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4:30 (Royston Tan, Singapur 2005)


Der elfjährige Xiao Wu kämpft sich durch den Alltag, was bei ihm soviel bedeutet wie: Schule, absente Mutter (in Beijing), herzloser Vater, Nudelsuppe, Wunsch nach Anerkennung. Royston Tan, der "bad boy" aus Singapur, aufgefallen in der Videokunst-/Kurzfilmszene und immer wieder vertreten auf Filmfestivals zu Uhrzeiten, wenn keiner ins Kino geht, macht hier einen Film nicht als Erzählung von Geschichte, sondern als Erzählung aus Bildern. Markant also schonmal die beinah komplette Abwesenheit von Sprache. Tan gibt uns keine Hilfestellungen wie Namen, eine Einführung in das Geschehen, irgendwie Zugang. Man ist unmittelbar mittendrin (wie in einem Kurzfilm), ultimativ, ganz, ohne Vorwissen. Und dann kommt erstmal der Krimiplot, die heimliche Durchstöberung der Habseligkeiten des - was man noch nicht weiß - stets betrunkenen Vaters.
4:30 ist dabei zugleich total stilisierter Kunstfilm mit seiner statischen Kamera, der Sprachlosigkeit, der Wahl der Bildausschnitte, der blauen und grünen Einfärbungen. Kunstfilm deshalb, weil der Film seine Ästhetik offen zur Schau stellt. Dass das nie langweilig wird, ist sicher eine Leistung - und am Ende kommt es auf leisen Sohlen knüppelhart, unerwartet. Aber auch mit leisem, sehr leisem Humor. Wo ist nur die Zeit geblieben? Ein unerwartet ruhiger, schöner Film.

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Abschied

Micha hat diesen Blog fast 15 Jahre mit großer Leidenschaft geführt. Seine Liebe zum asiatischen Kino hat ihn in dieser Zeit in Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen gebracht. Viele von euch waren ihm, wenn auch nicht räumlich, so doch gedanklich und emotional sehr nah. Jetzt ist er am 30.12.2021 zuhause in Bonn gestorben. Ich habe mich entschlossen, Michas Schneeland-Blog auch in Zukunft nicht offline zu stellen. So können Interessierte weiterhin all die klugen, detailgenauen und begeisternden Gedanken zum asiatischen Kino nachlesen, die er über die Jahre festgehalten hat.  Neben seinem Blog hatte Micha 2021 noch ein neues Projekt aufgenommen: Gemeinsam mit der Videokünstlerin Sandra Ehlen und Thomas Laufersweiler von SchönerDenken hatte er begonnen, in einem Podcast das filmische Werk von Keisuke Kinoshita zu besprechen. 25 Beiträge sind so bis zu Michas Tod im Dezember noch entstanden. Alle zwei Wochen erscheint nun eine Folge dieser Kinoshita-Reihe. V ielleicht eine sc...

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Drug War / Du zhan (Johnnie To, China/Hongkong 2012)

Viel Aufhebens wird gemacht um Johnnie Tos "erste" Mainland-Action-Produktion (obwohl der Film durchaus HK-co-produziert ist und auch teilweise in Hong Kong selbst spielt, die zweite Hauptfigur Honk Kong-Superstar Louis Koo ist und To die Romcom DON'T GO BREAKING MY HEART (2011) ebenfalls schon in China drehte) - und damit soll einerseits darauf abgehoben werden, dass das Filmemachen in Hong Kong (wieder mal) in einer Krise stecke, und andererseits der chinesische (Absatz-) Markt, alles dominierend, die habgierigen Krallen ausstreckt. Und in gewisser Weise sind die Befürchtungen auch berechtigt, denn was wird aus dem "unabhängigen" Filmland Hong Kong, wenn sogar schon Johnnie To, eine Ikone der Stadt, seine Filme nach den zensurkonformen Mainlandbedingungen ausrichtet! Aber man darf sich beruhigen: DRUG WAR ist ein echtes Johnnie To-Brett geworden. DRUG WAR wird dominiert von formalen Strukturen, die über zwei Knotenpunkte die Entwicklung des Films steue...