Direkt zum Hauptbereich

Ocean Waves / Umi ga Kikoeru / Flüstern des Meeres (Tomomi Mochizuki, Japan 1993)


Der Regisseur von Maison Ikkoku Kanketsuban, dem Kino- und Abschlussfilm zur in Japan extrem erfolgreichen, 96-teiligen Anime-Serie um ein studentisches Wohnhaus in dem das Chaos regiert, inszeniert hier einen Film für das Studio Ghibli, der mich in seiner Erinnerungsstruktur und den Bildgestaltungen sehr an Tränen der Erinnerung / Omohide poro poro (1991) von Isao Takahata erinnert.


Der Student Taku Morisaki reist von Tokyo in seine Heimatstadt Kochi und sieht auf dem gegenüberliegenden Bahngleis seine damalige Mitschülerin Rikako, die ihn damals erst in die Verzweiflung getrieben hatte (bei einer Klassenfahrt nach Hawaii und einer Reise nach Tokyo), und in die er sich dann - obwohl es seinem besten Freund ebenso erging - unsterblich verliebt hat. Dies zu erkennen hat etwas gedauert, da er mit seinem emotionalen Haushalt nicht ganz im Reinen war. Doch spätestens dann nach dem Klassentreffen in eben jenem Kochi, ist ihm alles völlig bewußt. Zurück in Tokyo wiederholt sich die Szene auf dem Bahngleis erneut, er rennt hinüber und nach einem kurzen Moment der Orientierungslosigkeit und einen Kameraschwenk später finden sich die beiden Liebenden.


Ocean Waves braucht seine Zeit, um in Fluss zu kommen. Und zu Beginn ist nicht ganz klar, worauf der Fokus der Erzählung liegt. Das liegt auch daran, dass die Verwirrung des Erzählers durch das Eintauchen in die Erinnerungen und durch die personale Erzählperspektive die Übersicht verhindert und sich auf den Zuschauer überträgt, dieser (s)eine klare Linie finden muss. Aber wenn die Figuren sortiert sind, sich das Buddy Movie zur Schulromanze reduziert, klären sich die Verwirrungen. Die Musik ist etwas dick aufgetragenes Klaviergeplänkel - nicht im Sinne der Orchestrierung, sondern im Sinne eines emotionalen Aufschwingens durch minimalmusikalische Plinkerperlmelodien. Dies wirkt bisweilen unnötig kitschig und lässt ungute Vermutungen bezüglich der ursprünglich angesteuerten Zielgruppe aufkommen - Ocean Waves ist einer der wenigen Fernsehfilme des Studios. Jedoch, mit ein wenig Geduld ist auch das immer wieder überstanden und letztlich gibt es in diesem unprätentiösen, nostalgischen Film genug Momente und Szenen, an denen man sich erfreuen kann.


.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Aido: Slave of Love (Susumu Hani, Japan 1969)

Here are some pictures I took during a private screening of Susumu Hani's extremely rare and seldom seen feature film  AIDO - SLAVE OF LOVE , which is the movie Hani made after the famous NANAMI: INFERNO OF FIRST LOVE. The film is beautifully shot, completely absorbing and structurally abandoning all narrative consensus - it is somehow - for most of the time - a subjective trip into the mind of the protagonist Shusei (Kenzo Kawarasaki). As you can asume, a dreamlike state predominates the film; and with its' devotion to extensively focussing on the details of the body while making love, presented in detailed close-ups, aswell as its' beautifully daring setpieces, it reminded me to some extent of Toshio Matsumoto's experimental oeuvre, as for example in his short film PHANTOM . AIDO was submitted to the competition-section of the 19th Berlin International Film Festival (aka Berlinale) - a fact that is quite astonishing, if you consider the direction the main section of ...

Fallen Angels / Duo luo tian shi (Wong Kar-Wai, Hongkong 1995)

Eine junge Frau (Michelle Reis) streift durchs nächtliche Hongkong: sie ist auf dem Weg in das heruntergekommene Hotel, in dem sie sich bei einem Job, und nur für diesen, einrichten. Die Bewegungen sind fließend, schnell, routiniert. Dann kommt er, der Killer (Leon Lai), bereitet sich vor, läßt sich Zeit, dann geht es los. Irgendwo muß immer irgendwer getötet werden. Mit mechanischer Präzision führt er den Auftrag aus, eine heiße Schießerei, Lebensgefahr, Schnelligkeit kommt vor Schönheit. Die Einsamkeit des Langzeitkillers. FALLEN ANGELS ist der Kinotrip schlechthin. Genre, Bilderrausch, offenes Erzählen. Hier wird nichts erklärt, alles geschieht, irgendwie, ohne begründet zu werden. Die Geschichte formt sich im Laufe des Sehens. Dass es eine Tragödie ist, merkt man erst später. Dazu noch eine Liebestragödie. Denn die Agentin ist in den Killer verliebt, er aber verbietet sich dies. Sie treffen sich nie, alles bleibt anonym, kaltes Geschäft. Da lernt er die Drifterin kennen. Blo...

HKIFF 2013: A Story of Yonosuke (Shuichi Okita, Japan 2012)

Mitte der 80er kommt der junge Yonosuke nach Tokyo um dort zu studieren. Er ist eine ziemlich schräge Gestalt: groß gewachsen, Wuschelhaare, er hat einen ungewöhnlichen Humor und hat einen einnehmend, offenen Charakter. Einer der zugleich irgendwie schräg ist, rausfällt. 16 Jahre später erinnern sich verschiedene Personen, die alle seine Bekanntschaft gemacht hatten, an ihn, und in übergangslos montierten Rückblicken findet der Film - durch seine unterschiedlichen Perspektiven - neue Blickwinkel auf die Person Yonosukes. Hierfür gibt es auch einen Anlaß, der teilt sich aber erst ganz am Ende des Films mit. Dieser Film, eigentlich eine coming-of-age-Geschichte, ist voller origineller Einfälle, von lautem und leisem Witz, immer durchzogen von einer Spur Ironie und Humor. A STORY OF YONOSUKE ist trotz seiner 160 Minuten extrem kurzweilig, und hat eine völlig ungewöhnliche Narration. Beim ersten Einschub eines sozusagen "zukünftigen Flashbacks", denn die Zeit der Haupthan...