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Mondomanila (Khavn de la Cruz, Philippinen / Deutschland 2012)

Das philippinische Independent-Punk- enfant terrible KHAVN hat einen neuen Film gemacht, der seit gestern sogar in ausgesuchten Kinos läuft und von REM sowohl produziert wurde als auch vertrieben wird. Ein wilder Ritt in das Herz der Dunkelheit Manilas ist das, und ich darf sagen, er gefällt mir ähnlich - aber anders - gut, wie VAMPIRE OF QUEZON CITY . Jedenfalls, er ist ein Film, der sich zwischen alle Stühle setzt. Und MONDOMANILA ist vor allem eines: er ist nicht kompatibel – nicht zu unseren Sehgewohnheiten, nicht zu den Ansprüchen unseres sogenannten Arthousekinos, das eigentlich ein mit schönen Bildern konsumierbar gemachtes, abgemildertes Betroffenheitskino ist, und auch nicht zum Imperativ der politischen Correctness der Alternativkulturen. Khavn schert sich offensichtlich einen Scheißdreck um das alles. Nur gut kommen, das muss es. Für Hard Sensations habe ich mir den Film angesehen, ebendort findet ihre meine Filmkritik . ***

Solang ich lebe / Jab Tak Hai Jaan (Yash Chopra, Indien 2012)

Der stille Eigenbrötler Samar (Shah Rukh Khan) arbeitet für das indische Militär als Bombenentschärfer, wo er sich einen legendären Ruf als "Mann, der nicht sterben kann" erworben hat. Im Gegensatz zu seinen Kollegen trägt er bei seinen Einsätzen nämlich keinen der dicken, unförmigen Schutzanzüge und Gesichtsmasken, sondern geht mit bloßen Händen und im Grünzeug an die Sache ran. Weshalb nun der schöne Unzugängliche so rücksictslos mit seinem Leben spielt, diese Geschichte erzählt JAB TAK HAI JAAN. Es ist freilich die Geschichte einer unerfüllten Liebe, die hinter seinem persönlichen Unglück steht. Die eines Schwurs im Geiste der Religion, die seine Geliebte von ihm fernhält. In einem Rückblick blättert der Film die Geschichte der beiden ungleichen Liebenden auf: in London soll die schöne Meera (Katrina Kaif), Erbin eines Supermarkt-Tycoons (Anupam Kher), an einen erfolgreichen Karrieremenschen verheiratet werden. Da sie der Augapfel des Vaters ist, wagt sie nicht zu ...

That Girl in Yellow Boots (Anurag Kashyap, Indien 2010)

Das junge Mädchen Ruth aus England (Kalki Koechlin) reist nach Indien um ihren Vater zu finden. Der hatte ihr zum Abschied einen mysteriösen Brief hinterlassen, allerdings ohne seinen Aufenthaltsort mitzuteilen. In Mumbai findet sie Arbeit in einem Massagesalon und verdient sich dort das Geld, um weitere Nachforschungen über den Vermissten anzustellen. Dass sie dort auch sexuell ausgebeutet wird, versteht sich: für einen "Handshake" gibt es ein extra Taschengeld. Ihr zwielichtiger Freund ist ein kokainabhängiger Strauchdieb, der sie permanent bedrängt und natürlich dann auch in Schwierigkeiten bringt. Allein schon deswegen, weil er sich mit dem Boss einer Drogenbande anlegt. THAT GIRL IN YELLOW BOOTS ist eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits lassen sich in diesem Film sehr viele bis zum Klischee erstarrten Motive finden - das dreckige, verkommene Mumbai, das Mädchen aus der Fremde in der Großstadt, das in die Prostitution rutscht, der Wahnsinn der Abhängigen, usw ...

Running in Madness, Dying in Love / Kyoso Joshi-ko (Kôji Wakamatsu, Japan 1969)

Noch ein Film von '69, laut IMDb der elfte in diesem Jahr - da kann man nur Beifall klatschen, wie aktiv Wakamatsu in diesem Jahr, überhaupt in diesen Jahren war. Meine Sichtung des Filmes fiel traurigerweise auf seinen Todestag. Mittags las ich zum ersten Mal die Nachricht, dass der in Tokyo von einem Taxi angefahrene Regisseur im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen sei. Kurze Zeit später bestätigten das auf Facebook verschiedene verläßliche Stellen. Abends gab es bereits die ersten Nachrufe. Auch in RUNNING IN MADNESS, DYING IN LOVE stirbt einer: nämlich ein Polizist. Der Film eröffnet mit dokumentarischen Szenen der Jugendrevolte, den Unruhen in Tokyo während der Anpo Proteste. Schwarz-weiße Dokumentarbilder jagen sich, blitzlichtartig werden Zeitungsmeldungen dazwischen geschnitten, atemlose Montage. Dann: plötzlich Farbe. Ein junger Mann rennt völlig erschöpft eine Straße entlang, es ist Nacht, er ist verletzt, Blut läuft über das Gesicht. In einer langen Ei...

