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Come Rain, Come Shine / Saranghanda, saranghaji anneunda / 사랑한다, 사랑하지 않는다 (Lee Yoon-ki, Südkorea 2011)

In Lee Yoon-kis Film regnet es die ganze Zeit. Das soll man natürlich als "emotional landscape" lesen, denn das verheiratete Paar, das hier im Zentrum des Films steht, ist am Ende seiner Ehe angekommen. COME RAIN ist streng auf seinen nüchternen, ja wie mit einem Skalpell sezierten Plot reduziert. Enziger Handlungsort ist (abgesehen von der Autoszene am Beginn) das Haus des Ehepaars: äußerst nüchtern eingerichtet, funktional, kahle Wände, alles vom Besten. In diesem Film wird kaum gesprochen. Das Drama zeichnet sich nirgends so richtig ab, nicht mal auf den stoischen Gesichtern der Protagonisten. Sie, die zu ihrem Liebhaber zieht und bereits die Koffer gepackt hat. Er, der sich damit einverstanden erklärt und die Schuld, es soweit gekommen haben zu lassen, auch bei sich selbst sucht. Doch nun regnet es in Strömen, die Straßen sind überflutet, an ein Fortkommen ist nicht zu denken. Man sitzt fest in einem Zustand des Dazwischen, einem verhinderten Transitzustand, und kann doc...

Into a Dream / Yume no naka e (Sion Sono, Japan 2005)

Das Spiel mit verschiedenen Realitätsebenen, die oft reflexiv auch noch auf sich selbst verweisen, ist seit Jahren kein ungewöhnliches Filmtopos mehr. So ist es auch in Sion Sonos Film lange Zeit unklar, welcher der Erzählstränge, die gleichberechtigt neben einander stehen, nun die "Realität", und welcher der "Traum", oder die "Fiktion" (innerhalb der fiktiven Erzählung) ist. Sonos Film macht es schon deswegen schwer, da in diesem DV-Film die Übergänge meist in beide Richtungen durch das Einschlafen des Protagonisten erreicht wird. Das macht INTO A DREAM unterhaltend, auch wenn er leider nicht allzu packend ist. Schauspieler Mutsugoro Suzuki stekt in der Krise - auch wenn er sie am liebsten verdrängen will: schon seit längerer Zeit dümpelt er auf TV-Film/-Soap - Niveau herum; seine Bekannten fangen schon an ihn zu hänseln. Allerdings hat der zurückhaltende, gutaussehende Charmeur immer noch Erfolg bei der Weiblichkeit, was seine Probleme allerdings...

Intentions of Murder / Akai satsui (Shohei Imamura, Japan 1964)

Es ist die beinah 2,5 Stunden andauernde, gewaltsame Unterdrückung der Frau, die in diesem Film so gnadenlos zusetzt. Daraus resultiert ein Gefühl der umfassenden Hoffnungslosigkeit, im Ambiente und den Settings eine trübe Atmosphäre der tristen Vergeblichkeit. Was immer diese Frau tut, wird ihr von den Männern aufgezwungen. Da ist es eine befreiende Wohltat, wenn sie ganz am Ende, in den letzten Minuten, wenigstens etwas die Kontrolle zurückgewinnt. Was mich verwundert hat, denn ich hätte nicht mit ihrem Überleben gerechnet. Der Plot ist nichts für weiche Gemüter: eine etwas fülligere, vielleicht auch tumbe Hausfrau (Sadako, gespielt von Masumi Harukawa) lebt mit ihrem Gatten Koichi (Ko Nishimura) ein mühseliges Leben nahe der Bahnschienen in einem einfachen Haus. Dort wird sie eines Nachts, als ihr Mann geschäftlich in Tokyo weilt, von einem Unbekannten zunächst überfallen und ausgeraubt, anschließend vergewaltigt. Katastrophalerweise verliebt sich der Vergewaltiger in sie, sodas...

