Direkt zum Hauptbereich

Loft (Kiyoshi Kurosawa, Japan 2006)



Die Schriftstellerin Reiko versucht durch die Flucht aus der Großstadt in die Provinz einer bevorstehenden künstlerischen Blockade zu entkommen und landet mitten in einer Geistergeschichte, die nicht zu unwesentlichen Teilen mit einem Kriminalfall verknüpft ist. Denn außer ihr gibt es noch zwei andre aktive weibliche Wesen in diesem am Waldrand - ein phantastisches, leicht industriell anmutendes Setting - gelegenen Haus: eine tausend Jahre alte Mumie und ihre (un-)tote Vormieterin, eine ebenfalls junge Schriftstellerin, die von ihrem Lektor in dieses Haus gelotst wurde.

Kurosawa baut sehr geschickt die Spannung auf: anstatt alle paar Minuten einen Schock sich entladen zu lassen, bricht er die Szene jedesmal einfach ab und schneidet auf einen anderen Handlungsstrang. Genauso verfährt er mit der Musik: aus einem unterschwelligen Schwelen türmt sich dissonanter Terror, bis dieser kurz vor dem Höhepunkt schlicht verpufft - ein Schnitt, und die Musik bricht ab. Das wirkt mitunter verstörender, als gängige Schemata zu erfüllen.

Problematisch allerdings könnte auf so Manchen die bisweilen arg ruhig geratene Stimmung wirken. öfter wirkt der Film etwas lahm, als ob er nicht in richtig in Fahrt käme; schließlich ist doch aber klar, daß Kurosawa genau dieses konventionelle Spannungskino zu vermeiden versucht, und sogar durch die oben geschilderten Abbüche regelrecht sabotiert. In seiner meditativen Ruhe ähnelt dieser Film viel eher einem CHARISMA als einem CURE. Ob einem das gefällt, steht auf einem anderen Blatt.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Nippon Connection 2017: Kohei Taniguchis Independent-Wrestling-Komödie DYNAMITE WOLF (Japan, 2017)

Der kleine Hiroto, oben links außen auf dem Bild, steckt in der Krise: er ist zwar erst in der Grundschule, doch kann er sich partout nicht dafür entscheiden, welchen Freizeit-Kurs er an der Schule belegen soll. Es versucht es mit Fußball, das endet aber dramatisch als Desaster. Da gerät er zufällig in ein Wrestling-Match mit dem berühmten Dynamite Wolf und ist wie elektrisiert: das Spektakel, die Inszenierung, das Toben der Leute vor Begeisterung - ja, da schlägt sein Herz höher und zum ersten Mal lächelt er dann im Film. Seinen Eltern und den Mitschülern erzählt er erstmal nichts von seiner neuen Leidenschaft, ist doch seine einzige Möglichkeit zu trainieren die Bekanntschaft mit einem merkwürdig abgerissenen Gesellen am Flußufer (oben rennend), der mit einer umgebauten Dummy-Sexpuppe als Sparringspartner trainiert. Ob das der richtige Umgang für einen Jungen ist, das darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.
 Aber natürlich, so will es das Gesetz des Films: es hätte ihm nichts Be…

Nippon Connection 2017 ~ Love lost and found in Hakodate: Over the Fence von Nobuhiro Yamashita (2016)

Eine Frau (Yu Aoi) rennt über die Straße, sie streitet sich mit ihrem Begleiter – er soll sich gefälligst mehr um die Kinder kümmern. Plötzlich führt sie einen abgehackten Stakkato-Tanz auf, der, wie man später erfährt, das Balzritual eines (Vogel) Straußes ist. Aus einiger Entfernung betrachtet Joe Odagiri diese absurde Szene und fragt sich  – wie der Zuschauer – ob diese Frau noch alle Tassen im Schrank hat. Er selbst hat Tokio vor ein paar Monaten den Rücken gekehrt, nachdem ihn seine Frau mitsamt der Tochter nach einem tragischen Vorfall bereits vor Jahren verlassen hatte. Nun ist er traumatisiert und arbeitslos und muss an einem Lehrgang zur Schreinerlehre teilnehmen, um weiter Arbeitslosengeld zu beziehen. Mit ihm eine ganze Reihe von Berufsjugendlichen, und diese gründen eine Softball-Mannschaft, da auch die sportliche Fitness vom Staate vorgeschrieben ist. Allerdings stehen sie lieber rauchend in der Ecke und unterhalten sich über alles mögliche, vor allem aber das Leben un…

Nippon Connection 2017: Festivaldiary, Ausrisse

Es ist ein warmer Abend. Wir sitzen zusammen vor der Naxoshalle, während es immer dunkler wird. Ein weiterer Tag der Nippon Connection liegt hinter uns mit all den Filmen, Veranstaltungen, dem Essen, den vielen Begegnungen und endlosen Gesprächen. Man wünscht sich immer den Austausch, während man als Einzelgänger durchs Jahr wandert, angeschlossen an die Gemeinschaft der Gleichgesinnten nur durchs Netz, Twitter und Facebook oder so – hier trifft man sich leibhaftig einmal im Jahr. Und da wird vieles nachgeholt, habe ich den Eindruck. Manche haben ein so großes Mitteilungsbedürfnis, dass der Schwall der Worte im Rauschen des Festivalsounds aufgeht. White Noise Nippon Connection. Man kann sich aber drin treiben lassen, es ist ein gutes Gefühl.

 Der Tag hatte in großer Runde angefangen, beim Bloggerfrühstück in der Naxoshalle. Dankenswerterweise von den Jungs von Schöner Denken organisiert, in Unterstützung durch die Presseabteilung des Festivals. Jeder stellt sich vor, gibt Tipps und …