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Tora-san: Our Lovable Tramp / Otoko wa tsurai yo / Tora-San 1 (Yoji Yamada, Japan 1969)



Nach zwanzig langen Jahren des Umherstreifens kehrt Torajiro (Kiyoshi Atsumi) nach Hause zurück: nach Shibamata, einem Vorort von Tokyo. Seine Schwester Sakura (Chieko Baisho) lebt mittlerweile bei Onkel und Tante, da die Eltern verstorben sind. Dort wird er mit offenen Armen empfangen, auch wenn alle wissen, was er für ein Herumtreiber ist. Sakura steht kurz vor der Hochzeit mit dem Sohn eines reichen Industriellen. Somit wäre für ihre Absicherung gesorgt. Zum gemeinsamen Essen mit dessen Eltern nimmt sie Tora als Begleitung mit; das allerdings war ein Fehler: in fantastisch kopfloser Weise betrinkt er sich und ruiniert mit seiner gespielten weltläufigen Gesprächsführung die Zusammenkunft - er verstößt in jeder Form gegen die gebotene Etiquette. Wie er auch im Folgenden, wenn er sich in die Brust wirft, um etwas für andere zu regeln, ein pures Chaos schafft und alles durcheinander bringt.

Der Film allerdings ist keine reine Komödie. Denn Tora werden die Verfehlungen vorgehalten, ihm wird immer klar gemacht, was er für ein verantwortungsloser Herumtreiber und Tagedieb ist. Sein guter Wille allerdings wird auch erkannt, und letztlich werden beide Augen zugedrückt, und er wird in den Schoß der Familie wieder aufgenommen. Allerdings nur bis zum nächsten Debakel, das alle an den Rand der Verzweiflung bringt, Tora wieder seinen alten, abgenutzten Koffer packt und sich auf die Reise macht.

 
Regisseur Yoji Yamada hat mit seiner Tora-San - Figur bestes, intelligentes Feelgood-Kino geschaffen - aber nicht ausschließlich. Denn zugleich gelingt es ihm, Raum für ernstere Töne zu lassen und auch gesellschaftskritische Aspekte einzubinden. Deutlich wird das bei der Hochzeit Sakuras und der Rede des Brautvaters, gespielt von Takashi Shimura. Eine zugleich rührende Szene ist das. Aber hinter der Komödie scheint auch immer die Tragödie hindurch. Das Tragische ist Tora-sans Charakter inhärent; letztlich ist er zerbrechlicher, als es den Anschein hatte.

Die Tora-San Filme wurden ein riesiger Erfolg in Japan und bescherten der Produktionsfirma Shochiku ein gesichertes finanzielles Fundament. Kein Wunder also, daß Yamada bald im Jahreshythmus ein bis zwei neue Folgen der Serie abdrehte - und alle wurden begeistert aufgenommen. So entstand eine der größten Serienfilmreihen der Welt. Yamada drehte 46 der insgesamt 48 Teile, und man weiß nicht, wieviele noch gekommen wären, wäre nicht 1996 der Hauptdarsteller Kiyoshi Atsumi verstorben. Yamada allerdings dreht weiter und weiter; so folgte mit großem internationalem Aufsehen seine Samurai-Trilogie TWILIGHT SAMURAI, THE HIDDEN BLADE und LOVE AND HONOR, sowie jüngst sein emotional überwältigendes Familiendrama KABEI: OUR MOTHER.


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