Kandagawa Wars / Kandagawa Inran Senso (Kiyoshi Kurosawa, Japan 1983)

Zwei aufgedrehte Mädels beobachten mit ihren Ferngläsern des Nachts nicht nur die Sterne am Firmament, nein, sondern auch den Wohnblock auf der anderen Seite des Flusses gegenüber. Dort nämlich spielt sich Ungeheuerliches ab: ein junger Mann, der sich für Godard, John Ford, Deleuze und seine Querflöte interessiert, wird von seiner Mutter in regelmäßigen Abständen zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Diese inzestuöse Schweinerei können die beiden nicht mehr länger tolerieren und so planen sie, den Unterdrückten aus seiner Sexhölle zu befreien - um ihn selbst zu besteigen, quasi als Heilmittel. Dabei haben sie nicht bedacht, dass der junge Herr vielleicht sogar ganz glücklich war mit seinem Muttersöhnchenstatus. Einmal fremdgegangen, will er sich direkt von der Brücke stürzen. Zudem wäre auch im eigenen Bette zu kehren: denn eine der beiden aufgeweckten Freiheitskämpferinnen wird selbst recht ordenlich unterdrückt. Ein ekliger Brillentyp, sowas wie ihr Freund, besteigt sie in unersättli...

Gantz – Spiel um dein Leben (Shinsuke Sato, Japan 2011)

GANTZ ist eine in Japan extrem erfolgreiche Mangaserie, die nun, nach der Produktion einer Anime-Serie, mit einer Realverfilmung den Fans zum dritten mal das Geld aus der Tasche zieht. Es ist ein recht abenteuerlicher Ritt, der hier vollführt wird: die beiden Schulfreunde Kato (Kenichi Matsuyama) und Kei (Kazunari Ninomiya) treffen überraschenderweise in der tokyoter U-Bahn aufeinander, wo gerade ein Betrunkener auf die Gleise gestürzt ist. Kato springt sofort hinab um ihm zu helfen, Kei zögert erst noch, hilft dann aber dem Freund. Doch für sie selbst ist ein Entkommen zu spät: beide werden vom heranrasenden Zug erwischt. Schnitt. Die beiden erwachen in einem Appartment, in dem sich eine große schwarze Kugel befindet. Außer ihnen sind noch andere eben Verstorbene anwesend. Plötzlich beginnt die Kugel zu dröhnen und gibt eine Mission aus: ein Außerirdischer soll getötet werden. Dazu bekommen die völlig verdutzten Jugendlichen einen schwarzen, Superhelden ähnlichen Anzug und eine Str...

The Woman in the Septic Tank (Marlon N. Rivera, Philippinen 2011)

Die ersten Bilder aus einem Slum in Manila: die Kamera folgt dem Weg einer Frau durch das enge Labyrinth der Hütten, der Abbruchhäuser, der zusammengezimmerten Unterkünfte; überall Dreck, Menschen, Tiere, Leben auf der Straße, keifende Nachbarn, spielende Kinder, am Horizont die Müllberge, überkopf das Gewirr der Stromleitungen. In der Hütte dann angekommen ihre sieben Kinder, für die sie eine (1) Tütensuppe aufkocht und liebevoll verteilt. Die Kinder essen genügsam. Dann wird die Tochter auf dem Vorplatz gewaschen, mit der Wasserkelle über dem Kopf, und anschließend ins Zentrum zu einem Hotel geführt. Vor einer Zimmertür machen sie halt, ein weißhaariger ergreister Lustmolch öffnet die Tür und zieht das etwa 10jährige Kind zu sich ins Zimmer... Cut. Unterbrechung der Diegese. „Halt halt halt! Sollen wir das nicht ganz anders machen?“ Da entlarvt sich der Film als Imagination dreier adrenalisierter Filmemacher, die bei einem Caffé Latte Frappuccino eisgekühlt im lokalen Starbucks ...

Captive (Brillante Mendoza, Philippinen 2012)

In Brillante Mendozas diesjährigem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag wird eine Gruppe Touristen auf den Philippinen von der islamistischen Terrororganisation Abu Sajaf entführt und monatelang in einer Odyssee durch den Dschungel getrieben. Ihr Ziel ist es freilich, Lösegeld zu erpressen - was sich im Falle einiger Geiseln als schwierig erweist, etwa wenn kein privates Vermögen zur Verfügung steht. Denn die Regierungen der jeweiligen Länder der Entführten tun wenig bis nichts und verschanzen sich hinter ihrer problematischen Position, mit Terroristen nicht zu verhandeln. Insbesondere eine Entwicklungshelferin ist davon betroffen (Isabelle Huppert), die so auf keinerlei Freilassung hoffen kann. Mendoza spielt u.a. verschiedene Formen des Stockholm-Syndroms durch, um die komplexen emotionalen Verästelungen innerhalb der Gruppe darzustellen; wodurch es schließlich zu der absurden Situation kommt, in der ein endlich freigelassenes Opfer nicht gehen will, da es sich in einen Entführer verliebt h...