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Ploy (Pen-ek Ratanaruang, Thailand 2007)


Mit europäischem Geld (co-) finanziert und dann die Premiere in Cannes, da kann man schon ahnen, wes Kind Ploy ist. An der einheimischen Kinokasse ist er dann wohl auch ziemlich gefloppt, zu schwer und künstlerisch sei der Film. Und so fügt er sich auch wunderbar ins Oeuvre Ratanaruangs ein: ein traumähnlich langsamer, ruhiger Film, dessen Charaktere tief verunsichert sind. Wenn man, wie ich, zuerst den später produzierten Nymph gesehen hat, dann mutet einem Ploy wie eine Vorstufe zu diesem an. Selbes Thema, auseinanderbrechende Ehe, Krisenauslöser dann eine dritte Person von außen (dort die Waldnymphe, hier die junge Ploy (oben im Bild)), vierter Protagonist das Setting - dort der Wald, hier das Hotel. Der große Unterschied ist sicherlich, dass Ploy noch linearer abläuft, narrativer ist in seinem filmischen Gestus, seine Verstörung noch eher bereit ist, aufzulösen.

Das nicht mehr ganz junge Paar Dang und Wit kommt aus Amerika nach Bangkok geflogen, da Wits Vater verstorben ist. Er hat sie in ein edles Hotel eingebucht, man verbringt den Rest der Nacht im Jetlag-Standby-Modus und den darauf folgenden Tag ebenso. Die schöne Dang, einst erfolgreiche Schauspielerin, scheint mittlerweile kokainabhängig zu sein und auch mit alkoholischen Getränken pflegt sie ein enges Verhältnis. Beide sind in zweiter Ehe und auch hier kriselt es nun überdeutlich, nach acht Jahren Gemeinsamkeit. Sie möchte wieder die Liebe und Leichtigkeit des Anfangs, er kann immer weniger geben, desto mehr sie einfordert. Freilich ist sie selbst dabei nicht weniger egoistisch. Nachts an der Hotelbar nun lernt Wit die junge Ploy kennen, die ebenfalls die Nacht herumbringen muss, und Wit lädt sie dann aufs Zimmer ein, dort könne sie sich etwas ausruhen. Seine Gattin ist wenig erfreut darüber und unterstellt ihm sexuelle Absichten. Daraufhin eskaliert die Situation zusehends.

Parallel wird ein zweiter Handlungsstrang eingeführt mit zwei Hotelangestellten, die sich zu einem Stelldichein auf einem Zimmer treffen und dort der leidenschaftlichen, aber wie meditativen Liebe frönen. Als Gegenentwurf zum asexuellen Eheleben von Dang und Wit wirken diese Szenen unfassbar erotisch und voller Leidenschaft (wenngleich auch etwas offensichtlich und überdeutlich als Gegenentwurf gescriptet). Zugleich ist aber nie ganz klar, ob diese nicht nur von Ploy geträumt werden, bzw. eingebildet sind - später spricht einiges dafür, dass es lediglich Einbildungen waren. Aber auch Dangs plötzliches Verschwinden und ihre mysteriöse Entführung durch einen Vergewaltiger, dessen Opfer sie wird und dem sie kaum entkommen kann, wird an das harsche Aufwachen aus einem Alptraum Wits gekoppelt, sodass auch diese Episode nicht real erscheint. Aber mit letzter Gewissheit lässt sich das nicht sagen, und vermutlich kommt es darauf auch nicht an. Es ist eine Darstellung der Dämonen, von denen die Protagonisten dieses Filmes gejagt werden, die mit sich selbst und mit ihrer Lebenssituation im Unreinen sind. Etwas glatt und wie unberührar ist Ploy geraten, kalt, aber wunderbar eingefangen und mit einer tiefen Melancholie an modernen Transit-Orten festgehalten: am Flughafen, im Taxi, im Hotelzimmer, im Restaurant, an der Bar. Ein schöner Film über den Horror, den sich die Menschen selbst erschaffen.

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