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The Housemaid / Hanyo (Kim Ki-young, Südkorea 1960)


Darcy Paquet schätzt THE HOUSEMAID als einen der drei besten koreanischen Filme aller Zeiten ein. Das muss man nicht überbewerten, steuert die Erwartungshaltung aber natürlich trotzdem entsprechend. Und dann hat sich mir der Film als extrem spannendes, häufig klaustrophobisches Familiendrama präsentiert, das mehr als einmal die Schwelle zum Horrorfilm übertritt. Er ist zudem sehr zügig montiert, beinah atemlos könnte man sagen, und findet immer wieder beeindruckende schwarz-weiß-Bilder, die sich ins Gedächtnis einbrennen.

Ein Musiklehrer und Familienvater empfängt zu Hause Klavierschüler um sein Einkommen aufzubessern. Obwohl es finanziell eigentlich gut um die Familie bestellt ist, sind es vor allem die materiellen Gelüste seiner Gattin, insbesondere der Wunsch nach einem eigenen Haus, die die monetäre Situation belasten. Da sie zudem auch noch mit dem dritten Kind schwanger ist, braucht man schließlich eine Haushälterin – die Arbeit ist nicht mehr allein zu stemmen. Eine Schülerin empfiehlt eine Bekannte, die schon mit einem merkwürdig schiefen Blick zur Tür hereinkommt – und der Zuschauer sieht gleich: diese Frau bedeutet Ärger. Als sich eine Schülerin später das Leben nimmt, da die Liebe zum Klavierlehrer unerfüllt bleibt (und er mit den Schuldgefühlen und Vorwürfen zurecht kommen muss), sieht die Haushälterin ihre Stunde gekommen und verführt den Mann. Einmal schwanger geworden, beginnt die Frau, die ein schwereres mentales Problem zu haben scheint, die Familie zu terrorisieren. Das häufige Insbildrücken eines Fläschchen Rattengifts aus dem Küchenschrank spricht für sich selbst und schwebt wie ein Damoklesschwert über der Familie. Keiner weiss, wie der andere handeln wird – über allem liegt ein Atmosphäre der vollkommenen Verunsicherung.

Ein zentraler Bestandteil der verstörenden Atmosphäre des Films ist der Innenraumgestaltung der Wohnung zuzuschreiben. Obwohl sich diese weitläufig über zwei Etagen erstreckt, verbunden durch eine steile Treppe, die es sich gut hinunterstürzen lässt, hat man stets das Gefühl, sehr beengt zu sein. Und obwohl große Fensterflächen überall vorhanden sind, brennt in den Zimmern immerzu ein Licht. Oft spielt die Handlung auch im Dunkel des Abends, in dem dann die Haushälterin als unheimliche Spukgestalt mit diabolischem Grinsen am Fenster urplötzlich erscheint. Beinahe also meint man es hier mit einem britischen Gothic Horror - Film zu tun zu haben (die nach Brokatmuster gefertigten Tapeten sprechen dafür, die Familienbilder, die Leuchter und Winkel, die schiefen Kamerapositionen, die die Seitenverhältnisse verzerren), die Zitate des Viktorianischen sind offenkundig.

Der Film schlägt, obwohl er auf den ersten Blick nach einem bedächtigen Klassiker aussieht, ein wie gesagt sehr hohes Tempo an, spart nicht mit skurilen Ideen – etwa wie der Bruder die behinderte Schwester hänselt – und kann auch auf der Tonspur durch sein atonales Geräuschdesign punkten. Über den Abspann ließe sich noch diskutieren, allein, hier ist kein Platz dafür. Eher für den Verweis auf das Remake von Im Sang-soo, das einige Beachtung gefunden hat, und das 2010 in Cannes lief. Das Original von Kim ist schon seit längerem legal und gratis, in voller Länge, und in der restaurierten Fassung (also in exzellenter Qualität) als Stream auf mubi.com zu sehen. Diesen Film sollte man sich nicht entgehen lassen.

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