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The Masseurs and a Woman / Anma to onna (Hiroshi Shimizu, Japan 1938)


 Abgesehen von Shosuke Ohara (1949) ist mir das Werk von Hiroshi Shimizu noch völlig unbekannt. Zwischen beiden Filmen liegen zwei Dekaden, doch tonale Übereinstimmungen sind unübersehbar, vor allem die Neigung zum subtilen Humor ist offenkundig. In diesem frühen Film noch etwas zurückhaltender (und manchmal auch: doller, slapstickhafter, wie näher am Stummfilm dran) und stärker verdeckt durch dominantere Stimmungslagen, wie etwa die Melancholie oder die immer wieder aufflackernde Lebensfreude. In den Albernheiten, die sich Kinder noch erlauben dürfen. Bevor sie sich dem Erachsensein stellen müssen, das weit weniger Sicherheiten bietet, als man in jungen Jahren meinen möchte. Das sieht man ganz wunderbar daran, wie sich in diesem Film verschiedene Lebenswege mehrerer Hauptfiguren kreuzen, die viel mehr mit dem Alltag, ihrer instabilen Biographie und dem Sich-Durchschlagen-Müssen ringen, als man auf den ersten Blick erkennen könnte.

 The Masseurs and a Woman ist ungwöhnlich für heutige Sehgewohnheiten, denn er lässt sich viel Zeit. Schon die ganz wunderbare Eröffnungssequenz, in der sich die beiden Hauptfiguren, eben die im Titel genannten blinden Masseure, einem Onsen-Dorf "hoch oben im Norden" nähern, ist ein gutes Beispiel für den zunächst ruhigen Erzählfluss des Films. Auch mit Schnitten wird man hier nicht überrascht oder gar aus dem Sessel geworfen. Der Fokus liegt klassisch auf der Etablierung der Erzählsituation, erste thematische rote Fäden werden ausgelegt, Figuren eingeführt. Und wirklich nichts ist hier überflüssig, zu allen Aspekten kehrt der Film zurück.

 Die vermeintlich lockere und offen mäandernde Struktur des Films, die man wahrzunehmen meint, ist hingegen ein feines Netzwerk, das den ganzen Film durchzieht - und bildet Themen ab, die immer wiederkehren. Schön ist, ganz ähnlich wie in den Filmen Mikio Naruses, dass obwohl der Fokus auf ein detektivisches, kriminalistisches Narrativ hin verschoben ist, der Leichtigkeit der Komödie die Darstellung der Bitternis des Lebens nicht geopfert wird. Die Zeit der Depression, in der ein jeder schauen muss, wo er bleibt, grundiert Masseurs mit einer existenziellen Bedrohung, die über ihn selbst hinausweist und schon die ersten Ahnungen einer noch viel größeren Bedrohung, der Kriegsjahre, herüberwehen lässt. So weit vom Weltgeschehen entfernt ist man selbst in diesem "remote village" nicht, auch wenn es zunächst so aussieht.

 Die besorgten Blicke der Diebin, alleine auf der Gasse zwischen den traditionellen Holzhäusern frieren ein in der Erinnerung wie die Bilder der frühen Fotografie, das Gesicht scharf und stark konturiert, während im Hintegrund alles in der Unschärfe verwischt. Was dort, auch in der Vergangenheit, liegt, kann nicht von Interesse sein. Das Portrait des Alltags, des Hier und Jetzt, ist Gegenstand des Films und überwältigend genug. Man bräuchte viele Filme, um alle diese Sorgen auszuerzählen, die mit diesem urplötzlich dokumentarischen Blick der Kamera - auch formal - so eindrücklich in den Film hinein brechen. Man müsste sowieso einmal nachzählen, wer hier als Zugvogel (auch jenseits der Profession) eine unbehauste, prekäre Existenz führt, ja: führen muss.

Michael Schleeh
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