Direkt zum Hauptbereich

Jun kissa Isobe / Authentic Café Isobe (Keisuke Yoshida, Japan 2008)


Als Yujiro Isobe, ein Bauarbeiter und liebenswerter, von seiner Frau getrennt lebender Loser eine Menge Geld erbt, entschließt er sich aus einer Laune heraus, ein Café zu eröffnen. Seine verantwortungsbewußte Tochter, die bei ihm aufwächst (und auf ihn aufpaßt), schlägt bei diesem Himmelfahrtsprojekt nur die Hände über dem Kopf zusammen: das kann ja nicht gut gehen!
Doch nach und nach füllt sich das Kaffeehaus, vor allem Dank der hübschen Serviererin Kumiko, die, kurz berockt, die Gäste lockt. Auch ein gut aussehender Schriftstellerjüngling sitzt Tag für Tag an seinem Platz, und ein zartes Pflänzchen der Liebe sproßt in Tochter Sakikos Herzen; plötzlich ist das Kaffeehaus auch zu ihrem Mittelpunkt im Leben geworden. Doch dann kommt alles anders...

Yoshida gelingt eine wirklich wundervoll inszenierte Komödie, die Dank ausgezeichneter Darsteller und extrem gut getimter, häufig leiser, Pointen enorm zu unterhalten weiß. Da das Leben aber keine Sahnetorte ist, schleicht sich zusehends ein ernster Ton in den Film, der dann - völlig überraschend - mit ein paar emotional hammerharten Szenen aufwartet. Umso mehr steigt meine Bewunderung und Verehrung für diesen stilsicheren Film, der es schafft, beinah jedes Klischee zu umschiffen und in seinen Dialogen völlig zu überzeugen weiß. Ein ausgezeichneter Film.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

Two famous female writers from Japan: Yû Miri's 'Tokyo Ueno Station' & Hiromi Kawakami's 'People from my Neighbourhood'

TOKYO UENO STATION is not a straight narrative, but rather a quite experimental novel. As "the plot" unravels in flashbacks - by an obscure, already seemingly dead medium floating around Ueno park, the story of a life of hardship  is slowly being revealed. Of heavy labor, broken families, financial troubles and finally: homelessness. This is not the exotistic Japan you will find on a successful youtuber's channel. The events get illustrated by those of "greater dimensions", like the historical events around Ueno park hill during the Tokugawa period, the Great Kanto earthquake, the fire bombings at the end of WW II or the life of the Emperor. Quite often, Yû Miri uses methods of association, of glueing scraps and bits of pieces together in order to abstractly poetize the narrative flow . There are passages where ideas or narrative structures dominate the text, which only slowly floats back to its central plot. TOKYO UENO STATION is rather complex and surely is n...

Woman of the Lake / Onna no mizumi (Yoshishige Yoshida, Japan 1966)

Die schöne und unglücklich verheiratete Miyako (Mariko Okada) hat eine Affäre mit dem jungen Kitano (Tamotsu Hayakawa), mit dem sie sich tagsüber in Hotels im Stadtzentrum trifft. Ihr Gatte Yuzo (Shinsuke Ashida) scheint davon nichts mitzubekommen; er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann mit einer deutlich wertkonservativen Einstellung. An einer Stelle im Film sagt er einmal, eine gute Ehefrau sei leicht wie ein Lufthauch, man würde ihre Gegenwart niemals bemerken. Diese Ruhe ist nun bedroht, da Kitano von Miyako im Hotel erotische Nacktbilder gemacht hat, die Miyako dummerweise auf dem Heimweg vom Stelldichein in der Tasche mit dabei hat. In dieser Nacht wird sie von einem Unbekannten bedrängt - und sie wehrt sich mit der Tasche, worauf ihr der Mann sie entreißt. Am nächsten Tag bekommt sie einen Anruf von dem Erpresser, sie solle zu ihm in ein Seebad fahren, und das Geld für die Bilder mitbringen. Dass es dem Erpresser nicht nur ums Geld geht, ist Miyako klar, so gut kennt sie...