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Im Labyrinth der glänzenden Oberflächen: Im Sang-soos THE TASTE OF MONEY (Südkorea, 2012)


Wo man sich in diesem riesigen Haus aufhält, wird einem nie so recht klar - es ist ein verschachteltes System aus Räumen, Durchlässen, Gängen und Fluren, Treppen, Winkel und Etagen. Hoch über der Stadt Seoul, von der man nur das Glitzern der Lichter in der Nacht wahrnimmt, und das Im Sangsoo wie das Leuchten von Los Angeles inszeniert, hat sich diese Familie eingerichtet, eine superreiche Industriellenfamilie, die einem mächtigen Energiekonzern vorsteht. Auch innerhalb des Gebäudes ist alles aseptisch museal gehalten, High-End und Designkunst, sogar beim Frühstück ist alles genau austariert. Man hält sich mehrere Hausangestellte, und wie schon in Im Sangsoos letztem Film HANYO, THE HOUSEMAID, der ein Remake des koreanischen Megaklassikers von Kim Ki-young ist (und der meines Erachtens zu den besten Filmen der Filmgeschichte zählt), stehen diese Personen, die eigentlich nur Nebenfiguren sind und die man nicht bemerken soll, im Zentrum der Erzählung.

Im Sang-soos Film ist nun alles andere als GOSFORD PARK, auch wenn der Gedanke erstmal nahe liegt und ein befreundeter Geschäftsmann tatsächlich "Robert Altman" heißt (mit Sicherheit eine Verbeugung Ims) - TASTE OF MONEY ist ein Film über Macht und Machtmißbrauch, über Ausbeutung. Und deshalb werden die Nebenfiguren schließlich zu den eigentlichen Protagonisten des Films, also zu den Hauptfiguren in einem Spiel aus Geld und Begehren, was schließlich so vernichtend auf das Gefüge wirkt, dass es auseinanderzubrechen droht. TASTE OF MONEY ist überdeutlich eine inoffizielle Fortsetzung von HANYO, spielend in einer Zeit, da die Kinder von damals älter, erwachsen geworden sind. In einer Dialogszene wird dann auch auf diese Kontinuität angespielt, in einer anderen sieht sich die Familie im hauseigenen Kino Ims Remake an, in einer weiteren läuft das Original von Kim Ki-young. Ein Film der Referenzen also, einer, der sich explizit in Im Sang-soos Werk einschreibt und positioniert.

TASTE OF MONEY ist beim Filmfestival in Cannes gefloppt, und auch bei der Berlinale kam er nicht gut weg. Das mag damit zu tun haben, dass dem Zuschauer eine klare Sympathiefigur fehlt, auch wenn man um das Schicksal der beiden Angestellten bangt. Sie dürfen aber beinahe kein Wort sagen, ihr Innenleben äußert sich mehr in kleinen Bewegungen, Blicken und Blickkontakten. Von ihrem Innenleben bekommt man aber kaum etwas mit. Dass das philippinische Hausmädchen auch sexuell eine Beziehung zum Hausherren hat, wird später in einer - durchaus interessanten - Volte umgedeutet, da sie ihm einen Ausweg aus der lieblosen Ehehölle bieten kann. Allerdings um deren Aufgabe. Dass ihre beiden Kinder, die getrennt von ihr auf den Philippinen aufwachsen müssen, auch seine Kinder sind, bleibt unausgesprochen im Raum stehen. Im gelingt es, die Kälte der Menschen zueinander in eine cineastische Kälte der Form zu übertragen, die für den Zuschauer bisweilen schwer erträglich ist. Aufgrund der makellosen Oberflächen der Räume und durch die sturgeraden Kamerafahrten fühlt man sich in eine visuelle Eishölle gepresst, die eine Flucht unmöglich erscheinen lässt. Leider fällt Im recht wenig ein, wenn es dann ans Körperliche geht: da wird rumgehurt, mit Fressalien gespielt, und der Lack & Leder-Quatsch darf auch nicht fehlen, wenn der Regisseur ganz unsubtil darauf abzielt, die Dekadenz hinter der Oberfläche der hemmungslosen Kapitalisten zu enthüllen. Und wenn Im den Body seines Hauptdarstellers auf eine Weise illuminiert, dass das Licht blendend vom Sixpack der Bauchmuskulatur reflektiert, dann hat er eine Grenze überschritten, die er in seinem Film eigentlich anprangert: die Ausbeutung seiner Untergebenen.

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