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The Oil-Hell Murder (Hideo Gosha, Japan 1992)


 In diesem allerletzten Film von Hideo Gosha, der zwar von Shochiku - aber auch von Fuji TV - produziert wurde und vielleicht auch deswegen manchmal artifizell wirkt und ausschaut wie ein TV-Film (vor allem wegen der ziemlich sterilen Kulissen), wird die Geschichte einer Leidenschaft, dann eines Untergangs und schließlich eines Mordes erzählt. Fantastisch dabei die beiden Hauptdarstellerinnen Kanako Higuchi (Ronin Gai, Zatoichi, Achilles and the Tortoise) und Miwako Fujitani (aus Ryu Murakamis Raffles Hotel), in einer Nebenrolle auch ein bekannteres männliches Gesicht wie Renji Ishibashi (Outrage, Gozu, Audition).

 Die Ehefrau eines etwas tumben Ölhändlers kann ihre Blicke nicht mehr von ihrem nun erwachsenen Neffen fernhalten und ist bald bereit, jedes Tabu für ihre wachsende Leidenschaft zu ignorieren. Dumm nur, dass dieser sich mit der Tochter seines Bosses eingelassen hat. Das fliegt aber bald auf und weil hier Klassenschranken missachtet wurden, gibt es Schläge: und nur noch die Hoffnung auf einen gemeinsamen Doppelselbstmord aus Liebe. Ein berühmter kultureller Topos in den japanischen Künsten, auf der Bühne, wie im Film oder der Literatur, kann so die "glückliche Vereinigung" der Liebenden nur im Tode gefunden werden.

 Doch leider hält die junge Geliebte dann doch gar nicht so viel davon, diesem Dasein zu entfliehen und vergnügt sich bald mit anderen Herren, die ihr das Leben kommod machen. Yokichi, der am Boden zerstörte Neffe, ist nun todtraurig - aber frei. Bald ist die Tante wieder zur Stelle und es entbrennt eine heiße Leidenschaft zwischen der älteren Dame und dem Jüngling. Der hat allerdings kein Glück: denn ihre Ehe will auch sie nicht unbedingt ruinieren und so gerät der Jungspund bald in rage und zieht den Dolch.

 Die Schlußszene, die zum Beginn des Filmes zurückführt und so einen geschlossenen Rahmen setzt, zeigt uns den Zweikampf in Zeitlupe, totenstill, wie sie vor ihm fliehend die Ölfässer zu Boden wirft und sich beide dann im öligen Schlamm bekämpfen. Hier ist alles Heroische verabschiedet, es ist ein nackter Kampf ums Dasein, ein Krieg, der in den Köpfen entstand. Sie wird nicht davonkommen, man weiß es ja schon, und das ist also die Tragödie in diesem Film, dessen interessante Figuren eigentlich nur die Frauen waren. Die Männer sind - wieder einmal - allesamt ziemliche Versager. Aber es bleibt eben keine wirkliche Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Nicht solange die patriarchalen Strukturen die Gesellschaft bestimmen. Tot zurück bleibt also die Frau. Und mit ihr ihre Welt.

Michael Schleeh

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