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Violent Virgin aka Gewalt! Gewalt: shojo geba-geba (Kôji Wakamatsu, Japan 1969)



 Ein verstörender Film: die beiden Protagonisten, ein Mann namens Hoshi (gespielt von Toshiyuki Tanigawa) und eine Frau (Hanako, gespielt von Eri Ashikawa - doch die Namen spielen wieder mal eigentlich keine Rolle) mit Sack über dem Kopf, werden offensichtlich von einer Gruppe sadistischer Yakuza und ihren kreischenden Gespielinnen entführt. Man gelangt über holprige Wege in eine Einöde, wo die Frau nach einigen Misshandlungen an ein großes Holzkreuz gefesselt wird. Blut läuft ihr über die Brust, sie ist beinahe nackt. Der Mann wird auf verschiedene Arten misshandelt, bevor er von den Peinigern zum Verkehr mit den prolligen Weibern gezwungen wird. In seiner Wut und Hilflosigkeit geht er jedoch äußerst ruppig mit ihnen zur Sache. Er beginnt sich aufzulehnen und erwürgt eines der Mädchen. Später kommt dann heraus, dass die Gräueltaten von einer Anhöhe aus vom Yakuza-Boss beobachtet werden, der seine sadistische Freude daran hat, das Liebespaar zu quälen. Denn Hoshi ist sein untreu gewordener Untergebener, ein chinpira, Hanako des Bosses Freundin, die sich auf eine Affäre mit dem Nachwuchsgangster eingelassen hatte. Ein aufgebautes Präzisionsgewehr verschärft dann den Konflikt, als im Lager das Chaos ausbricht.

VIOLENT VIRGIN ist ein alptraumartiger, metaphorisch heftig aufgeladener, grandioser Film. Auch weil man an ihm sehen kann, dass mit beschränkten Mitteln und kleinem Geld ein großartiger, reduziert bis auf die Knochen und zugleich spannender Spielfilm entstehen kann. Das Budget für VIOLENT VIRGIN war sehr klein, es muss sich geschätzt auf etwa umgerechnet 15.000 € belaufen haben. Womit dieser neben THE EMBRYO HUNTS IN SECRET vermutlich der billigste Film der Wakamatsu Pro gewesen sein dürfte. An Requisiten gibt es nicht viel und das meiste besorgt die Location: an den Ausläufern des Fujiyama gedreht, befindet man sich in einem beinahe surrealen, wie oben beschrieben kargen Ödland, was am stärksten zur Atmosphäre beiträgt. Es wird noch ein Holzkreuz aufgebaut, ein kleines Zelt aufgestellt, ein Auto gefahren und ein Gewehr benutzt - das ist alles. Das meiste Geld dürfte für die Technik draufgegangen sein. Wie hier getobt und geschrien wird, lässt außerdem vermuten, dass auch für diesen Film nur ein sehr rudimentäres Skript vorlag, und dass viel improvisiert wurde. Am Drehbuch war unter anderem (neben mindestens noch Izuru Deguchi) Atsushi Yamatoya beteiligt, der im Film auch eine Rolle übernommen hat. Übrigens hatte er diese beiden Funktionen auch zwei Jahre vorher in einem nicht ganz unbekannten Film von Seijun Suzuki übernommen, bei BRANDED TO KILL. Überhaupt ist in dem ganzen Produktions-Chaos zu vermuten, dass mehrere Personen verschiedene Funktionen erfüllt haben und mehrere Aufgaben übernahmen. Und eben nicht nur Schauspieler oder zum Beispiel Techniker waren - sondern eben irgendwie alles machten. Yamatoya jedenfalls war einer der regulären Skriptwriter für Wakamatsu Pro, so wie Masao Adachi oder Yoshiaki Ôtani, ein Pseudonym für Takao Yoshizawa und Chûsei Sone (aus dem später dann ja ein relativ bekannter Regisseur wurde); allerdings hat Yamatoya auch Regie geführt, etwa bei einem Film mit dem vielversprechenden Namen DUTCH WIFE OF THE WASTELAND (1967), in dem ein Privatdetektiv den Mord an einer Schauspielerin, die in einem Snuff-Film mittat, aufklären soll. Wer also bei welchem Film genau was gemacht hat, ist bei Wakamatsu Pro nicht immer nachzuvollziehen, einerseits durch die Verwendung von Pseudonymen (der Musiker und Schauspieler "Meikyu Senkai" aka Michio Akiyama ist auch so ein Fall), andererseits durch eine recht laxe Handhabung der Credit-Angaben. Hinzu kommt Kôji Wakamatsus recht freie Interpretation und sich widersprechende Darstellung der tatsächlichen Ereignisse in Interviews, sowie die Tatsache, dass auch mal geschwindelt wird, wenn es dem Verkauf des Filmes dient. Wer also Genaues wissen will, der muss sich hier oftmals durch dichten Nebel kämpfen.

Neben den enigmatischen Bildern zeichnet sich VIOLENT VIRGIN vor allem durch seinen direkten, harten Zugang aus, der dann immer wieder metaphorisch überhöht wird und für den Kunstliebhaber die Interpretationsoptionen aufmacht. Außerdem weht ein melancholischer Hauch der Vergeblichkeit durch den Film, da der Protagonist, dem einmal die Flucht durch die sandigen Hügel gelingt, in einer Kreisbewegung nur immer wieder zurück zum Ausgangspunkt gelangt. Basal gesehen ist dieser Film eigentlich ziemlich einfach und schlicht. Gerade heraus, hart, reduziert. Aber deswegen nicht eindimensional oder gar primitiv, sondern viel eher erschütternd, mitreißend, erschreckend in den Gewaltspitzen und wieder ein Beispiel dafür, wie teuflisch überraschend ein Film von Kôji Wakamatsu sein kann.










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