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Up the Yangtze (Yung Chang, Canada 2007)




Als der Wasserstandspegel des Yangtze aufgrund des Drei-Schluchten-Staudamms bedrohlich ansteigt, ist die Existenzgrundlage der Familie Yu gefährdet. Sie bewirtschaften ein kleines Maisfeld - eigentlich ein größerer Garten - nahe des Flußufers, und wohnen in einem Haus, das de facto ein besserer Bretterverschlag ist. Viel anderes bleibt der Familie auch nicht übrig, wurde sie doch während der Kulturrevolution aus dem Heimatdorf vertrieben. Da sie sich nun aber quasi illegal am Yangtzeufer niedergelassen haben, steht ihnen auch keine Kompensation für die Umsiedelung zu (wobei fraglich wäre, ob sie diese überhaupt erhalten würden).
Die Hoffnungen liegen also auf Tochter Yu Shui, die mit 16 Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff als Mädchen für alles anheuert, und die mit dem verdienten Geld bald die heimische Familie versorgen muss. Der Dokumentarfilm portraitiert ihre ersten drei Monate auf dem Schiff zwischen wohlgenährten Touristen, engagierten Kollegen, Englischkursen und Mehrpersonenschlafkabine. Dass Yu Shui, die nun "Cindy" heißt, vor Schüchternheit lieber im Boden versinken will, von enormem Heimweh und den Sorgen um die Eltern geplagt wird, versteht sich von selbst.

Der Dokumentarfilm, der unkommentiert Szenen aneinanderreiht, hat einen klaren Auftrag; durch seine unaufdringlichliche Art vermittelt sich die kritische Botschaft aus den Bildern und den Erzählungen der Menschen selbst. Yung Chang gibt dabei sowohl der Monumentalität der Schluchten Raum, als auch der einer Schleusendurchfahrt am Damm, Blicke auf die Großstädte, den Bauboom und die Vernichtung des Kulturgutes am Flußufer. Hitzige Diskussionen auf dem Dorfplatz kommen genauso ins Bild wie genügsames Sich fügen, die Vorzeigewohnungen der Umgesiedelten mit Farbfernseher und frisch gestrichenen Zimmern genauso wie die fensterlose Baracke, in die die Familie Yu ziehen wird. Ernsthaft besorgte und nachhakende Touristen zwischen Mitleid und Faszination, Respekt und Wohlstandsdekadenz, sowie das nur scheinbar ungezwungene Kennenlernen zwischen Jugendlichen, die alle aufbrechen und die Welt entdecken. Dass Chinas ökonomischer und wirtschaftlicher Fortschritt aber auf den Rücken der unzähligen Namenlosen gebaut wird, bleibt dabei immer die Folie, vor der man die Bilder sieht.
So entsteht ein bedrückendes Portrait nicht nur einer individuellen Biographie, sondern das einer ganzen Region, die heute bereits so nicht mehr existiert. UP THE YANGTZE eignet sich hervorragend zusammen mit Zhang Ke Jias STILL LIFE / SANXIA HAOREN gesehen zu werden.



Kommentare

  1. Ich habe mir gerade den Trailer angesehen. Muss ein hinreissender Film sein: Grandiose Bilder, die Verschwindendes festzuhalten versuchen, bemühte Erklärungen ("es muss ein mächtiges Land sein...") - und eine unsägliche Trauer.

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  2. Ja, man ist dankbar, dass jemand dieses Verschinden in Bildern festgahalten hat. Zur Trauer: die Tränen brechen immer wieder durch; doch ist es die stille, innere Trauer und Hoffnungslosigkeit, die sich besonders eindrücklich vermittelt. Etwas was auch mit einem Schulterzucken und Lächeln vor dem übermächtigen System akzeptiert wird als Last. Privat für mich nenne ich das den "chinesischen Geschichtsfatalismus".

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