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Außerasiatische Verirrungen Pt. 5 : TRAS EL CRISTAL / IM GLASKÄFIG (Agustí Villaronga, Spanien 1987)



Der in Spanien untergetauchte KZ-Arzt und Kindermörder Klaus kann auch im Exil seiner verhängnisvollen sadistischen und päderastenhaften Passion nicht abschwören und stürzt sich schließlich verzweifelt vom Dach seines Hauses. Fortan querschnittsgelähmt wird er von der Familie gepflegt und von einer Eisernen Lunge am Leben gehalten. Als der junge Angelo auftritt sein Pfleger zu werden, ändern sich schlagartig die Machtverhältnisse im Haus und ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit kehrt zurück.



IM GLASKÄFIG ist ein wunderbar photographierter Film, dessen Bilder in ein tiefes Nachtblau getaucht sind. Die unheimliche Atmosphäre kontrastiert fantastisch mit dem leicht verwohnten aber doch prächtigen spanischen Herrenhaus, in dem die beiden Frauen, die Gattin Klaus' und die Tochter Rena die einzigen Lichtblicke scheinen. Die tiefen Furchen im Gesicht der Ehefrau und ihr permanentes Rauchen, bei dem sie hinter den Schwaden des Zigarettenrauchs undeutlich wird, deuten schon auf ihr Schicksal hin, das sich in einem gewalttätigen Kampf eruptiv entladen wird.
Der Wahnsinn der Männer führt im Laufe des Spielfilms zu einer krankhaften Form der gegenseitigen Abhängigkeit und gelebtem Sadismus zwischen Lehrer und Schüler, Vater und Sohn, Schänder und Mißbrauchtem, sodaß die Manifestationen der psychen und physischen Wunden teilweise groteske Formen in ihrer bildlichen Entsprechung annehmen. Da erfüllt der Film dann in so manchen Szenen etwas zu sehr sein Soll, in denen er dann beinahe in eine Bühnenhaftigkeit kippt. Doch mindestens der Soundtrack, ein nervenzerreibendes und experimentelles Klanggewitter, hält den Film in der Balance und das Bedrohungslevel konstant.



Auch motivisch ist IM GLASKÄFIG sehr dicht gewebt; eine Zweitsichtung bringt da einiges zutage. Stellvertretend nennen möchte ich das Motiv des Blicks, des Schauens, des Auges. Schon in der allerersten Szene steht es im Mittelpunkt, wenn Klaus den aufgehängten und geprügelten Jungen photographiert. So macht er keine Ganzkörperaufnahme, um etwa den geschundenen Körper zu dokumentieren, sondern er bewegt sich mit dem Objektiv der Kamera ganz nah an das Auge des Kindes heran - mit dem Ziel, den letzten Augenaufschlag, das letzte Blinken vor dem Tod festzuhalten; um so dem Sterben ganz nah zu kommen, beinah um in den Tod selbst einzudringen (eine Parallelisierung der Voyeursszene zwischen uns als Zuschauer und der Filmkamera darf gerne mitgedacht werden). Schaut man den Film unter diesen Vorsätzen, der Angst im Blick des Betrachteten, findet man kaum eine Szene, in der dieses Motiv nicht thematisiert wird, am Offensichtlichsten im gespiegelten, umgelenkten Blick des gelähmten Klaus. Zu diesem Themenkomplex gehört natürlich auch die Thematisierung von Sichtflächen dazu: Scheiben, Fenster, Spiegel, Glasflächen, blinde Fenster, verhangene, die eiserne Lunge usw. usf., ein Thema, das hier den Rahmen sprengt.
In IM GLASKÄFIG gibt es kaum ein Aufatmen, kein Entlassen aus dieser dichten und bedrückenden Welt, diesem tonnenschweren Film- weder innerhalb der Geschichte, etwa durch einen Nebenerzählstrang, noch in der Bildsprache.

Der Film selbst ist ein harter, komprimierter Kristallkäfig aus dem Terror der Abhängigkeiten. Wer bei der Sichtung den Pausenknopf bemüht, bringt sich um die volle Wirkmacht des Filmerlebnisses; und kommentiert doch zugleich, daß dieser Film kaum auszuhalten ist. Eine echte Wucht.

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