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Red Angel / Akai Tenshi (Yasuzo Masumura, Japan 1966)


Im Jahre 1939 kommt die Krankenschwester Sakura Nishi (Ayako Wakao) in ein Lazarett an der Front in der Mandschurei. Dort wird sie eines Nachts bei einem Kontrollgang durch die Schlafsäle von mehreren Soldaten vergewaltigt. Als sie die Assistentin des renommierten Arztes Dr. Okabe wird, erlebt sie die Hölle auf Erden. In 48-Stunden-Schichten werden Verwundete behandelt, Schußwunden operiert, Halbtote aufgegeben, und Gliedmaßen amputiert. Das Lazarett mutet an wie ein wogendes Meer aus schreienden, verwundeten Männern, die übereinanderliegend, die Schmerzen nicht mehr aushalten können.
Die Darstellung der Operationen ist mehr als deutlich. Der Arzt und die Assistenten sehen aus wie aus einem Schlachthaus über und über mit Blut verschmiert. Die Kugeln, die aus den Körpern geholt werden, häufen sich in Metallschalen, die amputierten Arme und Beine werden in Bottiche und Fässer geworfen. Immer wieder muß der Boden geschrubbt werden, das Blut fließt hinaus und fließt in die Erde. Die Leichen werden in Massengräber geworfen. Und da kommt der Laster mit den nächsten Verwundeten.

Masumura findet eindrucksvolle Bilder in s/w für dieses menschengemachte Inferno, für diesen Angriff auf die Psyche, für den ständigen Kampf gegen den Tod. Und auch die "Engel" der Medizin sind keine unantastbaren Wesen, wie schon in der Vergewaltigungsszene deutlich wurde. Sakura muß sich ständiger Übergriffe erwehren, jede Art moralischer Wertvorstellung ist bei den Männern ausgeschaltet. Vor dem Hintergrund des nahen Todes gelten die Gesetze nicht. Als sie einen Soldaten pflegt, dessen beide Arme amputiert werden mußten, ist sie ihm in seiner Verzweiflung auch sexuell zu Diensten. Die Verzweiflung allerdings, die diese Erkenntnis fördert, nie wieder eine Frau berühren zu können, treibt den Soldaten in den Selbstmord. Er springt vom Dach des Hauses in den Tod. Sakura fühlt sich daraufhin schuldig am Tod des Soldaten. Gerade in dieser Szene wird erneut deutlich, wie kontrovers Masumura durchweg durch seine gesamte Filmbiographie hindurch die Themen Sexualität und Gewalt verknüpft.

Doch Sakura verliebt sich in Okabe, den Arzt, der jedoch, um die Gräuel zu ertragen, morphiumsüchtig geworden ist. Als sie auf einem Außenposten Dienst tun müssen, werden sie von den anderen Truppenteilen abgeschnitten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die übermächtige chinesische Armee die Siedlung überrennen wird. Als die Cholera im Lager ausbricht, spitzt sich die Situation zu, und Sakura wähnt die Zeit für ihre Liebe zerronnen. In einem Akt des Aufbäumens der eigenen Bedürfnisse zwingt sie Okabe in der letzten Nacht zum Entzug, überwindet die Hemmungen seiner drogenbedingten Impotenz und vereinigt sich mit ihm mehrere Male.

Als der Gegner schließlich anrückt, beginnt ein Bombardement auf ein unbedeutends Fleckchen choleraverseuchter Erde, das keine Überlebenden übrig läßt. Doch Sakura überlebt wie durch ein Wunder, sucht die Gräben ab, dreht alle Leichen um, und findet Okabe schließlich tot auf dem Feld liegend. Sie nimmt ihn in die Arme und erhebt die Stimme zur Klage, die, vor dem Hintergrund des Requiems, das leise eingesetzt hat, eine Anklage sondergleichen gegen das Militär darstellt, gegen die Sinnlosigkeit des Krieges, gegen die Gewalt, die Menschen sich gegenseitig antun.

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