Guilty of Romance / Koi no tsumi (Sion Sono, Japan 2011)

 In den dunklen, nur vom Neon der Reklametafeln des tokioter Vergnügingsviertels erhellten Nachtbildern kann man sich als Zuschauer verlieren. So wie sich die Figuren dieses Films verloren haben und auf de Suche nach Erlösung aus ihrer desolaten Situation sind. Sion Sono hat mit GUILTY OF ROMANCE einen äußerst hypnotischen Film geschaffen, in dem die Geschichten dreier Frauen zusammenfinden. Drei Frauen, die auf unterschiedliche Weise zu sich selbst kommen wollen, und deren Schicksal irgendwie mit dem brutalen Mord an einer Unbekannten zusammenhängt, deren Leiche am Anfang des Films von der Polizistin gefunden wird. Abgetrennte Gliedmaßen, abgetrennter Kopf. Nur der Rumpf bleibt übrig, an den die mechanischen Teile aus dem Ersatzteillager einer Schaufensterpuppe gefügt sind. Später dann werden ihre Überreste gefunden, in einer Sporttasche, aber da is der Film bald zwei Stunden alt. In diesem Film, der in wie hyperrealistischen Bildern des Exzesses sowohl innerhalb des Genre...

The Notorious Concubines / Kinpeibai / Chinesischer Liebesreigen / Die sechs Frauen des Ching (Kôji Wakamatsu, Japan 1969)

Wakamatsus erotisches Historienepos THE NOTORIOUS CONCUBINES basiert lose auf einem chinesischen Sittenroman mit pornographischem Inhalt namens Jin Ping Mei (aka The Golden Lotus (US-Titel)) aus der Spätzeit der Ming-Dynastie des 16. Jahrhunderts. Um der Zensur zu entgehen wurde die erzählte Zeit ins 11. Jahrhundert in die Provinz Shandong verlegt, in der ein reicher Apotheker (im Film ein unersättlicher Aristokrat) etliche außerhäusliche Affären pflegt, obwohl auf ihn zuhause bereits sechs Ehefrauen warten. Im Roman werden angeblich über 100 explizite Sexszenen ausgeführt, im Film sind es ein paar weniger, die allerdings einige exploitative Genüsse versprechen. Jedoch, es kommt alles anders. Irgendwie als Kostümfilm angelegt, vermag hier nichts so recht zu überzeugen. Bis auf ein paar Oberweiten ist nichts zu sehen, etwas Blut hin und wieder und unscharfe Orgienszenen. Der moralische Verfall ist also das, was eigentlich schockiert. Oder auch nicht. Fraglich ist, ob die ungeschnit...

Project K - The Korean Filmfestival - in Frankfurt am Main

Eine sehr feine Veranstaltung wurde hier ins Leben gerufen: das koreanische Film- und Kulturfestival Projekt K startet diesen Freitag in Frankfurt auf dem Uni-Gelände (dort, wo auch immer die Nippon Connection stattfand) und es werden insgesamt 19 Filme gezeigt vom 12.10. - 14.10.12 (auf dem Campus Bockenheim im Studierendenhaus). Die Filmauswahl ist nicht allzu ausgefallen - wer sich im Filmland Korea auskennt, hat sicherlich schon einiges davon gesehen. Für den Neueinstieg oder eine Wiederbegegnung aber eine großartige Sache. Es finden sich aber auch einige Perlen, etwa kann man der Deutschlandpremiere von Kim Ki-duks PIETA beiwohnen, oder einem Screening des just erschienenen ARCHITECTURE 101. Alles in allem läuft da beinah jeder koreanische Film, der in den letzten Jahren internationale Bekanntheit errungen hat, sei es MOTHER, THIRST, CHASER, OLDBOY oder einer meiner liebsten Filme des Jahres 2011: Na Hong-jins genialer THE YELLOW SEA. Das Festival sollte man sich nicht entgehe...