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HKIFF 2019 ~ The Fisherman and the Forest (Tomohiko Yokoyama, Japan 2018)


 Interessante dokumentarische Arbeit über einen japanischen Austernfarmer im Tohoku-Gebiet, der bei den Verwüstungen im Jahr 2011 durch den Tsunami alles verliert. Es ist kein Wunder, dass im Bereich Dokumentarfilm die Fokussierung auf gerade dieses Thema, die Nuklearkatastrophe und die Folgen des Tsunamis, noch immer zentraler Bestandteil japanischer Filmgeschichtsschreibung sind, da die Folgen des Desasters noch lange nicht ausgestanden sein werden.

 Dieser Film lebt von seinem sympathischen Protagonisten Shigeatsu Hatakayama aus Kesennuma, etwa 200 Kilometer nördlich von Fukushima in der Präfektur Miyagi, der als Austernfarmer sein Auskommen verdient. Sogar Der Spiegel berichtete im Jahr 2011 mit dem Titel: "So löschte die Flut Kesennuma aus", und die Süddeutsche Zeitung zeigte 2016 eine Bilderstrecke, wie es dort "heute wieder" aussieht. Herr Hatakayama legt allerdings selbst Hand an, denn er glaubt an ein gut funktionierendes Ökosystem, das sich gegenseitig bedingt. 

 Wie er seine Austernbänke pflegt und nach dem Unglück wieder neu installiert, mit gemeinsamer Kraft und Hilfe aller verbliebenen Nachbarn, so kümmert er sich auch um das große Waldareal landeinwärts auf den Hügeln hinter der zerstörten Stadt. Er bringt den Wald zurück zum Meer, kümmert sich um den Bestand des Planktons, fängt Fische mit komplizierten Astkonstruktionen, und lässt sich vor allem nicht unterkriegen. Nachts sieht man ihn alleine in seinem Haus am Schreibtisch sitzen und Bücher wälzen - ein Intellektueller und Handarbeiter zugleich, 

 Eine schöne Dokumentation, die das Motto Gemeinsam können wir es schaffen! zum Inhalt hat, ohne dabei in den Kitsch abzudriften. Ein ungutes Gefühl bleibt aber dennoch, wenn sich allzu sehr auf die positiven Seiten konzentriert wird. Ein größerer, gesellschaftskritischer Rahmen bleibt weitestgehend ausgespart, etwa wie groß die Verheerungen bei den Einwohnern war, oder wie die Regierung im Ernstfall reagierte. Shigeatsu Hatakayama würde darüber ohnehin niemals klagen: er nimmt die Dinge selbst in die Hand, und zuckt mit den Achseln, behält Trauer und Schmerz lieber für sich. Er hat seine Mutter beim Unglück verloren.

Michael Schleeh

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Bild-Nachweis (c) Ryo Murakami/UNU

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