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Masahista / The Masseur (Brillante Mendoza, Philippinen 2005)


Brillante Mendozas erste Spielfilmregie verortet ihn sogleich im Independentkosmos des modernen philippinischen, cineastischen Undergrounds. Geringe Budgets und die Digitalkamera eröffnen jungen Filmemachern die Möglichkeit, nicht nur jenseits einer etablierten Filmindustrie, sondern so gut wie jenseits jeder filmischen Szene aktiv zu werden. Ein Status, der sich auch in der Verfügbarkeit der Filme zeigt. So sind die Filme von Brillante Mendoza, Lav Diaz, Raya Martin, KHAVN de la Cruz u. a. nur in Ausnahmefällen auf DVD greifbar (wenn, dann sowieso nur weltweit), oder sie sind mit etwas Glück auf engagierten Retrospektiven und Filmfestivals zu sehen. Im Falle KHAVNs übrigens durchaus auch auf youtube, selbst eingestellt vom Regisseur. Die Filme eint neben den o. g. Kriterien ein Hang zum ästhetischen Radikalismus in Kombination mit einem Blick auf gesellschaftliche Mißstände, welcher gerne mal als "neorealistischer" italienischer Prägung oder als einer im Geiste des "Cinéma vérité" agierenden bezeichnet wird. Hier kann es also trotz aller ästhetischen Realitäts-Stilisierung direkt, hart und brutal werden. Manila von unten, sozusagen. Was ihnen auch schon zum Vorwurf gemacht wurde: das Land für den westlichen Blick auszubeuten, für diesen die philippinische Realität zu skandalisieren. Mancher denkt da auch an Lino Brockas Dramen von Außenseitern und Verstoßenen.

In MASAHISTA jedenfalls widmet sich Mendoza den an den Rand (auch konkret räumlich an den Stadtrand-) Gedrängten Jugendlichen, die als Masseure in einem Massagesalon arbeiten, der ausschließlich von Homosexuellen frequentiert wird und die für ein kleines Entgelt weiterführende Dienstleistungen in Anspruch nehmen können.

Filmisch verschaltet Mendoza zwei Erlebniswelten seines Protagonisten Iliac (Coco Martin) parallel: einmal wird seine Arbeit in besagtem Massagesalon gezeigt, dann wird im anderen Strang vom Tod und der Beerdigung seines Vaters erzählt. Hier schneidet Mendoza hin und her, wobei sich beide Ebenen zunehmend zu überlagern beginnen, und Iliac in der Beschäftigung mit seinem schwulen Kunden, einem älteren Herren, der in ihm die Erinnerung an die Vaterfigur wachruft, sich dem Erwachsenwerden stellen muss. Ebenso der Auseinandersetzung mit der Familie (ein Matriarchat), sowie seiner Freundin, die im Taxi vor dem Haus auf ihn wartet, bis dass er endlich seinen Kunden "bedient" hat. Es entwickelt sich also nicht nur eine Spannung innerhalb des Protagonisten, der im Coming-of-Age-Drama einen Erkenntnissprung macht, sondern auch eine Spannung zwischen den beiden bestimmenden Raumkonstellationen des Massagesalons (in der Nacht) und des Zuhauses (am Tage). Mendoza arbeitet mit Ellipsen, wackeligen Handkamerabildern in den Straßenszenen, sowie langen Einstellungen in den Kabinen des Salons. Mit betörender, dunkel nachtschwerer Erotik in der Darstellung der sich annähernden Körper.

Gegen Ende wird der Film zunehmend ungemütlich, tragisch und gewalt(tät)ig. Im Abspann dann erreicht er einen wunderschönen melancholischen, tranceähnlichen Höhepunkt - auch dank der sehr zurückhaltenden, tollen minimalistischen und atmosphärischen Musik. MASAHISTA ist ein faszinierender Film, der große Lust auf weitere Entdeckungen macht.

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