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BiFan 2015: Love & Peace (Sion Sono, Japan 2015)

When a man loves a turtle: Salaryman Ryo Suzuki (Hiroki Hasegawa) wird von allen Kollegen permanent gemobbt. Kein Wunder, macht er doch fast alles falsch, hängen ihm tagein, tagaus die Mundwinkel herab und seine Schüchternheit versucht er hinter den langen Haaren zu verbergen. Außerdem hat er sich in eine Brillenschlange verkuckt, ebenfalls, natürlich, eine Außenseiterin (Kumiko Aso). Zum Trost für dieses trübe Dasein wendet sich der Einzelgänger abends an seine Schildkröte namens Pikadon (Pika, Pika-chan), die er auf dem Dach gefunden hat. Sie hat immer ein offenes Ohr für ihn und ist ihm treu ergeben. Dass "Pikadon" auch der Name einer Atombombe ist, lernt man bald aus dem Fernsehen und lacht über die groteske Schere zwischen Bezeichnung und Bezeichnetem - ahnt dabei natürlich die Wandlung zum Kaiju-Monsterfilm voraus. Das kommt dann auch, aber viel später. Davor wird das Tier per Toilette genrefilmgemäß unfreiwillig entsorgt und landet in der Kanalisation beim Weih...

BiFan 2015: Korean Independents - The Stone / Dol (Cho Se-rae, Südkorea, 2014)

Was erstmal am stärksten wirkt: Die Hände hämmern die Steine aufs Spielbrett, und nur bei äußerster Erregung landet einer im Nirgendwo. Go ist ein Brettspiel großer Konzentration und Könnerschaft, und wenn einer mal durchdreht, dann kann er kein Meister sein. Vielleicht ist er dann "military level 3", wie einer der Gangster im Film, einer, dem die Selbstbeherrschung in den entscheidenden Momenten fehlt. Das kann und soll man moralisch lesen als Metapher auf das Leben. Der Film bietet das an. Allerdings sind auch die Go-Spieler, die zu bescheiden sind, sich "Meister" zu nennen, nicht immer auf dem Pfad der Erleuchtung. Häufig sind es abgerissene Gestalten, die bei getürkten Matches die Kontrahenten ausnehmen. Diese Gambler sind dann eben auch schon Kleingangster, auch wenn die sich das nicht eingestehen wollen. THE STONE ist ein fulminanter, dreckiger kleiner Independent-Film, gedreht mit dem Geld eines privaten Mäzens, wie beim anschließenden Q&A zu ...

9413*, Hongkong/Seoul-Tagebuch, Teil 3

Es scheint, als habe die mediale Propaganda-Maschinerie ihr Ziel erreicht: Während sich für einen Flug nach Okinawa am Schalter nebenan früh eine beachtliche Warteschlange bildet, sind wir auf dem Flug nach Seoul insgesamt zu fünfzehnt - 10 maskierte Passagiere, 5 unmaskierte Crew-Mitglieder. Nun ist es ein früher Flug einer regionalen Hongkonger Billig-Airline, voll wäre das Flugzeug auch unter normalen Umständen wohl nicht gewesen. Dennoch hat die Situation etwas Gespenstisches. Am Flughafen in Incheon dann ist davon wenig zu spüren. Eine Schleuse zum Temperaturmessen, ein paar Maskierte hier und da, aber sonst business as usual, so scheint es. Mein erster Eindruck von Seoul nach der knapp vierzigminütigen Fahrt in die Stadt: größer, weitläufiger als Hongkong und auch gemächlicher, einschließlich der wahrscheinlich langsamsten Rolltreppen, die es irgendwo auf der Welt gibt. Und was die nächsten Tage immer wieder zum Hindernis wird: fehlende Sprachkenntnisse allenthalben, hier Korea...

