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Veteran (Ryoo Seung-wan, Südkorea 2015)


 Wenn man sich auf etwas verlassen kann, dann die Tatsache, dass man, bei eigentlich egal welchem Film aus Südkorea, immer (mehr als) sehr ordentliche production values zu sehen bekommt. Da steckt in jeder Produktion erstaunlich viel Geld drin (vielleicht abgesehen von in Ungnade gefallenen Regisseuren wie KIM Ki-duk, von dessen letztem Film überhaupt niemand mehr spricht) - und ebenso hart ist es, sich auf diesem Markt zu behaupten. Wo sähe man nicht jedes Jahr unzählige neue Talente relativ große Filme machen, die danach völlig von der Bildfläche verschwinden? Und Ryoo Seung-wan gehört definitiv nicht dazu: THE CRYING FIST, CITY OF VIOLENCE, ARAHAN oder THE BERLIN FILE gehören zu seinem Oeuvre und da verwundert es nicht, wenn sein letzter Film VETERAN in Korea an den Kinokassen völlig abgeräumt hat. Es soll der vierterfolgreiche koreanische Film aller Zeiten sein und man sieht schon nach wenigen Minuten, warum das so ist: eine hochoktane Actionkomödie mit beliebten Darstellern, die sich nie zu schade dafür ist, humorig und albern zu sein - und zugleich Vollgas zu geben. 

Es geht um einen superslicken Business-Tycoon, aus einer reichen Familie stammend, der sich wie ein Tyrann gebärdet. Nicht nur im geschäftlichen, sondern auch im privaten Bereich. Seoul gehört ihm, das merkt man schnell. Das Netzwerk, das er aufgebaut hat, ist undurchschaubar und weitverzweigt. Als eine Polizeieinheit einen vermeintlichen Selbstmord eines Lastwagenfahrers untersucht, bemerkt sie, dass da etwas nicht stimmen kann und kommt so nach und nach hinter die illegalen Machenschaften dieses Geschäftemachers. Doch sein Einfluss macht auch vor der Polizeibehörde selbst nicht halt. Einer der Cops lässt sich jedoch nicht einschüchtern - er ist der titelgebende "Veteran", wie er einmal von seinen jüngeren Kollegen bezeichnet wird, und dieser will ihm das Handwerk legen. Ein durch und durch generischer Plot also, hundert mal gesehen und also zunächst wenig erquicklich. Dass sich das bald ändert, liegt einerseits an der klug verschachtelten Struktur des Films, an den eingewobenen Subplots etwa, als auch am spielfreudigen Cast, der hier eine irre überzeugende Arbeit abliefert. Den fahlen Geschmack im Mund wird der Film aber niemals ganz los - er ist eben dann doch nur ein weiterer Polizeifilm unter vielen anderen. Zwar nicht völlig austauschbar, aber es ist wenig Fleisch an ihm dran, das aus der Masse herausstechen würde.

Indes, interessante Frauenrollen sind in diesem Film nicht vorzufinden. Eine der Polizistinnen fällt mehrfach durch ihre rabiate Art auf, und auch durch ihre blitzschnellen Kicks. In zwei, drei Szenen tritt sie Gangstern eindrücklich vors Hirn, viel mehr darf sie aber nicht machen. Andere Frauen existieren in diesem Film eigentlich nicht. Freilich, da gibt es eine Ehfrau, die sich wie eine Ehefrau verhält und Partychicks, die sich wie Koksnutten gebärden. Den Bechdel-Test besteht VETERAN nicht, und so richtig dürfte das niemanden verwundern: in diesem Film sind alle Frauenrollen einfallslose Stereotypisierungen.

Viel mehr gibt es - von meiner Seite aus -  nicht zu sagen zu diesem Blockbuster: er scheint sich und seinem Genre zu genügen. Die Geschichte des Erfolges fortzuschreiben, ohne ihm etwas Neues dabei einzuschreiben. Freilich könnte man die Figuren als Stellvertreter für gewisse gesellschaftliche Mechanismen betrachten, die in der Geschäftswelt überhand genommen haben. Einen zivilisatorischen und gesellschaftskritischen Aspekt will ich ihm nicht absprechen - da wird schon mehrfach die Schere angesprochen, die die wenigen Superreichen und Erfolgreichen vom Rest des Fussvolks trenne. Zugleich sind die Figuren schon richtige Individuen mit einem mehr oder weniger beschränkten Innenleben. Figuren also, die durch ihre individuelle, singuläre Erscheinung zum Erzählgegenstand des Films werden und somit gerade nicht generalisierbar und zu verallgemeinern sind. Meines Erachtens weist der Film nicht über sich hinaus. Er verharrt in dem ihm zugedachten Schutzraum, in dem er sich entfalten kann - und verschafft dem Zuschauer dadurch eventuell ein schönes Kinoerlebnis, aber ganz sicher keine schlaflose Nacht. VETERAN schafft es in keinem Moment, den Zuschauer aufzuwühlen oder zu verunsichern. VETERAN ist purer Mainstream.

Michael Schleeh

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