Direkt zum Hauptbereich

Parasite Doctor Suzune – Genesis / Kisei jui Suzune: genesis (Ryu Kaneda, Japan 2011)


“So also sieht Hentai aus, wenn man daraus einen Live-Action-Film macht!” – mit diesen Worten spottet ein User bei AsiaWiki über Parasite Doctor Suzune. Nun muss man wissen, ein Hentai ist eine völlig durchsexualisierte Variante der in Japan allseits beliebten riesengroßen Industrie der Mangakultur – und da gibt es alle möglichen Varianten, von harmlosem Blümchensex bis hin zur üblen Vergewaltigungsphantasie an Schulmädchen durch gefrustete Büromenschen. Warum es das gibt? Nun, die Darstellungen im normalen Spielfilm wären ganz einfach: verboten. Hier wird Verdrängtes, ansonsten Unmögliches kompensiert.

Parasite Doctor Suzune: Genesis springt mitten in die Geschichte hinein. Eine junge Büroangestellte überfällt urplötzlich unbändige Paarungslust, und schon bespringt sie ihren Abteilungsleiter. Zum Glück ist die spärlich bekleidete Suzune zur Stelle, denn schon kurz nachdem die manische Sexmaschine am Hosenschlitz des Vorgesetzten herumschmatzen konnte, greift sie behände ein: mit einem gezielten Griff in den Unterleib der Wütenden entfernt sie einen glibberigen Wurm, der eben, als gefährlicher Parasit, seinen Opfern eine unbändige Paarungslust einimpft. Aber eben auch: Kraft und Gewalt, was sie zu so etwas wie Sex-Zombies werden lässt. Es bleibt also alles in glaubwürdigem Rahmen.

Natürlich hat das alles einen Hintergrund, und der liegt, wer hätte es gedacht, in der Vergangenheit der Protagonistin selbst. Ein Trauma gilt es zu bewältigen mit dem Otosan, ihrem Herrn Papa. Und dieser ist Wissenschaftler. Erfahrene Genrespezialisten riechen nun freilich den Braten. Parasite Doctor Suzune: Genesis ist trotz aller hanebüchener Abstrusitäten gar nicht so langweilig und nervig, wie man meinen könnte – und wie man mancherorts liest...


***

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Woman of the Lake / Onna no mizumi (Yoshishige Yoshida, Japan 1966)

Die schöne und unglücklich verheiratete Miyako (Mariko Okada) hat eine Affäre mit dem jungen Kitano (Tamotsu Hayakawa), mit dem sie sich tagsüber in Hotels im Stadtzentrum trifft. Ihr Gatte Yuzo (Shinsuke Ashida) scheint davon nichts mitzubekommen; er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann mit einer deutlich wertkonservativen Einstellung. An einer Stelle im Film sagt er einmal, eine gute Ehefrau sei leicht wie ein Lufthauch, man würde ihre Gegenwart niemals bemerken. Diese Ruhe ist nun bedroht, da Kitano von Miyako im Hotel erotische Nacktbilder gemacht hat, die Miyako dummerweise auf dem Heimweg vom Stelldichein in der Tasche mit dabei hat. In dieser Nacht wird sie von einem Unbekannten bedrängt - und sie wehrt sich mit der Tasche, worauf ihr der Mann sie entreißt. Am nächsten Tag bekommt sie einen Anruf von dem Erpresser, sie solle zu ihm in ein Seebad fahren, und das Geld für die Bilder mitbringen. Dass es dem Erpresser nicht nur ums Geld geht, ist Miyako klar, so gut kennt sie...

Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...