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Nippon Connection 2016: Being Good (Mipo O, Japan 2015)


Die koreanisch-stämmige Japanerin Mipo O verbindet in BEING GOOD drei Erzählfäden zu einem Pastiche des alltäglichen Schreckens: versteckte, häusliche Gewalt gegenüber Kindern ist das Thema des engagierten Films. Dass auch in ihrem aktuellen Film die Sozialkritik im Mittelpunkt steht, konnte man sich schon denken, wenn man an ihren Film THE LIGHT SHINES ONLY THERE zurückdenkt, der nicht nur international erfolgreich war (Filmfestivals, Auslands-Oscar-Beitrag 2014), sondern auch auf Platz 1 des jährlichen Filmrankings der renommierten Filmzeitschrift Kinema Junpo landete. Und so denn auch hier: ein Sozialdrama, das emotional vernichtend sich ins Herz des Zuschauers schleicht, ohne dabei in Kitsch abzurutschen oder sich seine Prämisse allzu deutlich auf die Fahne zu schreiben. Es ist ein Film, der an die Substanz geht.

Dabei beginnt der Film recht drastisch: schon in den ersten Minuten wird ein kleines Mädchen von der kaltherzigen Mutter im Wohnzimmer verdroschen, dass sie blaue Flecken davonträgt. Ohne die Szene grafisch auszuschlachten, bleibt die Kamera dennoch bei den Figuren und zumindest im Raum anwesend und gestattet es dem Zuschauer nicht, aus dem Bildraum zu flüchten. Man ist viel länger dort, als man sein möchte. Bemerkenswert an diesem Einstieg ist außerdem, dass hier direkt mit einem Tabubruch begonnen wird. Denn in der Regel ist in der Gattung Film der Mann der klassische Täter, der die Gewalt gegen Frau und Kind ausübt. Hier ist aber der Vater abwesend, jobbedingt im Ausland, und, ja, tatsächlich: es ist die Mutter, die das Kind schlägt. Und zwar so richtig. Ich kann mich nicht erinnern, das schon einmal in einem Mainstream-Film zuvor derart gesehen zu haben. Später wird sich herausstellen, dass auch die Mutter als Kind körperlicher und psychischer Gewalt ausgesetzt war, und nun keine Liebe weitergeben kann. Was den Film zu einer der emotionalsten Szenen führt, zu einer emotional unfassbaren stillen Umarmung, die mehr sagen würde als tausend Worte der Rationalisierung.

Die weiteren beiden Erzählfäden sind aber nicht weniger interessant. Zum einen geht da um einen Jungen mit bipolarer Störung, der als Außenseiter ein einsames Dasein fristet. Einer Großmutter, die ihre Familie beim Feuer in Tokyo verloren hat, bringt er aber große Freude in den Alltag. Und als die Mutter, die sich ständig nur um ihr "schwieriges Kind" kümmern muss, mitbekommt, quasi durch eine Außensicht, dass ihr Sohn zu einem ihr unbekannten Zentrum der Nähe und Liebe werden kann, ist ein anderer großer Moment des Films erreicht. Außerdem: der Schulalltag eines jungen Grundschullehrers, der mit 35 Schulkindern an die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit gerät. Fulminant gespielt von Kengo Kora (A STORY OF YONOSUKE, Review), der sich dann, als ob das nicht genug wäre, um einen vernachlässigten Jungen kümmert, dessen plötzliche Abwesenheit schließlich zu einem dramatischen Finale führt. Ein Ende, das interessanterweise offen bleibt - der Film formuliert nicht alles aus. Der Zuschauer bleibt sich selbst überlassen, und die Geschichte geht weiter im Kopf des Betrachters.

Es werden drei Geschichten aus dem japanischen Alltag erzählt und die Berührungspunkte der Fäden sind hauptsächlich inhaltlicher Natur. Innerhalb des Films sind sie eher assoziativ verknüpft, manchmal werden sie auch situativ hergestellt: etwa auf dem Spielplatz oder im Flur des Schulgebäudes, sowie durch das Lehrerpersonal. Obige Umarmung stellt dann auch das positive Zentrum des Filmes dar, denn einen Ausblick bietet BEING GOOD zum Glück ebenso. Der visuell nicht besonders anspruchsvolle Film fokussiert sich in der Hauptsache auf sein inhaltliches Narrativ - und hat im Handumdrehen, wie man das von allen Seiten eigentlich hörte, die Herzen der Festivalbesucher erobert.

Michael Schleeh

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