenlernten, wie er um sie warb, wie sie zusammen Spaß hatten am Fluß in der Regenzeit, und das Wasser einen natürlichen Vorhang bildete, hinter dem man sich kurz berühren konnte, oder wo man für ein Anlächeln keine Sanktionen von den Eltern befürchten musste. 

 Eine beschränkte und vor allem kurze Zeit der Unschuld, vielleicht auch der unbekümmerten "Schwerelosigkeit." Eine Zeit, die vom normalen Leben aber nur geborgt ist. Dessen sind sich alle sicher.

 Eine Zeit, die dann bald durch Militärdienst, Erwachsenwerden, Arbeit und generell das Leben und den Verpflichtungen eines Erwachsenen nach und nach ein Ende findet. In diesem Fall nun aber der Einbruch einer Krankheit, die den Verlauf des "normalen Lebens" derart auf den Kopf stellt, dass es für außen Stehende kaum nachvollziehbar ist. Und das ist nun eine der Leistungen des Films, dass er genau diesen Prozeß nanschaulich macht. Und nicht auf romantisch verklärende Art, wie man zunächst ermuten könnte. Sondern als bittere, schmerzliche Verlusterfahrung, als Kippen in die bedrohliche Verzweiflung, die zum Alltag wird. Bevor sprichwörtlich alles im Monsun absäuft. Ziemlich großartig.


*


Michael Schleeh

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