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9 Souls (Toshiaki Toyoda, Japan 2003)



Toyodas vielgelobter Film ist eine Komödie, ein Road-Movie und ein tragisches Drama zugleich: Neun Kriminelle brechen aus dem Gefängnis aus - draußen angekommen merken sie, daß sie eigentlich gar nicht so genau wissen, wo sie jetzt hin sollen. Dummerweise werden sie von der aufdringlichen Polizei gejagt, und nachdem ihre Gesichter im Fernsehen gezeigt wurden und von Plakatwänden herunterschauen, erkennt sie auch noch jeder Dorftrottel. Sie kommen vom Regen in die Traufe.

Die erste Hälfte des Films kommt ziemlich sabuesk daher, allerdings mit einem etwas feineren Ton und weniger grotesk. Wenn die -mittlerweile sympathische gewordene- Männertruppe dann in der zweiten Hälfte nach und nach durch die unterschiedlichsten Ereignisse dezimiert wird, sind einem die Figuren bereits so nahe geworden, daß der Film in derDarstellung der Schicksale sehr berührt und dann enorm traurig wird. Und das völlig ohne Kitsch oder Pathos. Ein phantastischer Gitarrensoundtrack findet ebenfalls Verwendung, ebenso wie der Mut zu experimentelleren Grenzgängen, wenn etwa Szenen in Zeitlupe dargestellt werden oder in subjektive Wunschräume abdriften und imaginierte Geschichten weitererzählt werden - lediglich mit der Brechung, daß die Stimmen nun verhallt sind. Da erreicht der Film Momente voller Traurigkeit und großer Sehnsucht und erzeugt eine Stimmung großer Innigkeit. Freiheit sieht anders aus.

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Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Fallen Angels / Duo luo tian shi (Wong Kar-Wai, Hongkong 1995)

Eine junge Frau (Michelle Reis) streift durchs nächtliche Hongkong: sie ist auf dem Weg in das heruntergekommene Hotel, in dem sie sich bei einem Job, und nur für diesen, einrichten. Die Bewegungen sind fließend, schnell, routiniert. Dann kommt er, der Killer (Leon Lai), bereitet sich vor, läßt sich Zeit, dann geht es los. Irgendwo muß immer irgendwer getötet werden. Mit mechanischer Präzision führt er den Auftrag aus, eine heiße Schießerei, Lebensgefahr, Schnelligkeit kommt vor Schönheit. Die Einsamkeit des Langzeitkillers. FALLEN ANGELS ist der Kinotrip schlechthin. Genre, Bilderrausch, offenes Erzählen. Hier wird nichts erklärt, alles geschieht, irgendwie, ohne begründet zu werden. Die Geschichte formt sich im Laufe des Sehens. Dass es eine Tragödie ist, merkt man erst später. Dazu noch eine Liebestragödie. Denn die Agentin ist in den Killer verliebt, er aber verbietet sich dies. Sie treffen sich nie, alles bleibt anonym, kaltes Geschäft. Da lernt er die Drifterin kennen. Blo...