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Hellsing Ultimate OVA (Kohta Hirano, Studio Satelight, Japan 2005) [Episode 1]




In einem heutigen, aber dennoch fiktiven Großbritannien bekämpft der geheime protestantische Hellsing - Ritterorden Vampire und Zombies. Führerin ist Lady Integra Wingates Hellsing, die ihren Vorsitz vom Vater geerbt hat und in einem großen Anwesen residiert. Das groß angelegte, dunkle Epos verhandelt im Weiteren den Kampf gegen die überhand nehmenden "Freaks", Ghouls, die mithilfe eines Computerchips künstlich geschaffen wurden - im Gegensatz zu den "Natives", die auf üblichem Wege zu Untoten wurden. In der ersten Episode der OVA (eine besonders werkgetreue, sich genau an den Bänden des Mangas orientierenden Verfilmung) wird lediglich die Vorgeschichte abgehandelt und die Figuren werden eingeführt.

Alucard, der Obervampir im Dienste der Organisation

Besonders brisant ist dabei ein Einsatz in Irland, da hier dem protestantischen Orden die Geheimorganisation des Vatikans, die sogenannte Iskariot-Organisation, dazwischenkommt. Und mit ihr ein erbitterter Gegener, Alexander Anderson, ein durch genexperimente mutierter Superkämpfer und Vampirhasser. Als Waffe dienen ihm geweihte Bajonette und herumfliegende Bibelseiten, die dem Gegener Wege versperren können, oder ihm die Sicht nehmen (Anspielung intended). Also ein Feind Alucards.

Seras Victoria, die Protagonistin

Die erste Folge der OVA ist für einen HELLSING-Neuling recht schwer zu verstehen, ganz einfach deswegen, weil in sehr rasantem Tempo die Geschichte eingeführt wird mitsamt dem politischen Kontext und der Etablierung des Übernatürlichen und Fiktiven, sowie die Figuren inklusive ihrer Vergangenheit vorgestellt werden. Die ersten zwanzig Minuten musste ich zweimal anschauen sowie ein wenig im Netz herumlesen, um alles genau mitzubekommen. Schlimm ist das nicht, es erfordert nur eine sehr genaue Aufmerksamkeit.

Let the Bullets fly!

Alucard (ein Anagramm für "Dracula")  ist in der ersten Episode die interessanteste Figur. Ein mächtiger Vampir, der von Lady Integras Vater in den Keller eingesperrt und mit Siegeln gebannt wurde, wird von Lady Integra in größter Not befreit, da diese vom eigenen Onkel, also dem Bruder des Vaters, bedroht wird. Er trachtet ihr nach dem Leben, da sie das Familienerbe antreten soll, und nicht er selbst. Er schießt ihr dann auch rücksichtslos in die Brust, doch das verspritzende Blut erweckt Alucard aus seinem Dämmerschlaf und dieser macht dann mit dem Bruder kurzen Prozeß. Im späteren Verlauf gibt es dann eine interessante Parallele, da Seras Victoria, die Polizistin ist, bei einem Einsatz ebenfalls in die Brust geschossen wird - und zwar von Alucard, der einen Vampir tötet, der sich die junge Frau zum Schutzschild genommen hatte. Doch Alucard feuert trotzdem. Hier erkennt man schon deutlich die rücksichtslose Konsequenz, mit der Alucard seine Ziele zu erreichen sucht, wie weit er zu gehen bereit ist. Seras Victoria würde freilich sterben, sollte Alucard sie nicht ebenfalls zur Vampirin machen. Dass er sie rettet, ist dann ein weiterer, eigener Erzählfaden.


Dass der Einsatz in Irland auf die dortigen politischen Verhältnisse verweist, dürfte dem uninformiertesten Zuschauer auffallen. Inwieweit dieser Aspekt relevabt wird, denn eigentlich geht es auch um einen Kampf um die Vormachtsstellung der beiden Konfessionen, kann ich noch nicht beurteilen. Es erinnert in seiner Verwendung realpolitischer Geschichte aber deutlich an die quasirealen, fiktiven Ereignisse in ABRAHAM LINCOLN: VAMPIRE HUNTER, der die Geschichte Amerikas, die Biographie Abraham Lincolns mitsamt dem Bürgerkrieg als Invasion der Vampire neu erzählt. Hat man sich da bei HELLSING bedient? Auch dort gibt es übrigens einen mächtigen Vampir, der verdeckt im Dienste der Menschheit tätig ist: Lincolns Verbündeter Henry Sturges. Die Verfilmung von Timur Bekmambetov kommt demnächst ins Kino.

Anderson, der Abgesandte des Vatikans
Die erste Episode von HELLSING also war überwältigend, im positiven wie im negativen Sinne. Sehr viel Informationen, nicht einfach, sich zurecht zu finden; dann aber: schnell, blutig, düster. Nicht zu übertrieben, es wird nicht alle Glaubhaftigeit den fiktiven Möglichkeiten geopfert. Dennoch fand ich die 50 Minuten anstrengend, da es keine wirkliche Plotlinie gibt, keine natürlich entwickelte Geschichte. Episode 1 scheint mir eine reine Einführung zu sein, die das Fundament für die weitere Erzählung legt.

Alucard, Man of Bats

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