9413*, Hongkong/Seoul-Tagebuch, Teil 2

Da wählt man aus Jux einen Titel - und schon kommt die Realität dem Sprichwort näher, als es einem lieb ist: 9413 und MERS allenthalben. Die TVB-Nachrichten schießen sich darauf ein, China gibt eine Reisewarnung für Südkorea heraus, in Seoul verweilende Studenten aus Hongkong treten mitten im Semester die Flucht an (und werden prompt vom Dozenten rausgeschmissen). Und das alles obwohl sich bislang alle Verdachtsfälle in Hongkong als negativ herausgestellt haben. All das erinnert an die Berichterstattung deutscher Medien zu SARS damals. Dieselbe Hysterie, dieselbe Meinungsmache. Da werden dann auch die nüchternen Einschätzungen der WHO und der südkoreanischen Experten von radebrechenden Hongkonger Ärzten hinterfragt. Bitteschön ja keine Vernunft und Gelassenheit aufkommen lassen. Passend dazu sehe ich Choi Kai-kwongs Indie-Produktion THE SAND PEBBLES, die er selbst in einige Kinos gebracht hat. Choi ist aus seiner Generation einer der wenigen, die immer noch mit allen Mitteln versuche...

Was am 25. Juni 2015 in Wakkanai im Kino läuft...

Wenn man sich auf einer Reise befindet, dann sind oft ganz andere Dinge wichtig, als zuhause. Leidenschaften bleiben in der Regel aber dieselben, sonst wären sie keine. Zum Schreiben bin ich die letzten Monate kaum gekommen, leider, was vor allem daran liegt, dass ich mich für ein Tablet anstatt eines Laptops entschieden habe. Die paar wenigen Texte hier, alles auf dem Handy geschrieben. Also: Mad Max: Fury Road in Hanoi war toll (Kostenpunkt: 2€), die wiederholte Sichtung von The Broken Circle Breakdown allerdings weniger. Hier in Wakkanai, ganz oben im Norden von Hokkaido, wo schon das Ochotskische Meer die kalte Gischt herüberbläst, gibt es ein Kino. Und WLAN. Und das läuft gerade: Shinjuku Swan (Sion Sono) Shinjuku Swan (Sion Sono) Maze Runner Fast & Furious 7 Tomorrowland Cinderella Wird das Kinoprogramm in den großen Städten Japans von einheimischen und asiatischen Filmen wenn nicht sogar dominiert, dann wenigstens ausgeglichen bespielt, so ...

Occult / Okaruto (Koji Shiraishi, Japan 2009)

Nachdem Koji Shiraishi mit seinem Film "Noroi: The Curse" (2005) einen ziemlichen Achtungserfolg hinlegen konnte - sogar in Deutschland ist eine DVD des Films erschienen - bleibt der Regisseur, Screenwriter, Cutter und Cinematographer in Personalunion seinem Thema treu und lässt mit "Occult" einen ganz ähnlichen, vielleicht nicht ganz so dichten Film folgen. Dazwischen: der Horrorfilm "The Slit-mouthed Woman" (2007) und einige bei uns unbekannte TV-Produktionen. Seine Filme werden häufig dem Horrorgenre des "Found Footage" zugeordnet (in der Bugwelle des Erfolges der "Paranormal Activity"-Reihe), auch wenn das im Detail vielleicht gar nicht immer so stimmt. In "Occult" nun geht es zunächst sehr realistisch-naturalistisch zur Sache: der mit Handkamera "zufällig" anwesende Regisseur Koji Shiraishi filmt den grausamen Mord an zwei Touristinnen an einem japanischen Erholungsort: über einer Schlucht sticht ein Amo...

9413*, Hongkong/Seoul-Tagebuch, Teil 1

von Stefan Borsos Eigentlich hätte an dieser Stelle ein Text/Bild-Essay zu Daniel Lee und dessen neuestem Film DRAGON BLADE stehen sollen, aber wie das manchmal so ist, hat sich alles etwas nach hinten verschoben und es ist schon Zeit für den ersten Teil meines Tagebuchs, das ich auf einer Forschungsreise nach Hongkong und Seoul führe und unregelmäßig alle paar Tage hier veröffentlicht wird. Nun hielt sich mein Bedürfnis nach Tagebuchführen bislang in engen Grenzen und auch mein Talent für spannende Alltagsbeobachtungen dürfte allenfalls mäßig ausgeprägt sein. Mögen folgende, mehr oder minder zusammenhängende Impressionen und Notizen dennoch von Interesse sein! Es ist bereits der fünfte Tag in Hongkong und der schwül-heiße Sommer bleibt unbarmherzig. Nichtsdestotrotz scheint in der Filmwelt momentan eine enorme Betriebsamkeit zu herrschen. Carol Lai, Alan Mak und Lawrence Ah Mon befinden sich in der Vorproduktion für neue Projekte, Henry Lai legt gerade letzte Hand an die Filmmusi...