Direkt zum Hauptbereich

Koma (Naomi Kawase, Japan 2009)


Ein junger Großstädter koreanischer Abstammung reist in den Bezirk Koma in Nara, um eine Schriftrolle seines verstorbenen Großvaters dem rechtmäßigen Besitzer zurückzubringen. Die Erfüllung dieses letzten Wunsches hat dann aber zur Folge, dass er die etwas verquere Hatsuko, die Tochter der Familie, kennenlernt, die ihm mythische Geschichten von Berggeistern und ihrer hingebungsvollen Liebe erzählt. Von Hatsuko scheint eine seltsame Faszination auszugehen...



Wie kaum ein(e) andre(r) Regisseur(in) versteht es Naomi Kawase, arthousige Filme zu drehen, die so wunderbar schwebend leicht und balastfrei daherkommen (allenfalls Hong Sang-soo fällt mir da noch ein). Mit Handkamera und selbstredend ohne extradiegetische Musik kreiert sie die ihr eigene Kawase-Atmosphäre, die eine tiefe, ruhige, beinahe schon meditative Stille ausstrahlt (die sehr faszinierend ist und nie manieristisch wirkt), und die dennoch eine Spannung unter der Oberfläche vermittelt, die einen gebannt am Film kleben läßt. Es sind viele kleine Details, die sie am Wegesrand aufsammelt: Pflanzen, Tiere, das Licht durch die Bäume, und zugleich weiß sie diesen Film in einem historischen Kontext zu verorten, der mühelos die Brücke zum koreanischen Bezugsrahmen schlägt. Einzig die Rückblenden schienen mir etwas unnötig.

Hier kann man ein wenig auf ihrer Homepage blättern und in ihrem Tagebuch ein paar Kleinigkeiten zum Film nachlesen.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...

HKIFF 2013: A Story of Yonosuke (Shuichi Okita, Japan 2012)

Mitte der 80er kommt der junge Yonosuke nach Tokyo um dort zu studieren. Er ist eine ziemlich schräge Gestalt: groß gewachsen, Wuschelhaare, er hat einen ungewöhnlichen Humor und hat einen einnehmend, offenen Charakter. Einer der zugleich irgendwie schräg ist, rausfällt. 16 Jahre später erinnern sich verschiedene Personen, die alle seine Bekanntschaft gemacht hatten, an ihn, und in übergangslos montierten Rückblicken findet der Film - durch seine unterschiedlichen Perspektiven - neue Blickwinkel auf die Person Yonosukes. Hierfür gibt es auch einen Anlaß, der teilt sich aber erst ganz am Ende des Films mit. Dieser Film, eigentlich eine coming-of-age-Geschichte, ist voller origineller Einfälle, von lautem und leisem Witz, immer durchzogen von einer Spur Ironie und Humor. A STORY OF YONOSUKE ist trotz seiner 160 Minuten extrem kurzweilig, und hat eine völlig ungewöhnliche Narration. Beim ersten Einschub eines sozusagen "zukünftigen Flashbacks", denn die Zeit der Haupthan...

The Warped Ones aka The Wild Love-Makers / Kyonetsu no kisetsu (Koreyoshi Kurahara, Japan 1960)

THE WARPED ONES ist die totale Tayozoku-Madness, ein Film über jugendliche Rebellen im Nachkriegsjapan: zwei "juvenile delinquents" kommen aus dem Gefängnis heraus und beginnen direkt mit ihrer Hatz auf Vergnügungen, auf Mädchen, Alkohol und Befriedigung der Primärbedürfnisse. Wenn die Strecke zu weit ist, klaut man eben kurz einen Wagen. Hat man Hunger, klaut man was am nächsten Straßenstand. Die Sonne brennt vom Himmel, der Schweiß steht auf der Stirn, der Jazzbeat treibt voran, die Artikulation geschieht hauptsächlich durch Grunzen, Brüllen, Knurren und sonstige animalische Laute. Wird gegessen, dann wird geschlungen. Gebratene Hühnchen werden zerrissen, Reis wird gestopft. Wasser wird aus der Kanne direkt in den Mund gegossen und läuft über den von Schweißtropfen perlenden, entblößten Körper. Dieser prototypische Suntribe-Film (die man als Vorläufer der "Neuen Welle" in Japan verstehen kann) ist ein einziger, rasender Exzess der Respektlosigkeit. Die beide...