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Geom-eun jib / Black House (Sin Tae-ra, Südkorea 2007)


Juno ist bei einer Versicherung als Gutachter angestellt und soll eventuelle Versicherungsbetrüger entlarven. Als er zu einem stark verfallenen Haus gerufen wird, ahnt er zunächst nichts Schlimmes, doch entdeckt er dort ein möglicherweise gewaltsam begangenes Verbrechen. Der dubiose Vater der Familie scheint es auf die Versicherungssumme abgesehen zu haben und als diese schließlich ausbezahlt wird, könnte er den Fall eigentlich ruhen lassen. Doch Juno vermutet im Vater einen Mörder, und will unbedingt hinter das Geheimnis kommen. Nicht zuletzt deshalb, da er selbst schon von diesem Mann, den er für einen Psychopathen hält, mehrfach bedroht wurde, da die Auszahlung der Summe etwas gedauert hatte.

Zunächst ist auffällig, wie sehr hier die geordneten Lebensumstände Junos eine Entsprechung in der Bildgestaltung finden: stets werden streng geradlinige geometrische Gegenstände im Bild mit dem Protagonisten eingefangen. Etwa auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz fällt der Blick aus dem Auto heraus auf das Bürogebäude und die strenge Architektur der Parallelität der Geschosse und Fensterreihen. Schnitt an seinen Arbeitsplatz: einzelne Bürocubes in einem Großraumbüro, abgetrennt durch rechteckige Stellwände. Schnitt zu ihm am Schreibtisch sitzend, im Hintergrund links ein File-container mit den geraden Schubladen und dazu die abschließend waagerechte Horizontlinie der Stellwand. Schnitt auf sein Bücherregal, natürlich wieder waagerecht das Bord und senkrecht die Bücher. Direkt danach die Ankunft Zuhause und wie er zur Tür hereinkommt: die Kamera schießt von hinten durch das Bücherregal durch (von der gegenüberliegenden Wand aus). Juno erscheint also wieder in einem streng strukturierten Bild, fast wie in einem Fadenkreuz. Das Handy legt er genau neben das seiner Freundin; er beginnt zu kochen und mit dem Messer schneidet er geübt und genau im rechten Winkel auf dem weißen Brettchen das Gemüse in parallele Streifen. Als er von einer Möhre nascht (und also gegen die Ordnung verstößt) umarmt ihn urplötzlich die Freundin von hinten, die aufgewacht war (der Zuschauer konnte sie auch nicht kommen sehen, und ist genauso überrascht wie Juno).
Als er dann den Auftrag bekommt, sich den neuen Klienten und dessen Objekt in einem gammeligen Vorort anzuschauen – bisher hatte man sich im gelackten koreanische Hightech der Stahl – und Glasarchitektur aufgehalten –, wird er nach dem Weg fragend von einer alten Frau zum Haus über (!) die Eisenbahnschienen hinweg geschickt (er kreuzt also die geradlinigen Schienenstränge): er überschreitet eine Schwelle. Die Dame warnt ihn noch, die Schranke (eine schutzgebende Sicherung für den Fußgänger) sei kaputt, und diese hängt dann tatsächlich schief in der Angel. Zudem ist plötzlich das Wetter verregnet, wo es eben nur bewölkt war. Die Holzbohlen, über die er schreiten wird, sind naß, wohingegen der Weg bisher trocken aussah. Bezeichnenderweise läuft er dann auch nicht um die herabhängende Schranke herum, sondern steigt ungelenk über sie hinüber, nicht ohne sich zwei Schritte später nochmal fassungslos und verwundert nach ihr umzusehen. Der sich anschließende Weg ist schmutzig und voller Pfützen und geht bergauf.

Wenn das keine schlechten Vorzeichen sind! Es steht zu vermuten, daß die geordnete Welt des Versicherungsangestellten Juno ausgehebelt werden wird, eben aus den wohlgeordneten Fugen gerät. Hier also ein kleines Beispiel, wie fein in diesem Film Inhalt und Form verschränkt sind.
Leider bröselt der Film in der zweiten Hälfte ziemlich auseinander. Er entwickelt sich von einem Thriller zu einem Slasher, und das, obwohl ein stimmungsvoller Geisterhausgrusler zu erwarten wäre. Zugegeben – er wird unglaublich spannend, findet aber seinen Höhepunkt in einer unmotivierten Slaughterhouse-Szene, die mich vom Look an den Keller in SAW erinnert (gähn). Es wird also munter geklaut. Man lass die Hoffnung auf Qualität fahren und setze also auf den puren Thrill, und das Adrenalin kommt. Ganz sicher. Aber wenn der Film dann nicht enden will und noch eine Wendung und noch ein Twist kommt, dann macht sich trotz der ständigen Spannung ein Genervtsein breit.

Unterm Strich also bleibt: eine sehr gute erste Hälfte, und eine sehr spannende zweite, die den Film aber leider ungewollt bagatellisiert. Da sich der Film fortan einem aktuellen Slashergehabe andient und dadurch redundant wird, ist man schlußendlich etwas enttäuscht. Man fragt sich, warum er nicht mehr seiner Atmosphäre vertraut, anstatt auf handelsübliche Gewalt zu setzen. Schade, dennoch nett anzusehen.

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Michael Schleeh
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