Direkt zum Hauptbereich

Rape! 13th Hour (Yasuharu Hasebe, Japan 1977)


Da muß Nikkatsu ganz schön verzweifelt gewesen sein, als sie Hasebe für seine Rückkehr zum Studio im voraus volle Gestaltungsfreiheit und totale Kontrolle über seine Filme zusicherten. Sexfilmchen sollten es werden - doch Hasebe erschuf das Subgenre des PINKY VIOLENCE. Heraus kam erstmal eine Serie aus drei Vergewaltigungsfilmen mit extrem kontroversem Inhalt, die im dritten Film, dem Finale RAPE! 13th HOUR, zu ihrem drastischen Höhepunkt kam.

Ein leicht trotteliger Tankstellenfritze läßt sich von einem extrem lässigen Gauner mit roter Lederjacke zu jeder Scheißaktion drängen, die ihm gerade einfällt: dort eine hübsche Frau - los hinterher, die wird vergewaltigt! Der Typ dort: zusammengedroschen, Knete geklaut. Der verschrobene Tankstellenmann weiß nicht so recht, was hier überhaupt und mit ihm im speziellen eigentlich los ist: so richtig geil findet er es nicht, Frauen Gewalt anzutun. Doch hindert ihn das nicht daran, auf eigene Faust loszuziehen und das noch ein paar mal zu probieren. Im parallelen Erzählstrang wird die Rotjacke von drei schwulen Gangstern wegen einer alten Sache gejagt, wegen Sex oder sonstwas. Sie tragen bunte Hosen und sind auch ordentlich brutal. Sie machen einem das Leben schwer. Die Groteske nimmt ihren Lauf: die Vergewaltiger verlieben sich in ihr erstes Opfer und konkurrieren um dessen Zuneigung, die sie mit weiteren Vergewaltigungen zu erzwingen versuchen. Und, nun ja, es gelingt.

Einsamer Höhepunkt dieses irren Films aber ist das Finale im leeren Schwimmbad, in dem es der Rotjacke dreckig ergeht. Wie ihm da von den Kollegen klar gemacht wird, daß er nur eine Muschi sei, ist dermaßen krass, daß ich mit Fug und Recht behaupten kann, so etwas noch nie zuvor gesehen zu haben. Ich bin verstört. Über die frauenverachtende Message des Films möchte man lieber auch nicht nachdenken. Der Film war in Japan jedenfalls ein Kino-Kassenerfolg und wird in informierten Kreisen zu Hasebes Highlights gezählt. Er schaut einfach unglaublich gut aus. Sollte die EMMA-Redaktion jemals eine DVD-Reihe zusammenstellen, dies wäre gewiss ein schöner Opener.

***

Beliebte Posts aus diesem Blog

Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...

Sleep Has Her House (Scott Barley, GB 2016)

"And the dark is always hungry." (Scott Barley) Scott Barley's apocalyptical drone-room of a film is a fascinating experience. Not only a film to watch, but definitely one to listen to, as the audio is almost as impressive as its pictures. Very often, the images are blurred in the beginning, but with the slightest movements of the camera, the picture does get clearer, more concrete, focused, but sometimes nothing happens at all, too. Nevertheless, the film feels very dynamic - it's a weird state of an inherent Bildspannung , a suspense (and tension that might rip apart) inside of the images themselves that keeps you totally immersed.  Static movement  of the camera might be the term of technique to describe the process of capturing those dreamlike images, which are almost incomprehensive at first, always hard to grasp. As there seems to be no plot, no dialogue, no actors, there are none of the usual narrative anchors that guide us through a film, or movie. O...

Nippon Connection 2016: Being Good (Mipo O, Japan 2015)

Die koreanisch-stämmige Japanerin Mipo O verbindet in BEING GOOD drei Erzählfäden zu einem Pastiche des alltäglichen Schreckens: versteckte, häusliche Gewalt gegenüber Kindern ist das Thema des engagierten Films. Dass auch in ihrem aktuellen Film die Sozialkritik im Mittelpunkt steht, konnte man sich schon denken, wenn man an ihren Film THE LIGHT SHINES ONLY THERE zurückdenkt, der nicht nur international erfolgreich war (Filmfestivals, Auslands-Oscar-Beitrag 2014), sondern auch auf Platz 1 des jährlichen Filmrankings der renommierten Filmzeitschrift Kinema Junpo landete. Und so denn auch hier: ein Sozialdrama, das emotional vernichtend sich ins Herz des Zuschauers schleicht, ohne dabei in Kitsch abzurutschen oder sich seine Prämisse allzu deutlich auf die Fahne zu schreiben. Es ist ein Film, der an die Substanz geht. Dabei beginnt der Film recht drastisch: schon in den ersten Minuten wird ein kleines Mädchen von der kaltherzigen Mutter im Wohnzimmer verdroschen, dass sie blaue...