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BiFan 2015: Korean Independents - The Stone / Dol (Cho Se-rae, Südkorea, 2014)


Was erstmal am stärksten wirkt: Die Hände hämmern die Steine aufs Spielbrett, und nur bei äußerster Erregung landet einer im Nirgendwo. Go ist ein Brettspiel großer Konzentration und Könnerschaft, und wenn einer mal durchdreht, dann kann er kein Meister sein. Vielleicht ist er dann "military level 3", wie einer der Gangster im Film, einer, dem die Selbstbeherrschung in den entscheidenden Momenten fehlt.

Das kann und soll man moralisch lesen als Metapher auf das Leben. Der Film bietet das an. Allerdings sind auch die Go-Spieler, die zu bescheiden sind, sich "Meister" zu nennen, nicht immer auf dem Pfad der Erleuchtung. Häufig sind es abgerissene Gestalten, die bei getürkten Matches die Kontrahenten ausnehmen. Diese Gambler sind dann eben auch schon Kleingangster, auch wenn die sich das nicht eingestehen wollen.

THE STONE ist ein fulminanter, dreckiger kleiner Independent-Film, gedreht mit dem Geld eines privaten Mäzens, wie beim anschließenden Q&A zu hören war. Gute Kamera, Seoul-Backstreets, häufig Nachtaufnahmen, Genrefilm. Keine Liebe, und natürlich: keine Väter.

Die Anti-Helden sind also beide auf der Suche nach dem, was ihnen gefehlt hat im Leben: Einem Vater. Und der viel ältere Gangsterboss zwingt den jungen Go-Meister dazu, dessen Lehrer zu sein - der Junge wird der Sensei des Älteren, dass er ihm die Kniffe und die mentale Einstellung zum Spiel nahe bringt. Am Ende zerfliegt alles, was eh schon immer brüchig war in den Querelen der Unterwelt.

Das Bucheon International Fantasy Film Festival im Süden von Seoul, Südkorea, schimpft sich das größte Genre-Filmfestival der Welt, was durchaus anzuzweifeln ist. Mit über 40 Vorstellungen pro Tag ist aber ordentlich Stoff vorhanden für ein paar cineastische Tage, die 11 Kinos sind alle gut zu Fuß oder dem Shuttle-Bus zu erreichen und die Betreuung durch den Staff ist vorbildlich. Die verschiedenen Sektionen wirken etwas willkürlich, allerdings finden sich schöne Glanzlichter, etwa die Retrospektive Simon Yam oder "I am (not) Sion Sono" (ein Spruch, geklaut und umformuliert bei KHAVN), der dann auch zu einem Filmmakers Gespräch vor Ort ist. Gezeigt werden auch seine beiden neuesten Filme TAG und LOVE & PEACE. Schön auch, dass im Programmheft bei allen Filmen das Abspielformat angegeben ist. Filme wie GERMAN ANGST, ALLELUJA oder ICH SEH ICH SEH sind hier übrigens ebenfalls zu sehen.

Michael Schleeh

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