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Der Heilige (Yoshikichi Furui, Insel Verlag / Japanische Bibliothek, 1993; Original: "Hijiri"『聖』Shinchôsha 1976)


 Auf Yoshikichi Furui (古井由吉, *1937), der in Japan alle wichtigen Literaturpreise gewann und den man im Westen kaum kennt - auch weil sein Stil schwierig und komplex und deswegen schwer zu übersetzen ist, bin ich durch die Dokumentation BOOK PAPER SCISSORS des Nippon Connection Filmfestivals aufmerksam geworden, in der ein Graphiker in Handarbeit einzigartige Buchdesigns anfertigte. Ebendort wurde auch Furui interviewt. Der Roman DER HEILIGE war lange der einzige in eine westliche Sprache übersetzte Roman Furuis, und ich vermute, er war sicher kein Verkaufserfolg. 

 Sehr komplex wird hier eine psychologische Isolations-Erzählung mit Ähnlichkeit zu Abe Kobos mystischem Roman FRAU IN DEN DÜNEN entwickelt, eingebunden in japanische Volksmythen, den Buddhismus, Shinto- und Taoismus-Rituale. Der Heilige als Mittler zwischen Diesseits und Jenseits, im Spinnennetz einer erotischen Dorfschönheit, die mit Sake und körperlichen Zuwendungen einen jungen Mann becirct, um die Großmutter ins Jenseits zu geleiten.

 Teils schwer zu lesen ist dieser Text, da der Erzähler bisweilen in eine kollektive Erzählstimme kippt, die generationenübergreifend Handlungsbögen vereint. Zwischen Erotik, Gewitter, Schlammladungen, Gebeinen der Ahnen und Sake-Rausch entfaltet sich hier ein rurales Panorama in einem einsamen Bergdorf, das von der Großstadt bedroht ist. Beeindruckend und unvergesslich.


Michael Schleeh

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